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Meine Woche – Woche 22 und 23/2021

Wenn Euch jemand mal diesen alten Spruch von wegen „Die Zeit heilt alle Wunden“ um die Ohren haut, dann gebe ich dem Tipp und haut demjenigen kräftig eine rein. Fragt derjenige dann noch warum ihr das gemacht habt, dann sagt einfach: „Iss nicht schlimm, ist gleich wieder vorbei.“

Nein, die Zeit heilt keine Wunden. Wir lernen nur besser mit bestimmten Situationen umzugehen. Das ist ein Punkt, den ich gelernt habe, nachdem die Küche nun fast fertig ist und quasi in Vollbetrieb ging.

Bei den letzten Fliesen brauchte ich Hilfe. Diese hingen unter einer Wandverkleidung und rührten sich keinen Millimeter. Und mit Werkzeug hatte ich bei meinen Grobmotorikerhänden mehr Angst, was kaputt zu machen. Es ist keine Schande in so Situationen um Hilfe zu bitten. Zumal ich am selben Abend noch Klarschiff gemacht habe. Reste abtransportiert, gefegt und gesaugt und dann ging es an den Aufbau der Regale.

Bis auf ein Regal steht alles. Das letzte Regal hatte ich etwas bestreikt. Die Vintage-Regale die ich bestellt hatte, waren recht leicht, zumindest die beiden Teile, die nun zusammengeschnallt ziemlich Mittig in der Küche stehen und eine Arbeitsinsel bilden. Das Hochregal am Kücheneingang, war schwer. Ich vermutete zu Schwer für meinen Rücken. Nun ist es heute, mit fast zwei Wochen Verspätung dann doch in drei Etappen die Küche hochgewandert und wird unter der Woche abends aufgebaut.

Trotzdem konnte die Küche schon in Vollbetrieb gehen. Die Geräte mühevoll gereinigt, die Zubehörteile gespült und nochmal im Kurzprogramm durch die Spülmaschine gejagt, habe ich erst den Grill, dann die Friteuse, den Backautomat und den Dampfgarer wieder eingeweiht.

Das wieder Vollbetrieb in der Küche ist, merkt man an einer Tatsache: Die allmorgentlichen Einkaufe im Discounter fallen weg.

Mittlerweile ist es Abendroutine, das die Kaffeemaschine einmal läuft und ich in eine Flasche Kaffee mit Milch mache und dort einen Löffel Zucker zugebe, das ist etwa 1/15 des Zuckeranteils, was diese Fertigkaffeebecher im Discounter haben. Auch der Kaffeeanteil ist, bei mir höher. Das was die Herrschaften da in die Becher machen, ist doch quasi nur Milch stark gezuckert mit Kaffeearomatisiert. Meine Variante schmeckt nicht nur besser, sondern ist Kalorienmässig fast neutral.

Dann mache ich noch zwei Tees. Meist einmal einen Früchtetee den ich gerne mit etwas Zitrone aromatisiere und dann einen Kräuterstee. Alles zusammen stelle ich, wenn dieses Handwarm abgekühlt ist, über Nacht in den Kühlschrank und Packe das am nächsten Morgen in meine Essentasche. Dort landet noch ein Joghurt, etwas Nüsse und gepopptes Getreide, etwas Obst und eine Orange-Gelbe Box mit einem Mittagessen, welches ich vorbereitet habe und nur in der Pfanne, Backofen oder Microwelle erhitzt werden muss.

Einfach leckeres essen. Essen was ich mag. Essen was mir schmeckt, Essen wo ich weiss, was für Zutaten drin sind. Irgendwie hat es einen Ruck gemacht. Und das gute alte Feeling war wieder da. Nimm Dir Zeit, tue dir selbst was gutes.

Vielleicht spielt da auch das neue Geschirr eine Rolle. Ich habe mir ein schwarzgraues Geschirr für 4 Personen gegönnt, bestehend aus einen Teller mit leicht erhöhtem Rand, einen Kuchenteller und statt den üblichen Suppenteller eine Schale die sich sowohl für Suppe als auch für Salate aller Art nutzen lässt. Seit dem dieses Geschirr da ist, esse ich wieder gerne zuhause.

Meine Mutter liebte bei Geschirr Zwiebelmuster. Ich weiss noch wie sie sich geärgert hatte, weil ein günstig gekauftes Geschirrset, obwohl es Geschirrmaschinen geeignet sein sollte, die nette Bemalung verlor. Am Ende kaufte ich ein recht wertvolles Geschirr einer thüringischen Porzelanmanufaktur – nein, Meißen liegt in Sachsen liebe Leser, und stellte dieses meiner Mutter zur Verfügung.

Ich möchte das Geschirr nicht schlecht reden. Es ist sehr schön. Es hat tatsächlich fast 10 Jahre auch die Spülmaschine verkraftet. Aber irgendwie erinnerte es mich als an meine Mutter. Ich bitte mich nicht falsch zu verstehen, ich liebe meine Mutter und werde sie immer gut in Erinnerung behalten. Aber die Esserrei die sie gegen Ende an sich hatte und die auch mit verantwortlich für ihren Tod war, nein, an diesen Kampf will ich nicht permanent erinnert werden.

Wer nun, sagt die Zeit heilt alle Wunden, der macht sich selbst was vor. Es hilft nichts, sich selbst immer wieder seinen Wunden auszusetzen. Und so wanderte das Geschirr, in einen Schrank zur Einlagerung, während ich mein neues Geschirr in Benutzung nahm. Ein Umbruch, genau wie die Küche, in die sie jetzt mit ihrem Rollstuhl nicht mehr reinkäme, ich dafür aber genug Arbeitsplatz und Stauraum habe.

Einige Traditionen habe ich wieder aktiviert. So, den Pott Gemüsefond, den ich Samstags früher immer gezogen habe und unter der Woche zum Kochen genutzt habe. Man kann damit schöne Suppen machen, Pfannengerichte ablöschen oder schnell mal eine Soße draus hochziehen. Lecker, einfach und vor allem billig. Ich nehme dazu in der Regel einen Beutel Gemüsereste auf dem Markt mit. Je nach Stand bekommt man diesen für nen obligatorischen Euro oder sogar für Umme, weil es sonst weggeworfen würde.

Ich kaufe wieder bei Hofläden. Wer jetzt sagt das wäre zu teuer, dann kann ich nur mal raten, selbst zu gucken. Oft finden sich Hofläden, wo man Geflügel fast so günstig, wie an der Bedienungstheke beim Fleischer im Supermarkt bekommt. Und seien wir mal ehrlich, es muss nicht jeden Tag Fleisch sein.

Erinnere ich mich an die Zeiten früher wo ich klein war, dann gab es nur an drei Tagen Fleisch. Mittwochs, weil Markt war und meine Mutter eh beim Metzger vorbei kam. Samstags war Schnitzeltag und Sonntag den üblichen Sonntagsbraten. Sonst gab es immer irgendwas mit Gemüse.

Gemüse… da wurde ich die Tage schonmal für verrückt bezeichnet, weil ich dies auch auf dem Markt oder im Hofladen kaufe. So verrückt ist das gar nicht. Wenn man Gemüse und Obst saisonal kauft, kann dies sogar billiger als beim Discounter sein. Wir kennen die üblichen Angebote, wo dann im Supermarkt Gurken für 33 Cent angeboten werden, das ist meist in der Haupterntezeit. Zur selben Zeit kann mann schon mal vier oder fünf dieser Gartenschlangen für einen Euro auf dem Markt bekommen. Man muss nur zur richtigen Zeit am richten Ort sein.

Leider viel in der Vorwoche der Sport so ziemlich aus. Ich verbrachte die freie Zeit damit die Küche fertig zu machen. Regale aufbauen, saubermachen, umräumen. Quasi ein Fitnessprogramm der anderen Art. Sogar meine Bruchteichrunde fiel aus. Zum Wochenende hin machte mir der Rücken zunehmend Probleme, so das ich freiwillig verzichtete.

In der letzten Woche lief dann alles wieder normal. Nur eben mit Essen, Trinken, frischen Brot aus eigener Küche. So ganz dann auch wieder nicht.

Ich habe ein Problem: Ich vertrage das heisse Wetter nicht mehr so gut wie früher. Zum Nachmittag hin einsetzende Kopfschmerzen. Nein, das macht kein Spaß. Eigentlich war ich froh, wenn ich dann ins Bett gegangen bin. Offenes Fenster, gut gekühlter Raum… Herrlich.

Dafür ging es heute wieder an die Bruchteiche. Ich weiss nicht was morgens schon die Horden von Menschen da wollen? Ich habe es immer genossen, wenn morgens nur ein paar Leute da unterwegs waren. Paar Walker, paar Läufer denen man eben zwei- oder dreimal begegnet ist. Heute morgen hatte das schon was von einer Pilgerfahrt.

Allerdings eine mit Überraschung. Etwas versteckt, sah ich das zwei Schwäne Junge hatten. Mit denen diese auf dem zweiten See gründelten. Naja, die Kleinen versuchten Mama und Papa nachzumachen, was manchmal doch sehr unbeholfen aussah.

Zuhause hieß es dann wiegen… zum ersten Mal seit 2 ½ Wochen. Irgendwie ist das Vertrauen in sich selbst und die eigenen Abnehmkünste wieder da. Und irgendwie kam ich mir im ersten Anlauf vor als ob die Waage, einfach eine 10er Zahl verschluckt hat. Da war man beim letzten Mal noch stolz drauf, das man kurz vor dem nächsten 10er Stand, so durfte ich wiegetechnisch denselbigen nicht mal kennenlernen und befand mich um 500 Gramm noch eine 10er Stufe weiter unten.

Ich habe zur Sicherheit ein zweites Mal gewogen. Und die Waage landete wieder auf dem selben Stand. 10,5 Kilo weg. Gut, ganz so überraschend kommt das nicht, die Bündchen meiner Hosen, die ich immer enger binden konnten haben schon sowas angekündigt.

In 11 Tagen habe ich Termin bei meinem Hausarzt. Quartalscheck quasi. Mit dem Doc hatte ich mich schonmal etwas, auch was das Thema abnehmen betrifft. Nun, ich denke die Argumente sprechen für mich. Wir reden von über 30 Kilo die ich mittlerweile verloren habe. Auch der Rücken dankt es mir und macht – wenn ich ihn nicht gerade so wie vor etwas mehr als einer Woche dauerbelaste – immer weniger Probleme. Ich sag es mal so: Mittlerweile habe ich wohl die besseren Argumente als dieser krankhafte Rat zu einer Magen-OP den man mir seinerzeit einreden wollte.

Über 30 Kilo. Wenn man jedes Kilo in Butterstückchen aufteilt, reden wir hier eben mal von120 Stück Butter und selbst wenn sich das viel anhört, bin ich von meinen Zielen noch weit weg. Aber bei weiten nicht mehr so, das man hier von irrealitisch und dergleichen reden muss. Eher ganz im Gegenteil. Aber trotzdem…. 30 Kilo! Vielleicht sollte ich morgen, einfach mal zum Visualisieren in den Supermarkt fahren und 120 Stück Butter kaufen. Meine Mutter, die mich mit einem einfachen „Du spinnst!“ davon abbringen könnte ist nicht mehr da.

Allerdings bezweifele ich, das ich bei einem der hiesigen Supermärkte 120 Stück Butter auf einem Schlag kaufen könnte. Und selbst wenn vielleicht leite ich damit, nach Klopapier und Nudeln nur eine neue Welle von Hamsterkäufen ein.

Am kommenden Dienstag treffe ich meine alte Trainerin wieder. Danach Lungenarzt und Blutabnahme, bevor dann der Checkup beim Hausarzt ist. Perspektivisch so ich die Atmung wieder brauchbar in Griff bekomme, heißt es ab Spätherbst wieder Laufen. Ich freu mich drauf, auch wenn ich dann erstmal nur im absoluten Schleichtempo wieder die Pisten plätten kann.

Fotos: Norbert Beck/Layout: canva

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Flo
Flo
1 Monat zuvor

Glückwunsch. Toller Fortschritt. Und schön zu sehen das dein Spirit wieder da ist. Die Einblicke in deinen Alltag lese ich gerne mit, schon seit thunderhawk Zeiten.