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Die Luca-App und der heilige Gral

Hört man sich um, scheint die Luca-App der neue heilige Gral für den Weg aus den Corona-Regeln zu sein. Nachdem der Staat seine Corona-App versaubeutelte und heute von dieser kaum noch mehr spricht, hört man allentwegen nur noch von der Luca-App, die von Smudo, einem Sänger der Fanta4 beworben wird.

Auch bei uns im Landkreis soll, diese App nun bei der Nachverfolgung helfen. Und Unisono wird diese fast wie ein Gottes Geschenk von ihrer Klientel verteidigt. Wer etwas dagegen sagt, wird schnell ins Lager der Schwurbler abgetan oder es wird einem vorgehalten man würde Facebook und Co ja auch genug Daten geben. Da ich seit einigen Jahren bei einer kleinen aber feinen Software-Firma arbeite und mich da auch mit Themen wie Datenschutz, Lizenzen, DSGVO und Co. beschäftigen muss, sehe ich das etwas anders.

Wie unlängst in der Welt zu lesen ist, hatte die Luca-App Probleme mit der Datensicherheit. Die Bewegungshistorie anderer Nutzer war auslesbar. Was bedeutete, das Dritte sagen konnten welche Veranstaltungen man besucht hat und wann und wo man sich eingecheckt hat. Die Lücke soll mittlerweile geschlossen sein. Allerdings gibt es da wohl noch alte Schlüsselanhänger, deren Code, dank deselben Sicherheitslücke selbst für Menschen ohne spezielle Kenntnisse in in Software und IT auslesbar sind.

Es wird immer noch empfohlen, die QR-Codes verschlossen zu halten und. Ist da also doch noch etwas nicht in Ordnung?

Im selben Bericht warnt der CCC (ChaosComputerClub), vor der Nutzung der App, da die Daten zentral gespeichert werden. Diese Zentrale Speicherung birgt das Risiko das im Falle eines Hackings alle Daten abgegriffen werden können. Und gleichzeitig stellt sich die Frage: Was ist mit den Daten wenn andere staatliche Stellen mit anderen Zielen auf diese Zugreifen wollen? Schon bei den Zetteln im letzten Jahr, die man bei den Gaststätten hinterlassen musste, wurde schon gerne mal von der Polizei drauf zugegriffen. Derartige Zugriffe sollten geregelt werden, am sinnvollsten durch Gesetze. Sonst könnte hier ein Selbstbedienungsladen mit persönlichen Daten entstehen.

Auch mit den Lizenzrechten scheint man es bei der Luca-App nicht so genau zu nehmen. Ein Open-Source Code von einem österreichischen Entwickler der unter dem Namen Thesimj aktiv ist hat man in die Luca-App implementiert. Zunächst erweckte man den Eindruck, das auch dieser Part von den Luca-App-Entwicklern stammt und verzichtete auf die Namensnennung, die gemäß der von Thesimj gewählten Lizenz notwendigt ist. Darüber hinaus, sind die Lizenzbedingungen der Luca-App und die des genutzten Codes in sich inkompatibel. So das der Entwickler eine Klage wegen Urheberverstoß gegen die Luca-Macher und nun Lizenzgebühren verlangt. Das Geld soll lt. Thesimj der Open-Source-Szene zu Gute kommen.

Defacto ist es aber so, das bis es hier eine Einigung oder ein Urteil gibt, alle Installationen der Luca-App eigentlich eine Verletzung des Urheberrechts darstellen.

Nun können da einige meckern und sagen, das so “Kleinigkeiten” nicht von Belang seien. Aber es immer noch so das der Zweck nicht die Mittel heiligt.

Stell Dir mal vor Du hast einen tollen Einfall für ein Produkt. Lässt Dir dieses sogar rechtlich Schützen. Und ein großer Player auf dem Markt, z. B. Google sagt: “Tolle Sache, genau das suchen wir als Erweiterung für unser Programm XY!” und baut das ganze dann in seine Software ein und verdient sich mit dem Programm eine goldene Nase. Wärst Du dann nicht sauer? Sauer einmal weil man dir Dein Eigentum geklaut hat und auch Sauer weil nun die große Firma aus Silicon Valley das Geld verdient und nicht Du. Genau so ist es mit den Lizenzen im Open-Source-Bereich.

Sicher, dieser Punkt wird zu Regeln sein, sei es durch Verträge oder ein Gerichtsurteil. Trotzdem weckt, solch ein verhalten kein großes Vertrauen.

Man kann zu Jan Böhmermann stehen, wie man will. Meine Art von Humor trifft er leider nicht. Aber auch ein blindes Huhn trinkt mal ein Korn, oder wie war das mit dem Zoo in Osnabrück?

Abgescannte und abfotografierte Codes können zum einchecken genommen werden. So checkte man sich mal eben aus der Sendung in o. g. Zoo ein. Wohlgemerkt zu nachtschlafender Zeit, wo dieser geschlossen ist. Und als ob es nicht absurder werden könnte, gab man gleich noch falsche Namen an. In der Folge war der Zoo virtuell besser besucht, als mancher Tags zu regulären Öffnungszeiten.

Und die Macher? Die meinen das die Nutzer in der Verantwortung sind. Schließlich wäre das eingeben eines falschen Namens eine Ordnungswidrigkeit und würde mit einer Geldstrafe belegt. Und durch das falsche Einchecken entstünde kein Schaden?

Kein Schaden? Immerhin sollen in diversen Bundesämter die Gesundheitsämter auf Basis dieser App Menschen nachverfolgen, die sich potentiell bei einem positiv getesteten angesteckt haben können. Was nutzen dann die Daten, wenn hier Falscheinträge sowohl beim Namen als auch der Position möglich sind? Zumindest bei der Position könnte man eine einfache Abhilfe mit einem Positionsabgleich der GPS-Daten machen. Dies zu umgehen erfordert dann doch schon etwas mehr Energie, als die meisten Handynutzer aufbringen könnten. Aber selbst hier scheint man alles nur auf die Nutzer abzuwälzen.

Wo wir schon mal bei den Behörden sind. Diverse Länder haben mittlerweile weit über 20 Mio. an die Macher der Luca-App gezahlt, weil diese die App nutzen wollen. Hier muss man sich ernsthaft Fragen nach welchen Kriterien man vorgegangen sind. Sind übliche Ausschreibungen, Kontrollen außer Kraft gesetzt nur weil Corona ist? Oder wollte man ob der prominenten Werber einfach keine Konkurrenten prüfen? Weiter muss man sich fragen, wie ein Kontrollgremium dazu gekommen ist, das bei der Vergabe alles ordnungsgemäß gelaufen ist, trotz der vielen Mängel und Probleme die teilweise die App Add Absurum führen? Baden-Württemberg hat die Tage zum Beispiel erklärt trotz der Kritik an der App festzuhalten.

Und wenn den Herstellern der App nur einfällt, die Probleme weg reden zu wollen, dann muss man leider sagen, das deren App leider nicht besser ist als gut und gerne zehn weitere Apps, die in die selbe Kerbe hauen wollen und die zum weiten Teil mit den gleichen, wenn nicht sogar noch mehr Problemen zu kämpfen haben.

Es geht hier nicht darum, eine App kaputt zu reden, so wie es die Macher jetzt medial versuchen zu erklären. Aber gerade weil man mit der Corona-Warn-App nun schon einen Mega-Flopp seitens der Politik propagiert hat sollte man einen zweiten Flopp, dringendst vermeiden, wenn man verhindern will, das dem Staat jegliche Komptenz im digitalen Raum abgesprochen wird. Klar sind einige Dinge bei den Apps nur mit Anpassung der rechtlichen Rahmenbedingungen zu lösen, dann sollte man diese aber auch eben mal in Angriff nehmen, statt immer nur darüber zu reden. Das sowas in der Politik lange dauert ist klar. Aber wir haben ja erst seit einem Jahr Pandemie und das man für so Konzepte etwas ändern muss, das kommt ja jetzt auch ganz plötzlich – wie jedes Jahr der Weihnachtsmann – um die Ecke.

Richtig aufgezogen und mit den richtigen Rahmenbedingungen könnte aus so einer App eine gute Sache werden. So wie es jetzt ist, ist die App nicht mehr als gut gemeint und ein harmloser Haustiger, statt einer ernsthaften Waffe in der Corona-Nachverfolgung. Schade, eigentlich!

Quellen:

Welt 13.04.2021 – “Luca und das Problem mit den Schlüsselanhängern”
https://www.sueddeutsche.de/digital/kontaktnachverfolgung-corona-app-tracking-datenschutz-1.5263996

RPOnline 08.04.2021 – Jan Böhmermann zeigt Schwächen der Luca-App auf
https://rp-online.de/panorama/coronavirus/jan-boehmermann-zeigt-schwaechen-der-luca-app-auf-zoo-osnabrueck-checkin-gefaelscht_aid-57224113

FutureZone 01.04.2021 – Corona-Tracing-App Luca verletzt Urheberrecht von Wiener
https://futurezone.at/netzpolitik/corona-tracing-app-luca-verletzt-urheberrecht-von-wiener/401338920

Computer-Bild – Luca-App: Jan Böhmermann führt System in die Irre
https://www.computerbild.de/artikel/cb-News-App-Check-Luca-App-Jan-Boehmermann-System-Irrefuehrung-Zoo-Osnabrueck-30018807.html

SWR-Online 14.04.2021 – Baden-Württembergs Gesundheitsministerium empfiehlt Luca-App trotz Kritik
https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/corona-luca-app-trotz-kritik-100.html

Foto: Luca/Layout canva

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