E-Mobil – Man braucht starke Nerven

Eigentlich wollte ich einen ziemlich bösen Bericht darüber schreiben, wie bescheuert es derzeit auf dem Automarkt läuft, warum Autokaufen oder Leasing eine ziemlich schlechte Idee sein kann und weshalb man als Kunde irgendwann nur noch Magengrummeln bekommt. Der Text war gedanklich schon fast fertig.

Dann rief mein Autohaus an.

Danach sah die Welt plötzlich ein bisschen anders aus. Blöd nur, wenn man sich vorher schon so schön in Rage geschrieben hat.

Aber der Reihe nach.

Im Frühjahr hatte ich bei einem Opel-Händler in Eisenach einen Corsa-e geleast. Als voraussichtlicher Liefertermin stand November 2022 im Raum. Das passte für mich damals. Mein alter Dacia würde bis dahin schon noch durchhalten und anschließend sollte der Wechsel zum Elektroauto kommen.

Die Monate vergingen.

Abgesehen davon, dass ich irgendwann einmal einen Vertrag unterschrieben hatte, passierte allerdings nicht besonders viel. Je näher der November rückte, desto weniger glaubte ich daran, mein neues Auto tatsächlich noch 2022 zu bekommen.

Das allein war schon ärgerlich. Noch ärgerlicher war, dass eine Zulassung erst 2023 für mich auch finanziell einen Unterschied machte. Die staatliche Förderung für Elektroautos sollte zum Jahreswechsel sinken. Aus den bisherigen 6.000 Euro wurden für mein Fahrzeug 4.500 Euro. Opel hatte die übrigen Konditionen meines Vertrags zwar festgeschrieben, trotzdem blieben für mich 1.500 Euro weniger Förderung übrig.

Bei Vertragsabschluss hatte ich gewusst, dass dieses Risiko besteht. Begeistert war ich davon trotzdem nicht. Schließlich konnte ich herzlich wenig dafür, wenn das Auto nicht rechtzeitig gebaut wurde.

Der Dacia hatte allerdings keine Lust mehr

Solange man ein funktionierendes Auto vor der Tür stehen hat, kann man über Lieferzeiten relativ entspannt diskutieren.

Mein Dacia sah das anders.

Der TÜV lief aus und bei genauerem Hinsehen zeigte sich, dass deutlich mehr gemacht werden müsste, als ich gehofft hatte. Irgendwann kommt bei einem alten Auto der Punkt, an dem man sich fragen muss, ob man wirklich noch einen vierstelligen Betrag hineinstecken möchte, obwohl man das Fahrzeug gedanklich längst verabschiedet hat.

Damit saß ich plötzlich zwischen allen Stühlen.

Stecke ich noch einmal ordentlich Geld in den Dacia, obwohl der Corsa-e angeblich irgendwann kommt? Verzichte ich für einige Monate komplett auf ein Auto? Oder versuche ich, aus dem Leasingvertrag herauszukommen und suche mir etwas anderes?

Nur kommt man aus so einem Vertrag nicht einfach heraus, weil einem die Lieferzeit inzwischen zu lang geworden ist.

Also begann ich mich damit zu beschäftigen, was in meinem Vertrag eigentlich steht.

Bei mir war kein verbindlicher Liefertermin vereinbart, sondern ungefähr November 2022. Nach den damaligen Vertragsbedingungen hätte ich deshalb nicht am 1. Dezember beim Händler aufschlagen und sagen können: „Auto nicht da, Vertrag weg.“

Erst nach Ablauf des unverbindlichen Liefertermins hätte ich weitere Schritte einleiten und eine zusätzliche Frist setzen können. Wie genau das funktioniert und welche Fristen gelten, hängt vom jeweiligen Vertrag und den Umständen ab. Spätestens wenn es um Rücktritt oder mögliche Schadensersatzansprüche geht, würde ich mich ohnehin nicht auf irgendeinen Blogartikel verlassen, sondern im Zweifel rechtlichen Rat einholen.

Für mich bedeutete das vor allem: Selbst wenn ich unbedingt aus dem Vertrag gewollt hätte, wäre das nicht von heute auf morgen gegangen.

Der Händler weiß manchmal genauso wenig wie der Kunde

Je länger die Lieferprobleme dauerten, desto mehr nervte mich allerdings etwas anderes: die Kommunikation.

Oder besser gesagt: das Fehlen derselben.

Wenn sich ein Auto um Wochen oder Monate verspätet, ist das ärgerlich. Noch ärgerlicher ist es aber, wenn niemand einem sagen kann, ob es drei Wochen, drei Monate oder gefühlt bis zur nächsten Eiszeit dauert.

Dabei muss man fair bleiben. Der Händler vor Ort ist zwar mein Ansprechpartner, aber er baut das Auto nicht. Und offenbar wusste mein Autohaus teilweise selbst nicht wesentlich mehr als ich.

Das macht die Sache für den Kunden nicht besser, aber es macht einen Unterschied bei der Frage, auf wen man eigentlich sauer sein sollte.

Besonders kurios wurde das Ganze, wenn gleichzeitig Sondermodelle auf den Markt kamen. Opel brachte beispielsweise eine „40 Jahre Corsa“-Edition heraus. Diese Fahrzeuge kamen deutlich später ins Programm und waren teilweise längst ausgeliefert, während andere Kunden schon sehr lange auf ihre bestellten Autos warteten.

Bei meinem Telefonat bestätigte mir der Verkaufsleiter ziemlich offen, dass man so etwas einem wartenden Kunden kaum vernünftig erklären kann.

Da saßen wir also gewissermaßen auf derselben Seite des Problems. Ich wollte mein Auto und der Händler hätte es mir vermutlich ebenfalls lieber heute als irgendwann verkauft und übergeben.

Dann kam der Anruf

Eigentlich hatte ich zu diesem Zeitpunkt innerlich schon angefangen, Alternativen durchzugehen. Noch Geld in den Dacia stecken wollte ich nicht wirklich. Ohne Auto wollte ich ebenfalls nicht dastehen. Und beim Corsa-e wusste ich nicht einmal, wann er tatsächlich kommen würde.

Dann meldete sich mein Autohaus.

Mein Corsa-e sollte nach dem damaligen Stand Ende Januar aus der Produktion kommen und voraussichtlich im Februar beim Händler stehen.

Natürlich war auch das noch keine Garantie. Nach den Erfahrungen der vergangenen Monate hätte ich wahrscheinlich erst dann wirklich an das Auto geglaubt, wenn ich drin sitze und den Schlüssel – beziehungsweise das, was ein modernes Auto dafür hält – in der Hand habe.

Aber das größere Problem war plötzlich gelöst.

Mein Händler konnte mir über ein Programm, das zu diesem Zeitpunkt noch lief, einen Leihwagen zur Verfügung stellen. Damit musste ich meinen Dacia nicht mehr mit erheblichem Aufwand durch den TÜV bringen und hatte trotzdem ein Auto, bis der Corsa-e tatsächlich eintraf.

Aus meiner geplanten Generalabrechnung mit dem Autohaus wurde damit plötzlich eine etwas andere Geschichte.

Manchmal hilft reden tatsächlich

Ich war über die Lieferprobleme immer noch nicht begeistert. Auch nicht über die fehlenden Informationen in den Monaten davor und schon gar nicht über die 1.500 Euro Förderung, die mir durch die verspätete Zulassung voraussichtlich verloren gingen.

Aber ich musste mir eingestehen, dass mein ursprünglicher Gedanke „Die Händler machen doch alle, was sie wollen“ zu einfach war.

Mein Händler konnte das Auto nicht herbeizaubern. Er konnte mir offenbar auch keinen exakten Produktionstermin nennen, solange er selbst keinen hatte. Aber als klar wurde, dass mein alter Wagen nicht mehr lange mitspielen würde, fand er eine Lösung für die Zwischenzeit.

Mehr konnte ich in diesem Moment eigentlich nicht verlangen.

Natürlich gibt es Händler, bei denen Kommunikation ungefähr so zuverlässig funktioniert wie ein Blinker im Kreisverkehr. Wenn sich jemand komplett wegduckt, würde auch ich irgendwann deutlicher werden.

Aber bevor man dem Verkäufer vor Ort die gesamte Misere der Autoindustrie vor die Füße kippt, lohnt sich vielleicht doch erst einmal die Frage, was er überhaupt beeinflussen kann.

Ich hatte jedenfalls an diesem Tag eine wichtige Erkenntnis gewonnen.

Mein Corsa-e war immer noch nicht da.

Aber mein fast fertiger Wutartikel hatte plötzlich ein ganz anderes Ende.

Foto: KI generiert mit Gemini / Beitragsbild-Layout: canva PRO und Norbert Beck


Rechtschreibung

Die Interpunktion und Orthographie dieses Textes sind frei erfunden. Eine Übereinstimmung mit aktuellen oder ehemaligen Rechtschreibregeln wäre rein zufällig und ist nicht beabsichtigt.

Fehler? Klar, ich bin auch nur ein Mensch! Vor der Veröffentlichung lasse ich meine Blogposts von einer KI (z. B. ChatGPT) auf Rechtschreibung und Grammatik prüfen, um die gröbsten Patzer auszumerzen. Das Ergebnis ist sauberer als so mancher Zeitungsbeitrag – und das will was heißen! 😉

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