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Trainingsgeflüster – Ich und meine Trainerin

Viele Wege führen nach Rom, genauso viele zum Trainingserfolg. Man sollte sich dabei immer bewusst sein, das richtig oder falsch oft nur eine Gratwanderung ist. Genauso, wie man beim Über-die-Straße-Gehen auf der anderen Straßenseite ankommen kann, oder aber auch im Krankenhaus oder noch schlimmer auf dem Friedhof. Mein Weg zu meiner Trainerin war ein holperiger und manch jemand wird nicht verstehen, warum ich ihr so vertraue. Aber der Reihe nach…

Es war 2012 wo ich in der Berlin-Lotterie einen Startplatz für den Berlin-Marathon gewonnen habe. Ich und Marathon, das kommt mir derzeit mit meinen Problemen selbst etwas unwirklich vor. Damals hatte ich mich innerhalb 1 1/2 Jahren komplett verschlankt, war in der Lage jederzeit in meinem Tempo einen Halbmarathon hinzulegen  und der erste offzielle dieser Art stand bald an und ein Jahr später sollte die Königsdiziplin dran kommen. Allein wollte ich den Weg jedoch nicht gehen.

Ich hatte mehrere Laktatteste machen lassen und wurde grob was das Training betraf auch beraten. Dem entsprechend wollte ich dort auch meinen Trainingsplan mir erstellen lassen. Die Einrichtung hätte mir auch Pläne erstellt, nur leider war es so, das man nicht nur Sportler wie mich, sondern auch bis weit im Leistungssport-Bereich hinein Sportler betreute. Ich rede dabei nicht von der deutschen Leistungsklasse, sondern von dem Bereich der auch bei Europa- und Weltmeisterschaften und Olympia um Medaillen kämpft. Und in den heißen Phasen konnte man mir keine optimale Betreuung zusagen. Ich bin nicht böse deswegen. Im Gegenteil. Besser man ist gleich ehrlich, als das dann mittendrin was schief geht. 

Über diverse Verbindungen kam ich an einem Trainer bei Kassel. Atem-Leistungsdiagnose, Nahrungsumsatz. An sich auch ein netter Typ. Nur ich hatte ein Problem: Die Pläne waren extrem fordernd. 

Nun Trainingspläne sollen fordernd sein. Man sollte aber als Trainierender nicht permanent das Gefühl haben überfordert zu werden.

Ich wollte in Dresden meinen ersten Halbmarathon laufen, war aber zumindest im Wettkampf nie mehr als 5 Kilometer gelaufen. Im Training mal mehr als 30 Kilometer, das war drin und auch ausschlaggebend das ich überhaupt für Dresden gemeldet habe, aber ich hatte Respekt. Darum meldete ich eine Woche vor Dresden noch in Bad Hersfeld für einen 10er. Der Trainingsplan vor dem 10er war grausam. Tempoläufe, Intervalle. Und dann die Vorgabe für Bad Hersfeld. Ich hätte die Stunde für die 10 Kilometer locker unterbieten müssen. Gefühlt waren meine Beine aber wie Blei und ich hatte den unguten Verdacht das hier was falsch läuft. 

Letztlich nagelte ich nur wenige Sekunden an der Stundenmarke in Hersfeld vorbei, weil ich in der zweiten Hälfe des Laufs dann aufgemacht hatte und meinen Spaß daran fand von hinten heraus andere Läufer zu überholen, aber glücklich war ich nicht. 

Nach Dresden unterhielt ich mich mit ein paar anderen Sportlern die auch bei dem Trainer waren. Mein Eindruck täuschte nicht. Unisono hatten wir alle das Gefühl das zu leistungsorientiert trainiert wurde. Als dann auch Verletzungen und Ermüdungsbrüche im Raum standen, war für mich der Punkt gekommen zu gehen, bevor mir ein ähnliches Schicksal drohen könnte.

Dies war der Punkt wo ich zu meiner Trainerin kam. 

Der Erfurter Laufladen bot auch Leistungsdiagnostiken und Trainingsüberwachung an. Ich schilderte den Jungs im Laden mein Problem und man bat mich um ein paar Tage Geduld. 

Dann kam eine Mail mit einer Adresse und Telefonnummer im gut 80 Kilometer entfernten Erfurt, wo ich mich doch mal melden sollte. 

Eine Trainerin. Das Erste woran ich gedacht hatte, war sicher nicht eine Trainerin. Aber am Ende wird selbst der Papst katholisch, also warum nicht?

Beim ersten Termin besprachen wir worum es geht. Wir sprachen über meine Stärken und Schwachstellen auch über meine Ziele. Berlin … mit einem Grinsen im Gesicht im Ziel ankommen. Zeit ist mir egal. Gebongt.

Ich muss zugeben, meine Trainerin hatte verrückte Ideen beim Training. Mal standen drei Trainingseinheiten am Tag auf dem Programm. Wenn das der Fall war meist Mikrotraining. Bewegung, Stabilität, Ausdauer. Sie brachte mir statische Halteübungen bei. Schon damals machte mein Rücken immer wieder Probleme. Ich und irgendwelche gymnastischen Verrenkungen, nie im Leben! Doch, ich habe sie gemacht und die Schmerzen waren weg. Für eine sehr sehr lange Zeit. 

Leute, darunter auch der ein oder andere aus dem Leistungsbereich, schüttelten ob der Trainingspläne oft nur den Kopf. “Und so willst Du zum Marathon kommen?”

Zugegeben ich hatte auch so meine Bedenken, bis ich in einem Trainingstempolauf einen Halbmarathon in fast genau derselben Zeit wie meinen ersten in Dresden hingenagelt hatte. Mit einem großen Unterschied. Nach Dresden hatte ich zwei Tage Probleme vernünftig zu gehen. Zwar hatte ich nicht das Problem der meisten Marathonläufer, das ich Treppen nur rückwärts runter gehen konnte, aber es waren halt merkliche Probleme. Nach diesem Training hatte ich das Gefühl, das ich noch locker einen 10er hinten dran hängen kann, ohne davon aus den Latschen zu kippen. Ich war in der Tat stabiler in meiner Leistung geworden und konnte mit weniger Aufwand dieselbe Leistung erbringen. 

In dieser Saison lief ich weit über 30 Wettkämpfe. Die Wettkämpfe waren meine Tempoeinheiten.

Natürlich gab es mit dem Training auch Probleme. Im Fitnessstudio übernahm irgendwann der Inhaber die Leitung. Irgendwie ging man im Studio davon aus, das sie den Weg vorgeben. Bei einem Trainergespräch erklärte ich, das ich eine Trainerin habe die mein Training plant und mir Vorgaben macht. Es ging hier unter anderem um die Wiederholungsfolge und Ausführungsdauer von Übungen. Ich beendete das Gespräch mit dem Ausspruch das man nur einem Herrn dienen kann. Damit kündigte ich dann auch den Vertrag in diesem Studio und schloss mich später einem Studio an, welches respektierte das ich “fremdgesteuert” war.

Nun ging was das Training in der Einrichtung anging. Hatte ich erst um die Trainingsmöglichkeit Corona-Bedingt kämpfen müssen, dann ging das Training körperbedingt ziemlich in die Hose. Und schon deswegen war ich froh, den Weg zu meiner Trainerin wieder gefunden zu haben.

Wir analysierten meine Probleme. Das Größte war klar sichtbar, das Gewicht. Wir sprachen aber auch über die gesundheitlichen Aspekte. Die Erfolge und die Misserfolge. Und schnell war klar, das die Chemie wieder stimmte. Also entschloss ich mich, meinen weiteren Weg mit ihr zusammen zu gehen.

Stellt sich die Frage warum ich meine Trainerin einem Fitnessstudio vorziehe?

Die Pläne meiner Trainerin sind auf mich persönlich zugeschnitten. In gemeinsamen Trainingseinheiten, die so alle 4-6 Wochen stattfinden legen, wir fest was für Übungen gehen und diese Übungen landen dann im Trainingsplan. Jede Übung wird auf Ausführung überprüft und es kommen nur die in den Plan, die auch wirklich funktionieren.

Funktioniert eine Übung mal so nicht, prüfen wir gemeinsam ob man durch die Änderung der Ausführung die Übung nicht doch machbar machen kann.

Ein Beispiel war der erste Plan gewesen, da stand Radfahren drin. Ich kam zwar aufs Rad, konnte auch fahren, bekam aber in schnellster Zeit Rückenschmerzen. Kurze Nachricht. Schon waren die Radeinheiten kurzfristig aus dem Plan. 

Diese individuelle Komponente hat für mich nur Vorteile. Statt einen Trainer im Kurs ggf. ein Dutzend Leute berücksichtigen muss, habe ich hier eine Trainerin die gezielt auf meine Stärken und Schwächen eingehen kann. Die Übungen sind passgenau auf mich und meinen Trainingsstand zugeschnitten. 

Und die Sache hat noch einen Vorteil für mich: Die Tage mit den Trainingsterminen, wo ich nach Erfurt fahre, sind Termine wo ich aus den allgemeinen Alltagstrott ausbrechen kann. 

Im Vergleich zu einem Vertrag im Fitnessstudio, ist die Trainingsplanung durch meine Trainerin etwas teurerer.

Allerdings habe ich gleichzeitig auch den Vorteil, das ich mir das Training frei einteilen kann. Wenn ich eben erst abends 23 Uhr Zeit habe, mache ich meine Übungen erst 23 Uhr. Sonst bin ich von den Trainingszeiten her von den Öffnungszeiten des Studios abhängig. Da ich viel mit dem Körpergewicht und einfachen Hilfsmitteln trainiere, besteht diese Abhängigkeit nicht.

Foto: canva/Layout: canvas/Norbert Beck

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