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Da kann einem anders werden…

Wahrscheinlich muss ich mich wohl bei meinem Impfstoffdealer beschweren. Da war sicher ein falscher Chip in meiner Plörre. Ich kann kein GPS, nicht ohne Handy telefonieren oder das Internet aufrufen. Nicht mal die Switch kann ich ohne Kontroller spielen. Schon Scheiße, wenn so viele versprechen nicht eingehalten werden.

Der ein oder andere wird sicher lächeln, manch einer wird lachen. Aber mal im Ernst, sind wir nicht alle irgendwo plemm plemm… Deutschland wurde mal als das Land der Dichter und Denker bewundert. Unsere Fähigkeit zu Verwalten und Dinge zu regeln, ist weltweit gerühmt. Sieht man das sich mal genauer an, muss man sich aber eingestehen, dass es weder mit dem einen noch dem anderen noch weit her ist.

Die Einschläge kommen näher

Bisher war es in Sachen Corona so, dass Corona für mich eine abstrakte Sache war. Im nahen Umfeld gab es niemanden mit Corona, was auch daran gelegen hat, dass ich mich im Sinne meiner eigenen Gesundheit aus zu vielen Kontakten herausgehalten habe.

Das ich mich trotzdem impfen lassen würde, war von vornherein klar. Von den Punkten die zu einem schweren Verlauf führen konnten erfülle ich mehr als die Hälfe, inkl. enormes Übergewicht und was drumherum dazugehört. Und allein schon die Hoffnung, einen schweren Verlauf vermeiden zu können war Grund genug die zwei Pikse zu akzeptieren.

Ich fand es schon absurd genug, zwar als Risikokandidat zu gelten, aber erst mit Gruppe 3 geimpft werden zu können, während gesunde Menschen mit geringem Risiko vor mir mit der Impfung dran waren. Gut, das Impfangebot meiner Mutter als über 80jährige kam ja auch erst Wochen nach dem Tod.

Nun traf es einen Arbeitskollegen. Ein Teil der Kollegen ist nur einmal die Woche im Büro für mögliche Besprechungen und Absprachen. Trotzdem halte ich mich immer so gut es geht auf Distanz. Im Nachhinein zum Glück oder eben zum Pech, je nach dem wie man es nimmt. Wenig später traf es noch einen zweiten Kollegen.

Nachverfolgung oder Zuständigkeitsgerangel mit etwas Lotto spielen?

Ja, die Nachverfolgung hat in diesem Fall funktioniert. Nur insgesamt muss ich sagen: Leute, das kann es doch nicht sein.

Beim ersten Anruf wurden die Distanzwerte und Kontaktdauern auf Basis der ersten Empfehlungen des RKI verwendet. Nicht unter 1,5 m, kein direktes Gespräch, nicht zu lange im selben Raum. Glück gehabt.

Beim zweiten Anruf ging es eigentlich nur darum, ob direkter Kontakt vorhanden war. Was in dem Fall, da der Kollege im Regelfall nur zum kommen und gehen mehrere Meter entfernt vorbei huschte für meine Wenigkeit auch nicht relevant war.

Andere Kollegen hatten da weniger Glück. Eigentlich sollte ich doch Glücklich sein. Naja, wenn man es Glück nennt das man von 4 Kollegen aus einer Abteilung der Einzige ist, der ins Büro darf. Aber deswegen jammere ich nicht.

Die Anrufe die ich oben geschildert habe kamen von zwei verschiedenen Gesundheitsämtern aus zwei verschiedenen Orten. Und was mich stört ist, dass es eigentlich nur ein Corona gibt, aber jedes Gesundheitsamt hier in den Prioritäten die zu einer Quarantäne führen oder nicht scheinbar ihr eigenes Auslegungs-Süppchen kochen.

Aber das Spiel des negativen lässt sich noch weiterdrehen. Denn dank Delta sind die Regeln auf Basis deren man handelt nicht mehr so ganz up2date.

Neue Realitäten mit Delta

Nach dem RKI liegt die Inkubationszeit – also der Zeitraum zwischen Infektion und Symptomen bei SARS-CoV-2 (also unserem bekannten Corona-Virus) zwischen zwei und 14 Tagen. In der Regel treten die ersten Symptome nach 5-6 Tagen auf. Bei der Delta-Variante ist die Zeitspanne deutlich verkürzt, zumindest geht man nach Angaben der Johns-Hopkins-Universität. Hier können erste Symptome schon nach einem Tag bzw. bei einer asymptomatischen Erkrankung eine ansteckende Virenlast vorhanden sein. Zudem Verdacht bei der Delta-Variante nahe, das schon ein flüchtiger Kontakt reicht um sich anzustecken und das auch ein größeres Ansteckungspotential im Freien vorhanden wäre, da die Virenlast der ansteckenden Personen um bis zu Faktor 1000 erhöht sei.

Das Bedeutetet nach einem Tag kann ich schon ansteckend sein.

Kontakt zu Person 1 an einem Dienstag, bestätigtes PCR-Ergebnis am Mittwoch. Anruf Freitag am frühen Abend. Mittwoch, Donnerstag, Freitag… ich hätte drei Tage fröhlich Leute anstecken können. Im zweiten Fall letzter Kontakt an einem Donnerstag, bestätigter PCR-Test am Freitag. Anruf am Sonntag Auch hier hätte ich zwei Tage fröhlich den Virus verbreiten können.

Nimmt man noch die leider nicht mehr aktuelle Basis der Zeiträume und höheren Infektionswerte, dann passt da einiges nicht zusammen.

Wer darf hier was?

Genau wie das Zuständigkeitsgerangel. Bei einer Kollegin meldete sich Gesundheitsamt A einen Tag nach der Meldung des Falles. Wirklich flott und man darf sich wundern warum die Meldung beim Rest der Kollegen erst viel später erfolgte. Nur um Festzustellen: Nochmal ganz anderes Bundesland – wir sind hier im Länderdreieck Hessen-Niedersachsen-Thüringen – und das er nicht zuständig sei, nur damit am nächsten Tag das eigentlich zuständige Gesundheitsamt anrief und die Kollegin in Quarantäne stellte.

Auch was dahinter nicht so ganz passt ist die finanzielle Geschichte. Wer evtl. angesteckt worden sein könnte, möge sich selbst in Quarantäne begeben. Ein frommer Wunsch. Nur wird der Lohnausfall nur ab dem Datum ersetzt, wo das Gesundheitsamt die Quarantäne angewiesen hat. Was glaubt ihr, wie die Leute sich entscheiden, wenn es um das Thema Verantwortung geht oder der eigene eng bemessene Geldbeutel um einige Hundert Euro erleichtert werden kann. Wenn die Verantwortung gewinnen soll muss man auch positive Anreize setzen.

Politik zum Verzweifeln

Ehrlich gesagt: Mich wundert es gar nicht wenn Menschen an der Politik- die dahintersteht – zweifeln.

Und wenn dann ein Christopher-Street-Day mit zehntausenden Menschen ohne Einhaltung von Kontaktregeln erlaubt und nicht sanktioniert wird, während andere Veranstaltungen nur unter schweren Auflagen stattfinden können oder sogar verboten werden, dann wird es auch mit der Argumentation schwierig.

Ja, und auch sonst hat sich unsere Politik nicht mit Ruhm bekleckert. Da zerredet man ohne Not einen Impfstoff, so das man ihn jetzt weiterverschenken muss, weil ihn niemand mehr will. Dann werden in 16 Bundesländer 20 verschiedene Regelungen getroffen, die dann je nach Landkreis oder Stadt noch unterschiedlich ausgelegt werden. Einige Hansels im Parlament verdienen sich noch an dem Unglück eine goldene Nase. Das da sich so manch einer einen großen Sack wünscht auf dem man draufhauen kann sollte klar sein. Und die Bedenken die dadurch entstehen sind durchaus ernst zunehmen, wenn man an weitere Maßnahmen denkt.

Nein, aber so geht es nicht!

Allerdings kann das nicht dazu führen, dass Sängerinnen sich auf die Bühne stellen und dem Publikum sagen: „Macht doch was ihr wollt…“ Sie kann ihren Unmut über die Regeln ausdrücken. Sie kann auch sagen, dass sie es schöner finden würde, wenn alle direkt vor die Bühne kommen dürften und gruppenkuscheln. Würde das Publikum sicher auch schöner finden. Nur ein „Macht doch was ihr wollt…“ kann auch als ein „es ist OK gegen geltende Regeln zu verstoßen“ verstanden werden.

So sollte es nun doch nicht laufen oder? Das einem Regeln manchmal nicht passen ist zugestanden. Aber diese zu umgehen oder zu sagen, dass man doch machen könne was man will, ist der falsche Weg. Wenn einem Regeln nicht passen, sollte man Argumente finden, so dass die Entscheider die zurücknehmen. Hilft das nichts, kann man die Quittung am nächsten Wahltag mit seinem Kreuzchen geben und dieses da setzen, wo man denkt das dort eher die eigenen Interessen vertreten werden.

Ich mache derweil tagtäglich Tests, nur für den Fall das doch noch was sein sollte. Vermeide so gut es geht Kontakte, naja die sind eh recht gering, wenn fast der komplette Rest des Büros Krank oder in Quarantäne ist. Noch zwei Tage, wenn bis dahin keine weiteren Kontakte zu Erkrankten dazu kommen, gelte ich als komplett geimpft. Auch die Zeit zurück gerechnet zum letzten Kontakt, können mir dann mangels Kontakte in den letzten Tagen nix mehr, waren ja keine mehr da.

Auch Lustig… auch geimpfte stehen im Verdacht im Infektionsfall ansteckend sein zu können. Gibt es aber Kontakte zu Erkrankten, sind diese von der Quarantäne ausgenommen.

Was ist das mit den Veranstaltungen?

Dafür dürfen wieder Veranstaltungen stattfinden. Auch bei uns laufen wieder Veranstaltungen, da wo sonst ein großes Festival läuft. Ich habe mit den Veranstaltungen eh so meine Probleme. Während die Gastwirte in der Innenstadt ums wirtschaftliche Überleben kämpfen, kann ein Verein da regelmäßig Halligalli machen und Wirten Kundschaft abluchsen. Zudem müssen die Wirte in der Innenstadt die Außenbewirtung um 23 Uhr schließen, des Lärm wegen, nicht wegen Corona. Das ist bei dem Verein nicht der Fall und der Lärm von dort ist größer als bei den Paar verbliebenen Kneipen zusammen. Wieder sowas mit unterschiedlicher Bemessung, auch wenn es nicht mit Corona zu tun hat.

Was ich aber kritisieren muss sind die Veranstaltungen mit Teilnehmern die weder Geimpft, Getestet oder Genesen sind. Luca-App, Kontaktbögen, das ist ja alles lieb und nett. Wenn man dann aber liest das Gesundheitsämter Probleme mit Daten aus der Luca-App haben und das von 10 Kontaktbögen acht bis neun mit falschen Kontaktdaten ausgefüllt sind, dann frage ich mich angesichts dessen was drumherum läuft in welcher Realität solche Veranstalter leben?

Ja, ich hätte gerne auch wieder alles wie vor zwei Jahren… dass es aber nicht mehr so ist und wohl auch nicht wieder wird ist noch lange nicht in den Köpfen bei einigen Menschen angekommen.

Verschwindet Corona bei einigen aus dem Kopf?

Ein Beispiel: Wenn ich zu Fuß heim gehe, brauche ich in der Regel eine Pause. Mein Rücken macht halt ab und an noch dicht. Das das alles von heute auf morgen wieder in Ordnung kommt ist ja auch nicht zu erwarten, aber es ist schon viel besser wie zum Winterende. Also setze ich mich so 10 Minuten auf eine Bank und gehe dann weiter.

Kommt aus einem anliegenden Wohnhaus eine extrem korpulente Person – ich fühlte mich das erste Mal seit langem fast schlank – meinte so „Ob ich aufstehen und mich auf die andere Seite der Bank setzen könnte…“ Ich war froh überhaupt erstmal zu sitzen, nachdem ich an drei besetzen Banken mit immer größer werden dem Schmerz vorbeigezogen bin. Ich meinte „Nö.“, zum einen war ich echt fertig, zum anderen hatte ich keine Lust darauf mit jemand ohne Mindestabstand auf der Bank zu sitzen. Als ich genau das erklärte, pflanzte die Person sich neben mich und meinte „Ich hätte ja auch keine Maske auf und könne sie theoretisch anstecken…“ Ja, voll das Argument. Würde man den Mindestabstand einhalten, bräuchte ich auch keine…

Vielleicht hätte ich nichts von meinem restlichen Tee trinken sollen. Unter Belastung neige ich dank meinem Asthma zu sporadischem leichtem Hüsteln, meist bekomme ich mich wenn ich etwas trinke oder lutsche wieder ein. Ein Vorteil, früher hätte ich an der Stelle mein Spray gebraucht. Aber es wäre interessant gewesen zu sehen, wie lange sie dann noch gesessen hätte.

Man sieht es auch im Supermarkt, wo man mittlerweile wieder dumm angekuckt wird, wenn man wartet bis der andere vor einem Regal wieder weggegangen ist oder grummelt, weil einem wieder mal eine Hand direkt vor dem Mund vorbeigeschoben wird, um nach Ware zu greifen. So dass man nur noch reinbeißen müsste. Also in den Arm… nicht in die Ware… Plastikverpackung liegt so schwer im Magen. Würd ich nicht machen, ich ernähre mich Flexitarisch und esse nur wenig Fleisch und versuche auf bestimmte Fleischsorten zu verzichten, da passt Mensch nicht so wirklich in meinen Ernährungsplan.

Spaß beiseite. Es zeigt aber nach über 1 ½ Jahren mit Corona, wirklich schlauer sind wir nicht geworden.

Bild/Layout: canva – Bearbeitung/Text: Norbert Beck

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