4. Oktober 2022

Standpunkt: Warum ich, Greenpeace und Friday for Future keine Freunde werden…

Es gab sicherlich viele Menschen, die es toll fanden, als dieses kleine Mädchen namens Greta Thunberg, den Politikern einheizte, von wegen das es 5 nach 12 ist und wir endlich was für die Umwelt und unsere Zukunft tun müssen. Klar ist, dass wir schon seit Generationen von dem leben, was eigentlich den zukünftigen Generationen zustehen würde. Wir leben über unsere Verhältnisse.

Gestern stand ein Stand von Greenpeace im Eingangsbereich meines Lieblingslebensmitteldealers. Die übliche Masche, wo man glaubte, mit einem unverfänglichen Thema ins Gespräch zu kommen, würgte ich gleich ab. Als Sicherheitsmensch stieß es mir eh übel auf, dass der Stand 2/3 des Eingangs, der gleichzeitig ein Notausgang war, in Beschlag nahm, aber auch so. Greenpeace, aber auch „Friday for Future“ und ich werden in diesem Leben sicher keine Freunde mehr.

Das Schmelzen der Polkappen, Erwärmung, Ausbreiten von Wüsten, Dürren, Schwerstunwetter und Stürme… Die Erde macht es uns schwer zu übersehen, dass wir uns eher wie ein Virus verhalten, denn das wir eine friedliche Co-Existenz anstreben.

Seien wir doch mal ehrlich: Wie viele Tierarten sind durch menschliches Zutun ausgestorben? Wie viele Pflanzen wurden durch Temperaturänderungen und Verschiebungen der Geozonen für immer vernichtet? Wie viel Lebensraum wurde für immer zerstört?

Viel Zeit bleibt nicht um die Prozesse zumindest auf einem gewissen Status Quo zu halten.

Tausende gehen mit FFF auf die Straße und fordern einen radikalen Wandel: Jetzt, umfassend und sofort.

Es ist verständlich, das man direkt handeln will, wie gesagt, die Zeit drängt. Nur sich hinstellen und nur Forderungen aufstellen, das funktioniert nicht. Man muss auch erklären, wie man die Menschen mitnehmen will und zwar auch die, die sich den mit den Forderungen eingehenden Wandel nicht leisten können.

Denn eins sollte klar sein. Versuche ich Energie nur noch aus Ökostrom zu erzeugen, muss ich einen höheren Aufwand betreiben. Betreibe ich ökologische Landwirtschaft, muss ich damit leben, dass ich in vielen Bereichen mit demselben Einsatz weniger Ertrag erziele, wobei es hier egal ist, ob wir von pflanzlichen oder tierischen Ertrag reden. Menschen, die unter der Armutsgrenze leben, können weder diese Preissteigerungen sich leisten, noch dass diese sich mal eben schnell ein selbsternergieerzeugendes und wärmendes Haus mit grünem Fußabdruck mal eben so hinstellen können.

Auch sprechen politische Gründe dagegen. Kein Despot wird sich von irgendwelchen Ökoligisten hereinreden lassen, wie er sein Land zu regieren hat. Die Wirtschaft wird auf ihre Gewinne nicht verzichten wollen und und und…

Es gibt Menschen, die Weiser sind als ich und sich mit der Zukunft befasst haben und von diesen wird klar gesagt, das die nächsten großen Kriege auf diesem Planeten nicht nur um Ländergrenzen und Religionen gehen werden, sondern im Wasser und Rohstoffe.

Die Zielsetzungen, die hier gesetzt werden, könnten wie ein Brandbeschleuniger wirken. Zudem besteht die Gefahr, dass wenn Menschen abgehängt werden, es zu Gegenbewegungen, Aufständen und Rebellion kommt.

So richtig wie die Forderungen sind, ohne Pläne, wie man die Menschen mitnimmt, hat das ganze mehr etwas von einem trotzigen Baby, als von einer zukunftsweisenden Bewegung. Zeit genug, hatte man in den letzten zwei Jahren, sich weiterzuentwickeln.

Wobei sobald es aus der Kernkompetenz dieser Gruppierung herausgeht, stößt man ohnehin sehr schnell an recht krude Grenzen.

Ich denke da an die israelfeindlichen, teilweise sogar judenfeindlichen Äußerungen, die nie wirklich geächtet wurden, aber auch an aktuelle Themen, wie der Künstlerin mit den Rastalocken, die nur, weil sie als weiße Rasta trägt, vom hannoveranischen Zweig von FFF der Auftritt verweigert wurde.

Rasta wären ein Zeichen der Unterdrückung und es wäre eben nicht gut, wenn die weißen Unterdrücker sich ethnische Dinge aneignen würden. OK, Gegenfrage: Geht es auch weniger rassistisch?

Ja, ihr habt richtig gehört. Ich sehe diese Art und Weise als genauso rassistisch.

Zum einen: Geschichtlich kann man sich vieles hinlegen, wie es einem passt. Wir haben in Russland einen Despoten der meint, dass er in die Zeit der 90er des letzten Jahrhunderts zurückreisen kann. Dazu wird die Geschichte und Wahrheit angepasst, sodass sie einem schmeckt. Was aber, wenn nun ein anderer Despot aufsteigt und glaubt, er könne das Heilige Römische Reich deutscher Nationen von Elfhunderirgendwas oder die Kiewer Rus wiederauferstehen lassen?

Alles nicht so einfach.

Es ist richtig, dass eine gewisse Verbindung zwischen der Frisur der Rastalocken und bestimmter ethnischer Gruppen besteht. Nur ist es nicht so, dass es ähnliches nicht früher schon in Europa gab. Filzende Haartrachten waren vor einigen Jahrhunderten in Europa schon in „Mode“, wenn man in diesen grauen Zeiten schon von Mode reden kann.

Im Übrigen, sehe ich nicht, dass eine bestimmte Frisur nur von bestimmten Personengruppen getragen werden darf. Jeder kann sich aus meiner Sicht kleiden, wie er oder sie will, solange man sich keine Glatze scheren und ein Hakenkreuz auf die Platte tätowieren lässt. Alles andere sehe ich, als eine Form des Rassismus.

Eigentlich sollten wir in dieser Welt mittlerweile so tolerant sein, jeden so zu akzeptieren wie er ist. Egal welche Hautfarbe man hat, welches Geschlecht man hat und wo man herkommt. Letztlich ist jeder ein und dasselbe: ein Mensch.

Dieses Meiner, Deiner, Keiner, das ist es doch, was immer wieder zu Konflikten führt. Es ist wurst, was der andere für ein Wirtschaftssystem präferiert, es ist egal, ob jemand nun Segelohren oder eine Hakennase hat, es ist egal, ob jemand Bauer werden will oder Softwareprogrammierer.

Man versucht sich vermutlich hier an der „Black lives matter“-Bewegung zu orientieren, wo jegliche Kritik direkt mit Rassismus gleichgesetzt wird, ohne zu Hinterfragen ob hier nicht auch gewisse rassistische Tendenzen vorhanden sind.

An die Aufbereitung des Themas haben sich bisher wenige herangetraut. Die Polizistenmorde in den USA aufzuarbeiten, dürfte auch umfangreicher sein, als einfach nur einen griffigen Slogan in den Raum zu setzen.

Ich mache hier keine Präferenzen zwischen Hautfarbe, Kultur, Geschlecht oder sonstigen Identitätsformen und sage klar und deutlich: Jeder Mensch ist wichtig! Und nicht nur das: Jeder Mensch ist genauso viel und sowenig wichtig, wie jeder andere. Alles andere geht für mich über Grenzen hinaus, wo es sonst schwammig wird, ob am Ende umgedrehter Rassismus etabliert werden könnte. Fairness kann nur darin bestehen, dass versucht wird, alle gleichzubehandeln.

Auch wenn die Künstlerin mittlerweile gesagt hat, das sie weiter zu FFF steht, liefert diese Gruppierung hier doch ein Bild was man zumindest hinterfragen muss und wo die Argumentationen doch manchmal hart an der Schwurbelgrenze vorbeigehen.

Ziviler Ungehorsam ist ein legitimes Mittel. So Aussagen hört man aus der FFF-Szene, aber auch von Leuten aus dem Umfeld von Greenpeace, vor allem aber aus extremen ökologischen Gruppierungen.

Ja, Protest muss sein, um auf Ziele aufmerksam zu machen.

Allerdings endet die Wahl der Mittel für mich da, wo man dritte extremst negativ beeinflusst oder gar gefährdet.

Straßenblockaden mit festkleben auf selbiger Straße, das Abseilen von Brücken, das sind solche Aktionen. Die Macher mögen sich im Recht fühlen, aber alles hat seine Grenzen.

Wer sich auf der Straße festklebt, gefährdet nicht nur sich selbst, sondern auch Dritte, so diese die Gefahr zu spät wahrnehmen und kontrolliert ausweichen. Das Herab seilen von Brücken lenkt andere Verkehrsteilnehmer vom Straßenverkehr ab, Helfer müssen Risiken eingehen um die Betroffenen aus der Situation herauszuholen und werden dann oft genug noch von diesen attackiert oder gehindert.

So Aktionen führen nicht zu Verständnis, sondern zu Trotz. „Der oder die will mir was vorschreiben? Hat wohl einen Sprung in der Schüssel!“ Wie sowas aussehen kann, sieht man an anderer Stelle, wenn Karnivoren und Veganer miteinander diskutieren.

Ich würde mir wünschen, dass man sich hier deutlich von so Aktionen abgrenzt. Das wäre zumindest ein Anfang, dass diese Gruppierungen wieder ernstzunehmender werden und vielleicht ein Tick erwachsener werden. Denn schafft man es nicht eine Mehrheit zu überzeugen, ist es auch mit dem Erreichen der eigenen Ziele irgendwie Essig.

Foto: canva PRO / Beitragsbild-Layout: canva PRO und Norbert Beck


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Norbert Beck

Einst wollte er nur laufen, dann kamen gesundheitliche Rückschläge, die Pflege eines Angehörigen und damit ein jahrelanges Leben am gesundheitlichen Limit. Nun ist er wieder auf dem Weg zurück und sagt immer noch "Ich bin schlank, man sieht doch nicht!" Seine Ziele: Gesünder leben, Kilos verlieren, Spaß haben und irgendwann wieder laufen.

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