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Dreiste Abzocke von Ebay

Wer bei sich ausmistet und was anzubieten hat, denkt oft zuerst an EBAY. Mitte der 90er gegründet, die deutsche Version auch einem Auktionshaus alando.de entstanden, wuchs man schnell zur Nummer 1 der Plattformen wo man selbst Waren anbieten konnte.

In den frühen 2000er herrschte Goldgräberstimmung. Wer konnte, versteigerte auf Ebay. Manch einer machte die schnelle Mark, später den schnellen Euro. Aber Ebay wäre nicht Ebay, wenn die Plattform ihren Verkäufern nicht Steine in den Weg legen würde.

Schlagartig wurde es Verkäufern verboten negative Bewertungen gegenüber Verkäufern abzugeben. Die Begründung war einfach: Viele Käufer würden es sich nicht trauen, den Verkäufer negativ zu bewerten, weil diese eine Rachebewertung geben könnte. Ein Argument was man umgekehrt genauso hätte ansetzen können. Aber Ebay will sich ja den Touch des Käuferfreundlichen geben.

Ich selbst habe über Jahre nichts bei Ebay gemacht, bis meine Mutter starb und diverse Sachen abzugeben waren. Im Frühjahr ging es noch, außer das Ebay mittlerweile kräftig an der Gebührenschraube gedreht hatte. Damals wurde schon eine neue Kaufabwicklung angekündigt.

Nun ist die neue Abwicklung da, und ich als Verkäufer komme mir verarscht vor.

Versteigere ich etwas auf Ebay, kommt das Geld nicht mehr auf mein Konto, sondern auf das Konto von Ebay. Ebay begründet das damit, das so mehr Zahlmöglichkeiten gegeben sind und so auch Kunden mit Kreditkarte zahlen können, selbst wenn man selbst dies so nicht anbietet. Der Verkäufer erhält das Geld dann „zeitnah“ ausgezahlt. Was dieses Zeitnah bedeutet, dazu später. Für den Service gönnte sich natürlich Ebay einen kräftigen Schluck aus der Provisionspulle, so dass man mittlerweile ab 10% aufwärts liegt.

Aber nicht nur das, denn in die Gebührenberechnung werden nun auch die Versandkosten aufgenommen. Konkret: Ich zahle nun auch Ebay-Gebühren für die Versandkosten.

In manchen Konstellationen kann dies dazu führen, dass man als Verkäufer der Angearschte ist und bei Artikeln die nur 1 Euro bringen, mehr an Ebay-Gebühren und Porto bezahlt, als der Kunde für das Produkt zahlen tut. Das Risiko liegt beim Verkäufer.

Private Verkäufer können Retouren in einem gewissen Rahmen ausschließen. Aber auch hier greift Ebay indirekt ein. Sollte es Probleme in der Verkaufsabwickung geben, gehen die zulasten des Verkäufers. Oder auf Deutsch: Der Verkäufer kann zwar, wenn dieser privat agiert, eine Rückgabe ausschließen, macht der Käufer einen Call auf, wird die Sache zum Problem des Verkäufers, weil dieser von Ebay sein verdientes Geld nicht ausgezahlt bekommt. Quasi eine Rücknahmepficht durch die Hintertür.

Nun, könnte man auch sagen: Jetzt reichts es mal mit schlechten Nachrichten. Aber hallo, wir sind hier doch nicht bei „Wünsch Dir was“.

Ich hatte aus den Resten der Stücke meiner Mutter Auktionen laufen. War eigentlich ganz froh darüber, dass diese Auktionen gut liefen. Ebay meldete in der App auch prompt das man den Käufer über die Zahlungsmodalitäten informiert und ich die Ware erst losschicken solle, wenn Ebay sagt das das Geld da ist. Innerhalb von einer guten Stunde sprangen alle drei Auktionen auf bezahlt um. Ich machte sofort die Pakete fertig und wähnte mich bald in Besitz meines Geldes.

Falsch gedacht.

Bei den Auktionen stand dann das ich das Geld für die Auktionen vorbehaltlich das nicht andere Regeln von Ebay oder ggf. Paypal greifen am 1. Oktober vom Ebay überwiesen würde. Sprich: Ebay nimmt sich eben mal raus 30 Tage mit meinem Geld arbeiten zu dürfen. Eine Verzinsung bekommt man als Verkäufer dafür natürlich keine. Ich gebe also als Verkäufer Ebay einen kostenlosen Kredit. 

Negativ in diesem speziellen Fall: Es bleibt nicht bei den 30 Tagen… Die Auktionen sind am 31. August ausgelaufen. Am 1. Oktober veranlasst, so denn alles gut geht, Ebay die Zahlung. Dies ist ein Freitag. Das Geld ist grundsätzlich nicht am selben Tag beim Empfänger. Der 2te und 3te Oktober sind Sams- bzw. Sonn- und Feiertage, dies sind keine Buchungstage bei der Bank, also ist das Geld erst am 4. Oktober auf meinem Konto. Oder anders gesagt: 34 Tage nach Ablauf der Auktion.

Sorry, liebes Ebay, aber verarschen kann ich mich auch selbst.

Für so ein schäbiges Verhalten gegenüber dem Verkäufer, kann selbiger dann mit potentiellen Bietern rumdiskutieren, warum man keine Barzahlung bei Abholung oder anderes anbieten kann. Und als Krönung zerren so Leute dann noch Angebote anderer Ebayer raus, die das offensichtlich noch können, obwohl der Stichtag zu dem das Zahlungssystem bei Ebay verbindlich umgestellt werden musste, schon lange abgelaufen ist.

Mal eben der schnelle Euro, das ist bei Ebay nicht mehr. Auch hat man das Risko das die Auktionen, ohne dass man es selbst beeinflussen kann zur roten Nullnummer werden oder dass man – obwohl man nicht in der Haftung ist sowohl den Artikel los ist und zudem von Ebay keine Kohle bekommt.

Bietet man z. B. Privat Artikel kann, geht die Haftung für den Versand mit der Übergabe an das Versandunternehmen an den Käufer über. Ein Sachverhalt über den sich viele Käufer nicht bewusst sind. Nun passieren beim Versandunternahmen auch schon mal Fehler. Wir kennen das sicher fast alle. Pakete die schon zugestellt sind, wo der letzte Onlinestatus beim Versender aber noch auf „Im Verteilzentrum angekommen.“ oder auf „In Zustellung“ steht.

Wurde der Status nicht innerhalb ein paar Tage nicht angepasst, ändert sich hier auf Seiten von DHL und Co. in der Regel nichts mehr.

Kommt nun ein Käufer und behauptet, er habe den Artikel nicht bekommen, stehst Du als Verkäufer gegenüber Ebay in der Verantwortung. Ebay sagt dann: „Der Artikel ist beim Kunden nicht angekommen, Dein Problem, lieber Verkäufer.“ und verrechnet die Kosten für den angeblich nicht angekommenen Artikel. Der Versanddienst sagt: „Wir haben die Ware von A nach B befördert und nach unseren internen Unterlagen ist die Sendung angekommen. Du willst Schadensersatz? Ist nicht!“ Und der Dritte im Bunde, der Käufer grinst sich einen in den Bart, denn er hat sein Geld zurück und den Artikel neben sich liegen.

Ein theoretisches Szenario sagst Du, aber leider nicht unrealistisch.

Damit sollte klar sein, dass Du als Verkäufer bei Ebay der letzte Arsch bist. Und bist Du Privatverkäufer bekommst Du den Eindruck, dass Du hier eindeutig unerwünscht bist.

Das Problem an der Geschichte: In den 2000er Jahren hattest Du genug Alternativen. Ricardo, Offerto, selbst die Bertelsmanngruppe hatte ein eigenes Onlineauktionshaus. Es gab zahllose Spartenauktionen. Übrig geblieben ist eigentlich nur Hood.de.

Und Hood.de ist zwar mit über 2 Mio. laufenden Angeboten im deutschsprachigen Raum deutlich die Nummer Zwei. Man verlangt dazu auch noch deutlich weniger Gebühren. Aber das was dort halt fehlt sind die Käufer. Und wer an Ebay-Kleinanzeigen denkt… die sind mittlerweile verkauft und werden spätestens in zwei, drei Jahren das Ebay aus den Namen verlieren, aber der neue Besitzer wird auch hier die Monetarisierung vortreiben.

Bild/Layout: canva/pro – Bearbeitung/Text: canva/pro und Norbert Beck

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