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Warum Du von mir zur EM nichts hörst!?!

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Nein, es ist nicht so dass ich Fußball hasse. So Corona es zulässt, gucke ich ab und zu auch mal bei regionalen Spielen hier in der Gegend rein. Aber ganz ehrlich, Fussball – wie der meiste Profisport hat für mich an Reiz verloren.

Dieses „Mia san mia“ und die ganze Welt nur in Gelb-Schwarz oder Blau-Weiss, das ist nicht meine Welt. Vor einigen Jahren hat man sich noch aufgeregt, dass die Ablösesummen in zweistelligen Millionenbereichen gestiegen sind. Mittlerweile scheinen oft genug sogar dreistellige Summen den Grad der Normalität erreicht zu haben.

Gehälter die schnell inkl. Prämien und Werbeverträgen mal eben zweistellige Millionenbereiche erreichen können, erscheinen einem nicht erst, seit Corona und dass man sich Bewusst wird, wie wenig in der Pflege verdient wird irreal. Seien wir doch mal ehrlich, mit was lassen sich so Gehälter für etwas was andere Leute in ihrer Freizeit – neben dem Beruf machen – rechtfertigen. Nur, dass diese mehr Trainieren und/oder weil sie Messi, Ronaldo oder Kimmich heißen doch sicher nicht.

Vor einigen Jahren auf einer Autogrammbörse durfte ich den mittlerweile leider verstorbenen Heiner Kördell kennenlernen. Einfacher Nationalspieler, Mitglied der letzten Schalker Meistermannschaft von 1958. Dieser erklärte bei einem gemeinsamen Abendessen, das die Belohnung damals für den Meistertitel unter 1000 Mark lag, man einen Gutschein für eine Fahrt mit einem Käfer und ein Möbelhaus bekommen hätte und viele Spieler damals neben dem Fußball noch einen Normalen Job nachgehen musste. Erzähl das mal heute einen Profi der Einsteigerklasse.

Die Herren Boateng, Müller und wie sie alle heißen mögen leisten aus meiner Sicht nichts. Pfleger leisten was, Bergleute leisten was, selbst die Verkäuferin an der Kasse leistet was. Aber hier werden mit einer Freizeitbeschäftigung Milliarden gescheffelt. Und wenn man die Pläne von FIFA und UEFA sieht, mit Ideen wie die WM alle zwei Jahre stattfinden zu lassen, dann ist man noch lange nicht am Ende der Umsatzgenerierung angekommen.

Auch menschlich, kann ich hier nicht wirklich Vorbilder sehen. Klar, man sieht nur den kleinen Ausschnitt der Menschen, wie diese auf dem Fernseher, in der Zeitung, im Internet rüberkommen. Aber wenn man das als Maßstab nimmt, kommt dieser ganze Popanz ziemlich aufgeblasen, arrogant und weltfremd daher.

Erinnern wir uns mal an Corona-Zeiten. Wir konnten alle Monatelang nicht zum Friseur. Die werten „Stars“ liefen aber frisch frisiert rum. Und trotz aller Einschränkungen musste unbedingt gespielt werden. Die sportlichen Kollegen aus dem Amateursport durften nicht spielen, sie durften nicht mal trainieren und sollen Quasi aus dem Stand – dank gesunkener Corona-Werte – sinnfrei irgendwelche Wettbewerbe zu ende spielen. Ich vermisse hier eine Gleichbehandlung, aber auch eine Solidarität.

Übrigens, an dieser Stelle waren die werten Herren Politiker auch nicht besser als die Fußballer. Da wurde zwar gekeift über die Unsolidarität der Sportler, aber mancher Politiker hatte trotz coronabedingtem Berufsverbot für die Friseure die Haare schön. Wie war das nochmal mit dem Glashaus und den Steinen?

Wobei, ich möchte den Armateurfussball nicht glorifizieren. Der Mammon, wenn auch in kleinerem Maße setzt sich auch in niedrigeren Liegen immer weiter durch. Glaubt ihr ernsthaft, dass Spieler aus ähnlichen Ligen aus Mittelhessen in die nordhessische Provinz abwandern, weil denen der neue Verein so sehr gefällt?

Die Realität sieht eher so aus, dass wenn ein Kontakt besteht, für den interessierten Spieler der passende Job – optimalerweise mit guten Freistellungsmöglichkeiten für den Sport -, eine Wohnung – je hochwertiger ausgestattet umso besser, und wenn möglich noch ein Auto gesucht wird. Betriebe werden hier gezielt angesprochen, in dieser Form die Leistungsträger zu sponsern. Und das ist nicht nur im Fußballbereich der Fall.

Je erfolgreicher man spielt, umso höherklassiger man kommt, umso mehr Leistungsträger man braucht, desto mehr Spieler müssen auf diese Weise gehalten werden. Ich will hier betonen, dass nicht alle Vereine und alle Spieler dieses Spiel zu mitmachen. Es gibt durchaus noch viele Sportler die aus Spaß, Freude und Teamgeist, ihrem Sport nachgehen. Aber es ist schade, anzusehen, dass selbst im Freizeitsport mehr und mehr das Geld regiert.

Aus meiner Sicht krankt in diesem Punkt der komplette Leistungssport. Leistungssportgruppen bei der Bundespolizei und Bundeswehr, sind gerne gesehene Trainingspartner. Der eigentliche Dienst ist reduziert, solange der Sportler oder die Sportlerin ihre Leistungen bringen. Auch eine Form des Sponsorings.

Klar könnte jetzt jemand sagen, ohne diese Maßnahmen wäre erfolgreicher Sport nicht möglich. Weltmeistertitel, Olympia-Medaillen, wären ohne solche Förderungen in weiter Ferne. Das mag sogar stimmen, aber braucht es die wirklich?

Für mich braucht jemand, um ein Vorbild im Sport zu sein, dieser keinen Olympia-Sieg zu haben oder einen WM-Pokal. Es muss hier eher menschlich passen. Ein guter Charakter, faires Verhalten, gesundheitliches Vorbild und vielleicht nicht ganz so weit weg von der eigenen Leistung, so dass man sich etwas daran reiben könnte. So Menschen sind für mich eher Vorbilder.

Sind wir doch mal ehrlich: Wie viele Menschen haben sich paar Treter mit Sollen und Torwarthandschuhe gekauft, nur weil Neuner irgendwo im Tor steht? Wer ist schon bereit eine Skischanze runterzufahren, nur weil ein Freitag auch am Samstag oder Sonntag gut springt? Die Realität ist doch eher, wenn es am 1. Januar darum geht das Neujahrsspringen zu gucken oder eine Runde zu laufen, nehmen die meisten die Resttüte Chips von der Silvesterparty und vorm Fernseher Platz.

Ich mag Sport. Ich mag aber eins mehr als zugucken. Selbst machen. Gerade in derzeit, wo es gesundheitlich und körperlich noch nicht alles ganz so funktioniert, wie ich es gerne hätte, bin ich über jedes Stück Sport glücklich, den ich selbst machen kann oder mit abnehmenden Gewicht und sich verbessernder Gesundheit selbst wiederentdecke. 

Und ja, wenn ich diesen Zinnober sehe, der betrieben wird – es ist Zuviel. Es scheint nichts mehr ohne EM zu gehen. Selbst Firmen, die sonst nichts mit Bewegung am Hut werben, teils sinnfrei mit Bezug zum Fußball. Und direkt nach der EM geht es dann wohl mit Olympia weiter. Und da wundert man sich noch darüber, wenn Menschen durch diese Omnipäsenz genervt sind? Also ich geh dann lieber, erstmal eine Runde walken und Ihr?

Foto: canva/Layout & Gestaltung: mit canva/Norbert Beck

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