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Neun von Zehn finden Mobbing gut – nur einer geht daran kaputt

Mobbing oder Mobben als soziologischer Begriff, beschreibt psychische Gewalt, die durch das wiederholte und regelmäßige, vorwiegend seelische Schikanieren, Quälen und Verletzen eines einzelnen Menschen durch eine beliebige Art von Gruppe oder Einzelperson definiert ist. 1) Dabei, auch wenn das Thema erst in den letzten Jahren mehr und mehr Beachtung findet, ist Mobbing keine Erfindung aus der Neuzeit. Mobbing ist dabei nicht auf einen bestimmten Ort oder ein bestimmtes Umfeld beschränkt. Natürlich hört man in erster Linie von Mobbing in der Schule, im Job oder – neudeutsch – vom Cybermobbing, also Mobbing im Internet.

Es gibt viele Facetten die zum Mobbing dazugehören. Schikanieren, Quälen, Verletzen, Demütigung, Lügen, Gewalt, Ausgrenzung, unsachliche Kritik, Machtmissbrauch… alles Oberbegriffe, die zum selben Thema gehören.

Mobber nutzen Mobbing, um sich selbst und ihre eventuellen Defizite in einem besseren Licht dastehen zu lassen. Meist wird hier das höhere Selbstbewusstsein ausgenutzt, um so Macht über andere zu Demonstrieren und/oder einen Prügelknaben zu haben. Mobbing kann aber auch eine Waffe sein, um im Job den besseren Posten zu bekommen, vielleicht die Traumrolle im Schultheater zu ergattern oder seine eigene soziale Position abzusichern. Das Schlimme an der Sache: Jeder kann ein Mobber sein.

Sorry, wenn ich bis jetzt ungewohnt sachlich geschrieben habe. Mobbing auch für mich ein schwieriges Thema.

Schulmorgen. Ein gutes dutzend Jungs spielt mit einer alten Cola-Dose Fußball. Ein Junge stand unter einem  Lindenbaum. Er wurde nicht in eine der Mannschaften gewählt, nein, er wurde gar nicht erst gefragt. Ein Schuss, die Dose flog und landete mit einem lautem Dong am Kopf des Jungen. Alle lachten, nur der Junge nicht. Der Schütze ließ sich feiern und fand es wohl lustig, seinen Erfolg zu wiederholen. Ein ums andere Mal landete die Dose nicht im Tor, sondern am Baum und fiel scheppernd zu Boden. Die Schulglocke läutete, schnell in die Klassen. Irgendwas zog dem Jungen die Füße weg. Im Fall auf die Treppe, gab es noch einen Schlag von hinten und ein “Na, Du Loser”, als der Meister-Dosenschütze den Jungen überholte.

“Warum kommst Du zu spät in die Klasse?”, fragte die Klassenlehrerin. “Ich bin hingefallen…”, antwortete der Junge.

Eine traurige Geschichte. Eine von vielen. Der Junge, der die Dose an den Kopf bekam, das war ich.

Unsere damalige Hauptschulklasse war ein Schmelztiegel. Wir hatten, drei Jungs, die etwa zwei Jahre älter waren, als der Rest. Sitzenbleiber. Diese nutzten ihr Alter und ihre körperlichen Vorteile und vor allem ihre angebliche geistige Reife voll aus.

Aber in jeder Klasse gibt es doch ein paar starke Jungs. Ja, auch wir hatten solche. Aber die richtig starken waren eben die Älteren, die hatten entsprechend auch schlägerische Erfahrungen und der Rest ordnete sich unter.

Was ich eigentlich gemacht hatte? Eigentlich nicht. Nichts was verwerflich ist. Nichts was einen Grund liefern sollte. Nichts was ich im Nachhinein mir selbst vorwerfen könnte.

Gründe hatte man wohl aber genug.

Mein Geburtstag lag hart an der Grenze, ab der man gerade so noch hätte eingeschult werden können. Nicht nach oben, sondern nach unten. Somit war ich mit Abstand der jüngste in unserer Klasse. Meine Eltern waren eine klassische Arbeiterfamilie und nicht gerade vom Wohlstand geprägt. Bei Klassenfahrten hieß es auch schon mal: Können wir uns nicht leisten. Damals waren Hilfen in diesem Bereich eher rar gesät. Um es noch schlimmer zu machen: Ich war der Klassenbeste, mit Abstand und somit als Streber verschrien. Leicht übergewichtig und nicht gerade sportlich. Also damit das perfekte Opfer.

Zu Hause wurde das ganze nicht ernst genommen. Kabbelei unter Schülern. Das Übliche. “Wehr Dich doch auch mal…”, war der Rat.

Ich wehrte mich. Eine Schlägerei weit über eine Stunde. Ich hatte ein blaues Auge, der andere zwei. Punktsieg. Denkste. Am Ende war ich der Schläger, mit entsprechenden Forderungen, dass ich doch der Schule zu verweisen wäre. Meine Mitschüler haben das nicht mitbekommen, das lief hintenrum mit dem Erfolg, dass ich lernte: “Wehren bringt nichts, außer noch mehr Stress.” Und ich versuchte nur noch unbemerkt zu bleiben. Die kleine graue Maus.

Letzten Ende, war ich der über den getuschelt wurde. Der wo Gespräche verstummten, wenn ich dazu kam. Der über dem hinter seinen Rücken schlechte Witze gemacht wurden.

Freundete man sich mal mit jemand an, musste man schnell lernen, dass das was im Vertrauen gesagt wurde, wieder bei denen landete, die einem das Leben zur Hölle gemacht haben.

Und die Lehrer? Die hatten genug damit zu tun, die Klasse zusammenzuhalten. Mein Vater war stolz, als ich sagte, dass ich weiter zur Schule gehen wollte. “Lern nur, damit Du es mal besser hast…”. Der Stolz ging so weit, bis zur Klassenlehrerin: “Was willst Du denn auf der höheren Handelsschule, das schaffst Du doch eh nicht…”. Ende vom Stolz. Eine Aussage, die ich als Klassenbester und Streber, auf dem Tisch gehauen bekommen habe.

Auch hier gab es ein System. Waren die Papas und Mamas jemand, dann brauchten die Schüler nicht viel zu machen, um den Zweier im Zeugnis nach Hause zu tragen. Kam man eher aus normalem Haus, musste für dieselbe Note gefühlt der doppelte Aufwand betrieben werden.

Ich ging nicht nur auf die höhere Handelsschule, ich machte auch noch mein Abitur. Auf dem Gymnasium waren die Karten neu gemischt. Niemand kannte mich, niemand kannte meine Schwächen. Dazu kam noch, dass wir einen verhältnismäßig kleiner Jahrgang gebildet haben, aber der Zusammenhalt war innerhalb unseres Jahrgangs sehr gut. Ich lernte sowas wie Freunde zu finden. Hatte Anschluss zu den anderen. Selbst heute noch, wenn man sich mal – viel zu selten – sieht, ist der Kontakt noch positiv.

Trotzdem sind Probleme geblieben.

Andere einzuschätzen, ob diese wirklich so sind, wie sie sich geben. Ob diese ehrlich sind, ist auch heute für mich noch schwierig. Schlimmer sind aber die Selbstzweifel. Lerne ich jemanden neu kennen, sehe ich nicht unmittelbar wie der andere ist. Ich rätsele vielmehr, was der andere von mir denken könnte.

Die meisten merken davon nicht viel. Höchstens dass ich vielleicht anfangs eher ruhig und zurückhaltend bin, bevor ich mich auf andere einlassen kann. Man könnte auch sagen, dass eine gewisse Reserviertheit vorhanden ist. Das beschreibt aber kaum, das was in mir vorgeht. Man wartet quasi nur schon auf Alarmsignale und Hiobsbotschaften.

Natürlich ist auch die Angst da, dass jemand in einem wieder das “Opfer” sehen könnte.

Mit der Zeit und dem Alter hat man sich einen gewissen Schutzpanzer zugelegt. Aber auch wenn dieser gut funktioniert, man manchmal etwas spröder als man will rüberkommt, auch dieser kann Risse bekommen und dann ruft es in einem “Weg! Ich will raus aus der Situation.”

Klar, man weiß, dass man selbst meist nicht viel für das Gemobbt werden kann. Aber wirklich besser macht es die Sache nicht.

Das Problem sind nicht nur die Mobber, sondern das Umfeld. In den Schulen, z. B. Lehrer, die sich der Verantwortung entziehen und mit so einem Thema nichts zu tun haben, möchten. Mitschüler und Menschen, die weggucken oder nur mit den Achseln zucken.

Was kann man gegen Mobbing machen?

Wehr Dich. Auch wenn man sich vor Konflikten scheut, ist es besser gleich zu Anfang zu zeigen, dass man dem anderen zeigt, das man sich nicht alles mit sich machen lässt.
Der Mobber erwartet kleinlaute und ängstliche Reaktionen und am besten keinen Widerstand. Lern selbstsicherer zu reagieren. Frag den Täter was er mit seinen Bemerkungen meint oder was er damit bezwecken will. So kann man den Angreifer aus dem Konzept bringen.

Selbst wenn man sich sowas nicht traut: Man kann es lernen und es gibt Helfer – z. B. Vertrauenslehrer oder psychologische Beistände. Aber auch hier muss man für sich selbst erstmal lernen, dass sich Hilfe holen nichts Negatives ist und man für einen Gang zu einem Psychotherapeuten nicht bekloppt sein muss.

Ich kann nur empfehlen, sich Notizen zu machen. Ich selbst habe mir angewöhnt, in Punkten wo ich mich schwach oder verletzbar fühle, Tagebuch zu führen. Das hilft mir, wenn die Erinnerung vergraut, die Sache wieder vorholen, aber auch diese irgendwann unter einem anderen Gesichtspunkt zu beleuchten.

Beschwere Dich. Geh zu einem Lehrer, Vorgesetzten oder dem Arbeitgeber. Zeugen machen die Sache leichter, aber auch ein Mobbingstagebuch kann hier gute Dienste tun.
Finde Unterstützer. Sprich Mitschüler oder Kollegen an. Wenn Mobber merken, dass ihr nicht alleine seid, werdet ihr uninteressant.

Sprich mit einer vertrauten Person. Reden tut immer gut.

Nimm Hilfe in Anspruch. Es gibt Beratungsstellen, die sich auf Mobbing spezialisiert haben. Man kann auch auf einen Anwalt zurückgreifen.

Sei bereit für eine Exit-Variante: Im Extremfall hilft nur ein Schul- oder Jobwechsel. Klar hat, dann am Ende der Mobber vielleicht sein Ziel erreicht, aber es geht um Euere Gesundheit und um Eure Lebensqualität.

Und allen anderen sei gesagt: Schaut nicht weg, wenn ihr irgendwo Mobbing seht. Wer einfach nur wegsieht, ist genauso verantwortlich wie der Mobber selbst.

1) Quelle: wikipedia.de: de.wikipedia.org/wiki/Mobbing

Foto: canva Pro/Layout: Norbert Beck und canva PRO


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Norbert Beck

Einst wollte er nur laufen, dann kamen gesundheitliche Rückschläge, die Pflege eines Angehörigen und damit ein jahrelanges Leben am gesundheitlichen Limit. Nun ist er wieder auf dem Weg zurück und sagt immer noch "Ich bin schlank, man sieht doch nicht!" Seine Ziele: Gesünder leben, Kilos verlieren, Spaß haben und irgendwann wieder laufen.
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