Büsum im Herbst: Wenn am Mittwoch plötzlich der halbe Ort schließt

Ich kenne Büsum. Wir waren in den Urlauben mit meiner Mutter früher gefühlt jeden zweiten Tag da. Der kleine Hafen hat ihr Spaß gemacht, wir sind ins Watt gegangen und sind mit der Lady of Büsum raus auf die Nordsee. Im Restaurant Am Park habe ich ihr irgendwann Scholle untergejubelt, unter der Krabben versteckt waren. „Komm mir nicht mit diesem Gewürm“, war immer ihre Ansage. Als sie dann kostete, hieß es plötzlich: „Mh… nussig…“ Ab da waren Krabben ihre Leibspeise.

Nun war ich im September wieder an der Küste. Die Nebensaison kündigte sich an, Corona spielte mit und ein Sturmtief war im Anmarsch. Alles geschenkt. Aber als ich durch den Ort ging, blieb am Ende nur ein einziger trockener Eindruck hängen: Mittwochs hat Büsum offenbar geschlossen.

Wo früher reges Treiben herrschte, stand das große Lokal direkt am Museumshafen – früher mal das Anker 1 – zum Verkauf. Etliche Läden und Restaurants hatten komplett zu. Andere machten erst späten Nachmittag für den Abendtisch auf. Auch bei den Schiffen sah es überschaubar aus. Die Lady lag stumm im Hafen, der Fahrplan war zusammengestrichen und neben der Helgoland-Fahrt gab es fast nur noch abgespeckte Kuttertouren.

Früher lag so ein Kutter kaum am Kai, da ging es schon wieder los. Heute war alles anders. Auf meine Nachfrage wegen einer Seehundstour am Freitag hieß es ehrlich, man wisse wegen des aufziehenden Sturms noch nicht, ob überhaupt etwas fährt. Das war fair, damit kann ich umgehen. Unter dem Sturm hätte auch mein privater Abschluss der Reise gelitten.

Was mich jedoch irritierte: Der Ort war trotz des mäßigen Wetters proppevoll. In den wenigen geöffneten Lokalen einen Platz zu bekommen, war fast unmöglich. Nach monatelangen Zwangspausen durch Corona hätte ich erwartet, dass man jeden Herbstferientag mitnimmt und den Gästen was bietet. Denn geschlossene Türen fressen am Ende nur eines: Flair.

Ganz zum Schluss gab es doch noch einen Lichtblick. Abseits am Hafenbecken entdeckte ich das Bistro Möller am Fischereihafen. Freundlicher Empfang, tolle Truppe, riesige Portionen und günstige Preise. Man merkte dem Team an, dass es schlicht Freude an der Arbeit hat. Wenn ich wieder in Büsum bin, esse ich genau dort. Schon allein deshalb, weil dort mittwochs offen war.

Foto: Norbert Beck / Grafik-Layout: canva PRO und Norbert Beck


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