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Oh Bio Mio – Biomarkt oder Direkt-Vermarkter?

In den 80er Jahren machte die Erste Allgemeine Verunsicherung sich etwas über die damals aufkeimende Bio-Bewegung lustig. Wer die EAV kennt, weiß das das nicht bös gemeint war. Und längst sind die Leute die Bio propagieren nicht mehr nur Menschen die in Jute gehüllt, Sojakeime mümmeln. Der Trend ist schon lange in der Mitte der Bevölkerung angekommen.

Längst sind es nicht mehr einzelne Höfe und Stände auf den Märkten wo Bio-Produkte angeboten werden. Selbst im konventionellen Handel hat man erkannt, das Bio einfach „in“ ist. So wirbt bei uns im hessischen derzeit die Handelsgruppe Tegut, das in ihren Märkten weit über 3.000 Bio-Produkte erhältlich sind. Sogar Discounter propagieren Handelspartnerschaften mit Bio-Verbänden.

Nur zu logisch ist, dass es irgendwann auch reine Bio Handelsketten geben musste. Denn’s Biomärkte waren mit die ersten die hier – zumindest größer Sichtbar – auf dem Markt aufgetreten sind. Es muss wo um die 2000er Jahre gewesen sein, wo ich die ersten Berichte zu den Läden wahrgenommen habe.

Nun war es soweit: Ich betrat das erste Mal so einen Bio-Supermarkt.

Zugegeben, auch wenn ich mich ohnehin schon um Bio-Ernährung bemühe, bin ich nicht ganz ohne Vorurteile in den Laden rein.

Positiv war erstmal, der Laden wirkte wie ein gewöhnlicher Supermarkt. Alles was man brauchte wahr erhältlich. Zu den meisten Produkten gab es quasi eine relativ günstige Hausmarke und in der Regel auch noch zwei, drei andere Produkte die mal etwas teurerer oder günstiger erhältlich waren.

Mein Vorbehalt war, dass es kein Fleisch und keine Wurst geben könnte, weil man der Werbung oft doch schon einen recht veganen Touch abgewinnen konnte. Hier wurde ich schnell eines besseren beleert. Es gab zwar keine Fleisch- oder Wursttheke, dafür abgepackter Weise letztlich doch alles was man sich erträumen konnte.

Um einige rheumatische Probleme zu minimieren, esse ich nur selten Rind- oder Schweinefleisch. Daher war das was dort angeboten wurde, mir persönlich etwas zu wenig aus dem Geflügelbereich. Aber das ist jammern auf hohem Niveau.

Ich muss zugeben, dass ich das erste Mal seit einem halben Jahr wieder eine Cola getrunken habe. Wobei ich etwas ob der Rezeptur erstaunt war. Keine E-Nummern und Zuckerersatzstoffe, aber das hatte ich schon erwartet. Dafür waren Muskat und Zimt im Getränk enthalten. Und nur etwa ¼ des Zuckers einer herkömmlichen Cola. Ich fragte mich wie sowas schmecken sollte. Und ja, es war saulecker.

Preislich kann man schon mehr Geld im Laden lassen, man muss es aber nicht. Mit Discounterpreisen kann so ein Markt nicht mithalten, zumindest in den meisten Fällen nicht. Aber an Supermarktpreise kommen zumindest die Hausmarke-Produkte ganz gut ran. Z. B. Kaffeebohnen im Angebot für 8,49 €, viel mehr oder weniger zahle ich anders wo auch nicht.

Man kann also durchaus mit dem Einkauf in so einem Markt gut leben. Aber ein Punkt trübt das Vergnügen.

Milchprodukte je nach Hersteller aus den tiefsten Bayern, Nudeln aus Italien, Gebäck aus Frankreich. Bio steht für mich nicht nur dafür das beim Anbau der Ausgangsstoffe keine Pestizide angewendet wurden und dass Tiere ein würdiges Leben haben. Bio steht für mich auch zu einem gewissen Grad an Ökologie. Das Produkte quer durch die Welt kutschiert werden, das ist für mich dann doch etwas enttäuschend. Regionaler wäre hier für mich deutlich strebenswerter, denn zumindest in dem Punkt sind dann viele Produkte nicht besser, als das was ich aus dem Supermarkt gegenüberbekommen habe. Oder um es einfach zu sagen: Wenn schon, dann bitte ganz im Sinne der Umwelt.

Ja, ich weiß das nicht jedes Produkt regional verfügbar ist, aber bei denen wo es möglich ist, sollte man sich zumindest bemühen.

In dem Punkt, gebe ich dann einer Beschaffung vor Ort beim Bauern oder regionalen Vermarkter dann doch den Vorzug. Oft habe ich hier sogar noch die Möglichkeit in den Stall oder auf die Weide zu gehen und zu gucken ob es den Tieren wirklich so gut geht, wie es angepriesen wird.

Noch ein Punkt der mir die Ökobilanz etwas verhagelt. Ich wohne so im Dreieck zwischen Kassel, Göttingen und Eisenach. Genau das sind die Orte wo ich so Märkte finde. Mal eben 50 Kilometer hin, 50 Kilometer zurück, das ist selbst für den Wocheneinkauf weder wirtschaftlich noch ökologisch.

Zwar habe ich hier vor Ort einen kleinen Bioladen, der – wie ich durch die LKWs die dort vorfahren, sehen konnte – auch von der Kette beliefert wird. Dieser hat aber nur ein „Rumpfprogramm“ an Produkten die ich dort auswählen kann. Immerhin gibt es in dem Bioladen Brot einer kleinen Bäckerei die hier direkt im Umland auf den Dörfern sitzt.

Zur Qualität der Produkte: Diese ist durchweg gut. Allerdings sollte man sich bei veganen Produkten schon etwas drauf einstellen, das diese etwas anders als gewohnt schmecken könnten. Anders muss dabei nicht schlechter sein.

Mein gestriger TK-Kabeljau hatte eine sehr gute Qualität. Der Joghurt mit der Geschmacksrichtung Kaffee schmeckte ungewohnt, aber lecker. Das Müsli ist durchaus vergleichbar, mit gewöhnlichen Produkten. Wobei ich hier mir gewünscht hätte, dieses unverpackt kaufen und mir so meine eigene Müslimischung zusammenzustellen zu können. Ein Trend den z. B. Tegut mitgeht und auch eine bisher noch überschaubare Zahl sogenannter Unverpackt-Läden.

Zum Einkauf im konventionellen Supermarkt sind Bio-Supermärkte auf jeden Fall eine Alternative, so man denn einen Anbieter in der Nähe hat. Wenn man keinen Anbieter vor Ort hat, kann man sich gerne mal Tegut ansehen, die auch einen hochgradigen Anteil an Bio-Produkten haben, wobei diese zumeist aus den Alnatura-Universum stammen. Hat man regionale Anbieter vor Ort, würde ich jedoch diese vorziehen.

Foto: canva/Layout: Norbert Beck/canva

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