Eigentlich könnte ich meinen ersten Landgang nach Marburg mit einer ziemlich einfachen Feststellung zusammenfassen: Ich muss noch einmal hin.
Nicht weil der erste Besuch misslungen wäre. Ganz im Gegenteil. Ich war einen ganzen Tag unterwegs und habe einiges von der Stadt gesehen. Aber irgendwann wurde klar, dass Marburg mehr Zeit braucht, als ich ihm an diesem Tag geben konnte. Das Schloss habe ich zum Beispiel überhaupt nicht mehr geschafft. Teile des Universitätsgeländes und andere Ecken blieben ebenfalls übrig.
Früher hätte mich das wahrscheinlich mehr geärgert. Schließlich fährt man irgendwohin, hat vorher eine Liste im Kopf und möchte möglichst viel davon abhaken. Diesmal war irgendwann Schluss. Mein Rücken hatte nach Oberstadt, Kopfsteinpflaster und einigen Kilometern eine recht eindeutige Meinung dazu, ob ich jetzt unbedingt noch weiter bergauf musste.
Musste ich nicht.
Und damit war der Tag trotzdem nicht schlechter. Vielleicht sogar im Gegenteil. Ich habe Marburg nicht vollständig gesehen, aber genug, um zu wissen, dass ich wiederkommen möchte.
Die eigentliche Überraschung hieß Weidenhausen
Wenn ich vorher hätte tippen sollen, was mir in Marburg besonders gefallen würde, wäre mir vermutlich zuerst die Oberstadt eingefallen. Vielleicht die Lahn, vielleicht das Schloss. Weidenhausen hätte ich wahrscheinlich nicht genannt.
Genau dort hatte ich aber einen dieser Momente, wegen denen ich solche Landgänge mache. Ich kam vom Lahnufer, lief in das Viertel hinein und dachte erst einmal: Cool, was ist das denn hier?
Fachwerk, alte Häuser, kleine Gassen und immer wieder schmale Wege, in die man hineinsehen kann. Auf meinem Weg kam ich auch am ehemaligen Hospital St. Jakob vorbei, aber eigentlich war es gar kein einzelnes Gebäude, das Weidenhausen für mich interessant gemacht hat.
Es war das Viertel selbst.
Es wirkte auf mich nicht wie eine historische Kulisse, die man für Besucher hübsch herausgeputzt hat. Da wird gewohnt, da wird gelebt, und trotzdem ist noch viel von der alten Struktur zu erkennen. Genau solche Ecken finde ich wesentlich spannender, als von einer Sehenswürdigkeit zur nächsten zu laufen und anschließend behaupten zu können, überall gewesen zu sein.
Dass ich Weidenhausen vorher kaum auf dem Schirm hatte, machte die Sache eigentlich nur besser.
Marburg kann schön sein und trotzdem anstrengend
Dass Marburg nicht unbedingt flach ist, war mir vorher klar. Wie sehr sich Steigungen, Treppen und vor allem Kopfsteinpflaster im Laufe eines Tages bemerkbar machen können, merkt man allerdings erst, wenn man tatsächlich einige Stunden unterwegs ist.
Zum Glück gibt es den Oberstadtaufzug.
Den habe ich selbstverständlich benutzt. Man könnte auch Treppen steigen, aber ich hatte nicht das Gefühl, dass meinem Tag noch dringend körperliche Betätigung fehlte.
Die Oberstadt selbst war dann genau die Art von Innenstadt, die ich gerne mag. Natürlich sind da die historischen Häuser, das Rathaus und die Gassen. Interessanter fand ich fast, dass es dort noch kleine Geschäfte gibt, bei denen man nicht schon am Eingang weiß, wie die nächste Filiale in irgendeiner anderen Stadt aussieht. Das gibt einer Innenstadt etwas Eigenes.
Nur irgendwann meldete sich mein Rücken. Das Kopfsteinpflaster mag historisch hervorragend zum Stadtbild passen, meine Knochen waren von dieser historischen Authentizität zunehmend weniger begeistert.
Das gehört für mich zu einem Landgang genauso dazu wie die schönen Seiten. Ich kann solche Städte erkunden, aber ich muss inzwischen ein bisschen darauf achten, wie ich es mache.
Und Marburg bietet dafür durchaus Möglichkeiten. Mit den Aufzügen lassen sich Höhenmeter vermeiden, und auch das Schloss muss man nicht zwingend komplett zu Fuß erobern. Die Buslinie 10 fährt vom Bereich des Bahnhofs durch die Stadt bis hinauf zum Schloss. Wer nicht gut zu Fuß ist, kann sich deshalb überlegen, zunächst mit dem Bus nach oben zu fahren und anschließend einen Teil der Stadt bergab zu erkunden.
Bei meinem nächsten Besuch könnte genau das mein Plan werden.
Eine Sache hat mir tatsächlich gefehlt
Es waren nicht die großen Sehenswürdigkeiten. Es waren Bänke.
Das fiel mir zuerst an der Lahn auf und später noch einmal im Alten Botanischen Garten. Natürlich gibt es Sitzgelegenheiten, aber auf meinem Weg hätte ich mir davon deutlich mehr gewünscht.
Gerade entlang der Lahn fand ich das etwas merkwürdig. Der Weg ist gut ausgebaut, wird von Fußgängern und Radfahrern genutzt, Mülltonnen waren reichlich vorhanden – nur wenn ich mich zwischendurch einfach mal hinsetzen wollte, wurde die Auswahl überschaubar.
Im Alten Botanischen Garten war es ähnlich. Rund um den kleinen Teich gab es Bänke, ansonsten blieb natürlich die Wiese. Für viele Menschen ist das völlig ausreichend. Für mich ist eine Wiese allerdings nicht unbedingt ein brauchbarer Ersatz für eine Bank.
Das klingt vielleicht nach einer Nebensache, ist für mich aber inzwischen ein Punkt, auf den ich bei meinen Landgängen achte. Eine Stadt kann Aufzüge haben und mit Bussen Höhenunterschiede überbrücken. Wenn ich dann aber längere Strecken laufe, gehört die Möglichkeit, zwischendurch einfach mal zehn Minuten zu sitzen, für mich ebenfalls dazu.
Marburg hat mich an diesem Punkt nicht völlig überzeugt.
Und dann war da noch das Schloss
Irgendwann musste ich entscheiden, wie weit ich den Tag noch treiben wollte. Das Schloss stand eigentlich auf meiner Liste und natürlich hätte ich es gerne noch gesehen.
Nur hätte „noch schnell zum Schloss“ in meinem Fall bedeutet, nach einem bereits langen Tag noch einmal zusätzliche Höhenmeter dranzuhängen. Darauf hatte mein Rücken inzwischen keine Lust mehr. Und nur hochzufahren, ein Bild zu machen und anschließend wieder zu verschwinden, wäre auch nicht das gewesen, was ich wollte.
Also habe ich es gelassen.
Inzwischen sehe ich darin eher einen Vorteil als ein Versäumnis. Denn für einen zweiten Landgang ist ohnehin genug übrig. Das Schloss gehört dazu, Teile des Universitätsgeländes ebenfalls, und auch beim ersten Besuch habe ich längst nicht jede Ecke gesehen.
Ein Tag ist eben nicht genug.
Wo ich tatsächlich unterwegs war
Bei diesem Landgang gibt es erstmals noch etwas zusätzlich zum Video: eine interaktive Karte mit meinem tatsächlich gegangenen Weg durch Marburg.
Die Karte ist ausdrücklich keine von mir zusammengestellte „perfekte Tour“, die jemand genauso nachlaufen soll. Sie zeigt zunächst einmal, wo ich selbst unterwegs war und wo die Orte liegen, über die ich im Video und hier im Beitrag spreche.
Dazu habe ich noch ein paar praktische Punkte eingetragen. Der Bahnhof ist natürlich dabei, ebenso die Oberstadtaufzüge und öffentliche Toiletten. Gerade Letztere gehören für mich zu den Informationen, die bei einem längeren Tag in einer fremden Stadt irgendwann erstaunlich wichtig werden können.
Zu den einzelnen Wegpunkten gibt es außerdem weitere Informationen. Wer nach dem Video oder diesem Beitrag genauer wissen möchte, wo Weidenhausen liegt, welchen Weg ich an der Lahn genommen habe oder wo sich die angesprochenen Punkte befinden, kann das dort nachvollziehen.
Am Ende standen mehr als 15.500 Schritte auf der Uhr. Das ist für mich keine besondere Leistung, die diesen Landgang definiert. Es erklärt aber ganz gut, warum ich am Bahnhof nicht mehr darüber diskutieren wollte, ob ich vielleicht doch noch irgendwo hinlaufe.
Für den ersten Besuch war es genug.
Für Marburg noch nicht.
Bildinformationen:
Foto: Norbert Beck, mit ChatGPT bearbeitet
Komposition des Beitragsbildes: Norbert Beck / KI
Rechtschreibung
Die Interpunktion und Orthographie dieses Textes sind frei erfunden. Eine Übereinstimmung mit aktuellen oder ehemaligen Rechtschreibregeln wäre rein zufällig und ist nicht beabsichtigt.
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