Die Norm ist nicht die Norm

Ich muss gestehen, meine Eltern haben noch reichlich Gemüse im Garten angebaut. Leider hatte ich nie den Draht dazu, dann kam das meine Mutter ein Pflegefall wurde und heute müsste ich erst einen Radikalschlag machen um der Wildnis, die sich mal Garten nannte, Herr zu werden. Die Tiere freut es, solang ich nichts tue, denn diese Wildnis ist eine Alternative zu Nachbarsgärten, die unisono nur noch aus Rasen bestehen. Nur nichts mehr, weil könnte ja Arbeit machen.

Warum ich das schade finde? Nun, frisches Obst und Gemüse aus dem Garten war irgendwie immer schon lecker. Wer schon mal selbst was aus der Erde gezogen hat und frisch gefuttert hat, wird es vielleicht verstehen können. Wer selbst was angebaut hat, wird aber auch schnell eins lernen. In der Natur gibt es keine Normen.

Eigentlich ist es schon fast pervers. Jeder von uns meckert, dass alles so teuer geworden ist, auf der anderen Seite wird massenweise essbares Gemüse links liegen gelassen. Liegen gelassen, nur weil es nicht der Norm entspricht oder dem, was wir als Schönheitsideal für Obst und Gemüse sehen.

Ich war bei einem Bauer, dort stand an der Kasse, wo ich mein Geld reinlege ein kleiner Papiersack. Möhren – die Unschönen – 2 Kilo für einen Euro.

Geht zu Euerem Discounter, geht im Supermarkt oder auf dem Wochenmarkt und sucht mir mal frische Möhren für einen Euro das Kilo. Selbst da werdet ihr oft schon scheitern.

Nachgefragt erklärte mir die Landwirtin: „Ich kann diese Möhren so nicht an den Handel verkaufen, weil diese nicht den optischen Ansprüchen der Kunden entsprechen.“

Im Ernst? Leider ja. Ist die Gurke zu krumm, hat die Möhre zwei Enden oder gar einen Buckel, ist der Apfel nicht rot genug, so nimmt ihn der Handel nicht mehr ab, weil er befürchtet, die Kunden würden diese scheinbar unschönen Produkte nicht mehr kaufen.

Der Bauernhof, wo ich war, hat keine Nutztiere, die von diesem Blödsinn profitieren könnten. Also wären die Möhren, hätte ich sie nicht gekauft, weggeworfen worden. Teilweise ist es sogar so, missgeformtes schon auf dem Feld aussortiert und direkt wieder untergepflügt wird.

Wo ich wieder beim Preis bin. Ich habe mir die zwei Kilo krummer und buckliger Möhren gekauft. Ich habe diese geraspelt, gewürfelt und teilweise – als Versuch – zu einer Art Würz-Kimchi verarbeitet. Am Ende des Tages habe ich 8-mal Möhre zum Essen für einen Euro. Wenn ich sie brauche, brauche ich diese nur aus der Tiefkühlung oder dem Glas im Regal zu nehmen, meinem Essen zuzufügen fertig. Das Gemüse ist frisch verarbeitet. Ich weiß, dass es unbelastet ist. Ich weiß, dass es gutes Gemüse ist. Ich weiß, dass es gesund ist.

Natürlich, ich hatte einen Arbeitsaufwand. Ich hab da eine Stunde gesessen und das Gemüse verarbeitet. Das sind aber Sachen, die kann man neben dem Fernsehen machen.

Im Urlaub in Bremerhaven machte ich mal eine Rundfahrt mit einem Bus mit. Dort gab es allerlei hörens- und sehenswertes. Zu der Zeit war Chiquita noch vor Ort und der man im Buss – Typ Seebär – hatte wohl einiges an Seemannsgarn dabei und erzählte uns davon, dass die Bananen, wegen des einfachen Transports gerade hier ankommen und dass diese bevor sie in den Handel kommen, erstmal in die Bananenkrümmungsmaschine müssen, damit diese so aussehen, wie wir sie gewohnt sind. Ich möchte nicht wissen, wie viele diesen Witz geglaubt haben.

Klar, man könnte nun den Handel verantwortlich machen. Dieser nimmt ja schließlich die krummen, die mehrköpfigen und fehlfarbigen Obst- und Gemüseerzeugnisse gar nicht erst ab. Aber letztlich müssen wir Verbraucher uns an die Nase packen. Der Handel bietet das an, womit er Umsatz machen kann. Lassen wir dieses Obst und Gemüse liegen, wird es eben nicht mehr angeboten.

Einige Märkte sind ja schon wach geworden und bieten unter Namen wie „Die Krummen“ oder ähnliches, Artikel an, die optisch nicht der Schönheitsnorm entsprechen. Aber immer noch wird zu viel weggeschmissen.

Vielleicht sollte man alle mal zum Bauern schaffen oder dazu verdonnern, mal was in seinem Blumenkasten anzubauen, nur um so festzustellen: Sowas wie eine Norm, gibt es in der Natur nicht.

Beim Verarbeiten der Möhren habe ich zwei davon genascht. Auch wenn die krumm und bucklig waren, ein Genuss.

Foto: canva PRO / Beitragsbild-Layout: canva PRO und Norbert Beck


Rechtschreibung

Die Interpunktion und Orthographie dieses Textes sind frei erfunden. Eine Übereinstimmung mit aktuellen oder ehemaligen Rechtschreibregeln wäre rein zufällig und ist nicht beabsichtigt.

Fehler? Klar, ich bin auch nur ein Mensch! Vor der Veröffentlichung lasse ich meine Blogposts von einer KI (z. B. ChatGPT) auf Rechtschreibung und Grammatik prüfen, um die gröbsten Patzer auszumerzen. Das Ergebnis ist sauberer als so mancher Zeitungsbeitrag – und das will was heißen! 😉


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Norbert Beck

Norbert Beck, Softwareentwickler aus Eschwege, jongliert seit über 20 Jahren mit Codes und IT-Systemen – nur die Schwerkraft leistet gelegentlich noch Widerstand. Als ehemaliger Marathon-Staffelläufer weiß er, wie sich Ausdauer anfühlt; heute praktiziert er „Sport trotz Masse“ und beweist, dass man auch mit ein paar Kilo zu viel im Gepäck kein Standbild sein muss. Auf landpirat.de dokumentiert er seine Mission zwischen gesunder Ernährung, technischem Tatendrang und dem ehrlichen Versuch, den inneren Schweinehund digital zu überlisten. Leidenschaftlicher Fotograf, engagierter Netzwerker und ein Typ, der lieber Lösungen baut als Probleme wälzt – immer mit einer Prise Selbstironie und der nötigen Portion nordhessischer Direktheit.

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