Logbuch des Wahnsinns: Warum „Woke“ bei Star Trek so neu ist wie der Warpantrieb

Internet, unendliche Weiten. Wir schreiben das Jahr 2026, und während wir theoretisch kurz vor dem ersten Kontakt mit den Vulkaniern stehen sollten, hängen Teile der Fangemeinde emotional noch in einer Höhle auf Regulus III fest. Das aktuelle Reizwort, das zuverlässiger triggert als ein fehlerhafter Transporterpuffer: „Woke“.

Besonders hart trifft es die neuen Serien. Discovery war vielen schon „zu schrill“, „zu emotional“ und – Gott bewahre – „zu divers“. Doch der aktuelle Endgegner der Nostalgie-Hardliner ist Star Trek: Starfleet Academy. Ein schwuler Klingone? „Das geht ja mal gar nicht!“, schallt es aus den dunklen Ecken der Kommentarspalten. Das sei kein Star Trek mehr, das sei politische Umerziehung, das sei… ja, was eigentlich?

Es scheint, als hätten einige Zuschauer die letzten 60 Jahre Franchise-Geschichte im Kälteschlaf verbracht oder während der entscheidenden Szenen ihre Replikatoren gereinigt.


Der „woke“ Mischlingsrüde und die Geburtsstunde der Provokation

Spulen wir mal zurück in die 60er Jahre. Während draußen die Welt kurz vor dem atomaren Overkill stand, setzte Gene Roddenberry eine Crew auf die Brücke, die für damalige Verhältnisse eine einzige, gigantische Provokation war.

Da saß mit Pavel Chekov ein Russe an den taktischen Kontrollen – mitten im Kalten Krieg. Das ist in etwa so, als würde man heute einen KI-Bot und einen radikalen Fortschrittsoptimisten in eine Talkshow setzen (oh, Moment…). Direkt daneben: Sulu, ein Japaner, nur zwei Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg. Und dann war da noch dieser Spock.

Seien wir ehrlich: Spock ist der Prototyp dessen, was die Woke-Gegner heute hassen würden. Ein „Mischlingsrüde“ (wie man ihn liebevoll nennen könnte), halb Mensch, halb Vulkanier. Ein Kerl, der ständig zwischen den Welten steht, seine Identität hinterfragt und Logik über Testosteron stellt. Dass er heute eine der beliebtesten Figuren der Popkultur ist, verdankt er nicht seinem Haarschnitt, sondern der Tatsache, dass Star Trek schon immer die Geschichte des „Anderen“ erzählt hat.

1968: Der Kuss, der die Welt (fast) beendete

Wer heute wegen eines schwulen Klingonen Schnappatmung bekommt, sollte sich mal in das Jahr 1968 beamen. Kirk küsst Uhura. Ein weißer Captain, eine schwarze Offizierin. Im US-Fernsehen der 60er war das kein Skandal – das war für viele ein Weltuntergang. Sender in den Südstaaten drohten mit Boykott. Und was machte Star Trek? Es hat es einfach durchgezogen.

Warum? Weil Kirk die Herkunft egal war. Uhura war für ihn kein „Diversitäts-Token“, sondern ein verdammt fähiger Teil seines Teams. Spock war wie Pille und Scotty ein Freund. Punkt. Wer das damals verstanden hat, müsste heute eigentlich gähnend vor dem Fernseher sitzen, wenn sich zwei Männer auf der Discovery küssen.


Trill, Transsexualität und das interstellare Liebeschaos

Besonders amüsant wird es, wenn man sich die 90er ansieht. Deep Space Nine schenkte uns die Trill. Ein Konzept, das konservative Wertevorstellungen eigentlich schon damals in den Warp-Kern hätte jagen müssen.

Da ist dieser Symbiont, der den Wirt wechselt. Gestern noch ein kräftiger Mann, heute eine attraktive Frau namens Jadzia. Und was macht Jadzia? Sie schwelgt in Erinnerungen an ihre Zeit als Curzon, trinkt Blutwein mit Klingonen und – wir erinnern uns an 1995 – küsst eine Frau, weil sie im früheren Leben mal deren Ehemann war.

„Uh, Geschlechterwechsel? Transsexualität? Reinkarnation mit Beziehungs-Upgrade?“

Eigentlich hätte die „Anti-Woke“-Fraktion damals schon Fackeln und Mistgabeln auspacken müssen. Aber wahrscheinlich waren sie zu sehr damit beschäftigt, Jadzias Flecken zu zählen, um die tiefgreifende gesellschaftliche Metapher dahinter zu begreifen. Star Trek hat uns schon vor 30 Jahren gezeigt, dass Liebe und Identität fließend sind. Ein schwuler Maschinist und ein schwuler Doktor auf der Discovery sind dagegen fast schon konventionell – sie brauchen dafür nicht mal einen Parasiten im Bauch.


Die Evolution der Sternenflotte: Stillstand ist der Tod

Die Kritiker fordern oft ein Star Trek zurück, das so ist wie TNG, DS9 oder Voyager. Aber mal im Ernst: Wer will denn zum zehnten Mal sehen, wie ein Partikelstrahl das Hauptdeflektorgitter modifiziert, um eine Anomalie der Woche zu lösen?

Natürlich muss die Entwicklung weitergehen. Serien wie Discovery oder Academy wagen Zeitsprünge, führen Ereignisse wie „den Brand“ ein und geben dem Franchise die Chance, sich neu zu definieren. Das ist kein Verrat am Erbe, das ist die einzige Möglichkeit, das Erbe am Leben zu erhalten.

Und wer es wirklich absolut klassisch braucht, bekommt mit Captain Pike in Strange New Worlds doch genau das geliefert: Den strahlenden Helden auf seinem (leider schicksalhaften) Weg in den Rollstuhl. Hier wird die Brücke zwischen dem „Cowboy-Feeling“ der 60er und moderner Erzählweise perfekt geschlagen.

Fazit: Lebe lang und… wach auf!

Wenn Star Trek eines schon immer war, dann die Vereinbarkeit des Unvereinbaren. Wer heute schreit, das neue Star Trek sei „zu woke“, hat das alte Star Trek schlichtweg nie verstanden. Star Trek war nie nur „Science“ – es war immer „Social Science“.

Natürlich würde ich auch gerne sehen, wie Seven of Nine, Raffi und Picards Sohn auf der Enterprise-G neue Abenteuer erleben. Oder ein Äquivalent zur Picard-Serie mit Data (man darf ja wohl noch träumen). Aber am Ende des Tages freue ich mich über jede Folge, die mich aus dieser oft deprimierend engen Welt entreißt und auf eine fiktive Reise mitnimmt. Eine Reise in eine Zukunft, die hoffentlich besser und erstrebenswerter ist als unsere Gegenwart.

Also, liebe Woke-Feinde: Setzt euch in eure Shuttles, atmet mal tief durch das künstliche Sauerstoffsystem und erkennt die Realität an: Star Trek war schon „woke“, als ihr noch mit dem Trommelstock um den Weihnachtsbaum gelaufen seid.

In diesem Sinne: Lebt so „woke“, wie ihr wollt – und in Frieden.

Bildinformationen:
Foto
: Norbert Beck, mit ChatGPT bearbeitet
Komposition des Beitragsbildes: Norbert Beck mit Unterstützung von canva pro


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Norbert Beck

Norbert Beck, Softwareentwickler aus Eschwege, jongliert seit über 20 Jahren mit Codes und IT-Systemen – nur die Schwerkraft leistet gelegentlich noch Widerstand. Als ehemaliger Marathon-Staffelläufer weiß er, wie sich Ausdauer anfühlt; heute praktiziert er „Sport trotz Masse“ und beweist, dass man auch mit ein paar Kilo zu viel im Gepäck kein Standbild sein muss. Auf landpirat.de dokumentiert er seine Mission zwischen gesunder Ernährung, technischem Tatendrang und dem ehrlichen Versuch, den inneren Schweinehund digital zu überlisten. Leidenschaftlicher Fotograf, engagierter Netzwerker und ein Typ, der lieber Lösungen baut als Probleme wälzt – immer mit einer Prise Selbstironie und der nötigen Portion nordhessischer Direktheit.

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