4. Oktober 2022

Der Bruch im kleinem Teich

Teiche sind für Läufer seltsame Landschaftsformationen. Das Hirn sagt: “Laufen wir drumherum.”. Die Beine sagen: “Ja, ne klar, die ganze Zeit getragen werden und ständig auf dumme Gedanken kommen.” Die Bruchteiche sind besonders. Hier hat man zwei Teichen direkt nebeneinander, die man bevorzugt in einer 8 umrundet.

Umrundet man beide Teiche hat man gut 4 Kilometer hinter sich, macht man nur eine Runde, um den großen der beiden Teiche sind, es immerhin noch 2,5 Kilometer. Zwei Achten und eine große Teichrunde sind etwa 10,5 Kilometer. Etwas was ich vor 1 1/2 Jahren nicht geschafft hätte, weder laufend noch gehend.

Ich liebe das Laufen in der Natur. Morgens hat man hier eine malerische Stimmung, gute Luft, wenig störende Menschen und öfter mal interessante und auch seltene Tierbegegnungen. Ob schnell, ob langsam, ob gehen ist egal. Hauptsache in Bewegung bleiben.

Anfangs ging es noch von Bank zu Bank. Hier störten mich die Angler irgendwie und ich kann für diese auch nur wenig Verständnis aufbringen. Ausgestattet mit einer Camping-Ausrüstung, als wollten diese 14 Tage auf den Fang der Saison warten, belagern diese gerne jede verfügbare Bank. Für jemanden, der mal auf diese Bänke sehr angewiesen war, kein gutes Umfeld.

Die Angler wurden zuletzt weniger. Jetzt ist es auch klar. Die Tageszeitung berichtete, dass aus dem kleinen Teich etwa eine Tonne toter Fisch geborgen wurde. Ammoniak wurde als Giftstoff im Teich gefunden. Nun pumpt man Wasser aus dem Teich, reichert dieses mit Sauerstoff an und pumpt es wieder zurück und hofft so die verbleibenden Fische retten zu können.

Für mich ist das Verhalten nur teilweise befriedigend und das ein oder andere hätte durchaus verhindert werden können, wenn man nicht nur geangelt, sondern auch den Teich genauer im Blick behalten hätte.

Schwäne und Enten brüteten am Teich, verließen selbigen aber schlagartig. Tiere weichen nicht ohne Grund aus. Und der Grund war über etliche Tage sichtbar. Ein hellgrüner Schleier machte sich eine ganze Zeit über den Teich breit. Dass dieser nicht das Non-Plus-Ultra war konnte man bei seltenen Regenschauern sehen, wo das grün bei jedem Tropfen wich und wieder normalere Wasserfarbe freigab nur, um dass sich das ganze wieder zuzog.

Wo kommt nur das Ammoniak im Wasser her? Ammoniak ist in erster Linie eine chemische Verbindung aus Stickstoff und Wasserstoff. Es ist ein Gas, welches wasserlöslich ist, stark stechend riecht, zu Tränen reizen kann und die Atmung erschwert.

Eigentlich ist Ammoniak als freies Gas sehr selten. Es entsteht beispielsweise bei der Zersetzung von abgestorbenen Pflanzen.

Der grüne Schleier dürften sogenannte Mikroalgen gewesen sein, bei deren Absterben nach der Blüte eben Ammoniak entstand. Tödlich für die Fische.

Als Asthmatiker könnte ich als Ammoniakdedektor durchgehen. Schon drei oder vier Wochen hatte ich am kleinen Bruchteich so meine Probleme. Eigentlich fühlte ich mich pudelwohl, aber sobald ich am kleinen Teich ankam, fühlte ich mich zum Husten gereizt.

Das war nicht so, dass ich keine Luft mehr bekam. Sondern ein einfacher Hustenreiz. Ich bekomme diesen recht rasch, wenn ich unliebsames einatme… Zigarettenrauch, auch den von E-Zigaretten, wenn der Nachbar mal wieder lackiertes Holz verbrennt, und und und… Heute weiß ich, dass hier wohl ein leichter Duft von Ammoniak in der Luft lag.

Die Luft im Teich wird angereichert. Ja, das finde ich eine gute Idee. Dann kam aber ein Bericht im HR. Die Hessenschau war vor Ort. Etwa 1/3 des Wassers wolle man abpumpen, dann soll es der Regen richten.

Hier fangen die Probleme an: welcher Regen? Wenn es denn im letzten halben Jahr mal geregnet hat, dann waren es kleine Schauern, wo man bestenfalls sagen würde, die Mücken sind am Pinkeln gewesen wären. Und so schnell, wie diese Schauern kamen, waren diese wieder vorbei.

Die Sonne brütet schon seit Wochen, wie in vielen Teilen des Landes. Der See hat keinen natürlichen Zufluss und einen niedrigen Wasserstand, wie nie in den letzten Jahren. Selbst der kleine Bach, der hinter dem See am Waldrand fließt, ist seit Monaten ausgetrocknet. Wo soll neues Wasser herkommen?

Und pumpe ich Wasser ab, lande ich umso mehr in den Wasserschichten, wo die Reste des Bewuchses am Verrotten sind. Mache ich es damit für die Fische nicht noch schlimmer?

Es ist schade, aber ich werde die nächsten Wochen die Teiche meiden. Hoffen, dass dort die Luft bald besser wird. Im und aber auch um den Teich. Heute dürften es nicht nur die Ausdünstungen der Algen sein, sondern auch die von toten Fischen, denn es werden sicher immer noch welche nachkommen. Das Problem ist nicht von gestern auf heute gekommen, es wird also auch nicht morgen verschwinden.

Das Problem wird auch nicht weniger werden. Gestern war ich auf den Weg zum Nordkap. Das ist eine Skulptur , die nördlich am Zusammenfluss des alten Werraarms, mit dem aktuellen Flusslauf, aufgestellt wurde. In den dortigen Werraauen, hat man Überflutungsgebiete, Senken von früheren Flussverläufen.

Viel Wasser hat man nicht, weder in den Armen noch im Fluss. Große Teile der Altarme sind mit recht trockenem Schilf zugewuchert. Und es liegt ein muffig-modriger Duft in der Luft. Schön, ist anders.

Wenn mir eins aufgefallen ist, am Albunger Nordkap ist es recht grün-braun. Der Klimawandel ist angekommen. Sagen auch die Wälder drumherum mit den vielen vertrockneten Bäumen.

Foto: Norbert Beck und canva PRO / Beitragsbild-Layout: canva PRO und Norbert Beck


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Norbert Beck

Einst wollte er nur laufen, dann kamen gesundheitliche Rückschläge, die Pflege eines Angehörigen und damit ein jahrelanges Leben am gesundheitlichen Limit. Nun ist er wieder auf dem Weg zurück und sagt immer noch "Ich bin schlank, man sieht doch nicht!" Seine Ziele: Gesünder leben, Kilos verlieren, Spaß haben und irgendwann wieder laufen.

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