Ihr kennt das vielleicht: Man kauft sich im Supermarkt einen schönen Topf Basilikum, Schnittlauch oder Petersilie. Alles sieht frisch und kräftig aus, man stellt das gute Stück auf die Fensterbank, gießt regelmäßig – und ein paar Wochen später sieht die Pflanze aus, als hätte sie innerlich bereits mit dem Leben abgeschlossen.
Mir ging das lange genauso.
Im Garten war das früher kein großes Problem. Kräuter wuchsen, man schnitt etwas ab und irgendwann kam wieder etwas nach. Auf der Fensterbank schaffte ich es dagegen zuverlässig, aus einem wunderbar grünen Basilikumtopf innerhalb überschaubarer Zeit ein botanisches Trauerspiel zu machen.
Irgendwann hatte ich keine Lust mehr darauf und kaufte lange überhaupt keine frischen Kräuter mehr.
Bis ich mir die Töpfe etwas genauer angesehen habe.
Da wohnen einfach zu viele drin
Das Problem ist nämlich nicht unbedingt, dass Basilikum aus dem Supermarkt grundsätzlich lebensmüde wäre.
In diesen kleinen Töpfen stehen oft sehr viele junge Pflanzen dicht an dicht. Das sieht im Laden wunderbar üppig aus, bedeutet aber gleichzeitig Konkurrenz um Platz, Wasser und Nährstoffe. Der Topf ist für diese Menge Pflanzen schlicht ziemlich knapp bemessen.
Eigentlich logisch.
Wenn ich mit zwanzig Leuten in einer Einzimmerwohnung lebe, hilft regelmäßiges Lüften irgendwann auch nur noch begrenzt.
Also habe ich etwas ausprobiert.
Ich nahm einen gekauften Kräutertopf, holte den Wurzelballen vorsichtig heraus und teilte ihn in mehrere Stücke. Bei sehr dichtem Wurzelwerk kann man dabei auch etwas beherzter vorgehen, grundsätzlich versuche ich aber inzwischen eher, die Pflanzen vorsichtig auseinanderzuziehen, statt einfach mit dem Messer einmal quer durch die Wohngemeinschaft zu schneiden.
Anschließend kamen die einzelnen Teile in größere Töpfe mit frischer Erde, wurden ordentlich angegossen und bekamen erst einmal Zeit, sich von meinem Eingriff zu erholen.
Aus einem Topf wurden so drei.
Und plötzlich hielten die Kräuter deutlich länger.
Drei Töpfe sind praktischer als einer
Für mich hat das noch einen zweiten Vorteil.
Wenn ich drei Töpfe Basilikum, Schnittlauch oder Petersilie habe, muss ich nicht ständig dieselbe Pflanze plündern. Ich kann an einem Topf ernten, während sich die anderen beiden erholen und weiterwachsen.
Gerade beim Schnittlauch funktioniert das hervorragend. Der bildet ohnehin Horste und lässt sich bei Bedarf später wieder teilen.
Bei Basilikum und Petersilie sollte man dagegen nicht erwarten, damit einen botanischen Generationenvertrag abgeschlossen zu haben. Basilikum ist normalerweise einjährig, Petersilie zweijährig. Irgendwann ist deren Lebenszyklus schlicht vorbei.
Das war in meinem ursprünglichen Versuch etwas zu optimistisch gedacht. Einen „ewigen Kreislauf“ bekommt man also nicht automatisch hin.
Aber aus einem Supermarkttopf mehrere kräftigere Pflanzen zu machen, funktioniert trotzdem erstaunlich gut.
Nicht jedes Kraut will dasselbe
Natürlich reicht Umtopfen allein nicht.
Basilikum beispielsweise mag Wärme und Licht, aber weder dauerhaft nasse Füße noch völlige Trockenheit. Petersilie kommt mit etwas weniger Sonne zurecht, Schnittlauch ist ebenfalls nicht besonders kompliziert. Trotzdem habe ich mir angewöhnt, nicht einfach jeden Kräutertopf gleich zu behandeln.
Was bei mir früher häufig passierte, war vermutlich eine Mischung aus zu wenig Platz und meiner Vorstellung, regelmäßiges Gießen müsse eigentlich reichen.
Tat es nicht.
Seit ich die Pflanzen nach dem Kauf teile und ihnen mehr Platz gebe, habe ich deutlich länger etwas davon.
Und das ist mir eigentlich wichtiger als die Vorstellung, aus einem Zwei-Euro-Topf Basilikum ein Erbstück für kommende Generationen zu machen.
Manchmal ist die Lösung ziemlich banal
Ich hatte lange angenommen, mit Supermarktkräutern könne man auf der Fensterbank einfach nicht viel anfangen.
Dabei war die Lösung bei mir erstaunlich simpel.
Raus aus dem engen Topf.
Mehr Platz.
Ein bisschen frische Erde.
Und nicht jeden zweiten Tag die komplette Pflanze abernten, nur weil gerade Tomate-Mozzarella auf dem Speiseplan steht.
Seitdem stehen bei mir wieder frische Kräuter auf der Fensterbank. Nicht für die Ewigkeit und manchmal geht trotzdem eine Pflanze ein. Natur hält sich schließlich nur begrenzt an meine Planung.
Aber aus einem Topf werden bei mir inzwischen meistens mehrere.
Und vor allem sehen sie nach ein paar Wochen noch nach Kräutern aus – und nicht nach einer stillen Beerdigung im Blumentopf.
Foto: Norbert Beck / Beitragsbild-Layout: canva PRO und Norbert Beck
Rechtschreibung
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