Der erste Januar 2022. Mein erster Jahreswechsel allein.
Früher lief das anders. Mitternacht, mit Mutti anstoßen, anschließend raus auf die Straße und den Nachbarn ein frohes neues Jahr wünschen. Ob man sich mochte oder nicht, spielte für ein paar Minuten keine große Rolle.
Danach ging es noch einmal zurück in die Wohnung. Jeans und Hemd aus, Funktionskleidung an, Stirnlampe auf und meistens spätestens gegen halb eins wieder vor die Tür.
Zum Laufen.
Die Strecke war fast immer dieselbe. Im Zickzack durch die Felder Richtung Blaue Kuppe, dann über die Alte Mühlhäuser Straße nach Oberdünzebach. Von dort hatte man nachts einen schönen Blick über das Werratal. Wenn ich anschließend direkt nach Hause lief, waren es etwas mehr als zwölf Kilometer. Mit einem zusätzlichen Schlenker durch die Werraauen konnten daraus auch 15 Kilometer werden.
Irgendwann zwischen zwei und drei Uhr lag ich dann zufrieden und ziemlich fertig im Bett.
Daran musste ich an diesem Neujahrstag wieder denken.
Denn heute würde ich wahrscheinlich allein für den Weg Richtung Blaue Kuppe mehrere Stunden brauchen. Und unterwegs gäbe es für meinen derzeitigen Geschmack deutlich zu wenige Bänke.
Das zu schreiben tut weh.
Nicht, weil ich glaube, dass ein Mensch an Neujahr unbedingt 15 Kilometer durch die Dunkelheit laufen muss. Sondern weil mir bei solchen Erinnerungen ziemlich deutlich wird, wie viel Beweglichkeit und Aktionsradius mir in den vergangenen Jahren verloren gegangen sind.
Diesmal fand der Sport neben einem Stuhl statt
Ganz ohne Bewegung wollte ich den ersten Tag des Jahres trotzdem nicht verstreichen lassen.
Also stellte ich mir einen Stuhl hin, nahm zwei kleine Hanteln und meine Zugbänder und machte die Übungen, die ich zuletzt bei meiner Trainerin gemacht hatte. Sieben verschiedene Übungen, jeweils 15 Wiederholungen und vier Sätze.
Das klingt neben einem nächtlichen 15-Kilometer-Lauf erst einmal nicht besonders spektakulär.
War es auch nicht.
Aber es fühlte sich gut an. Und am Ende durchaus nach Arbeit.
Vielleicht muss ich mich daran erst wieder gewöhnen, solche Dinge nicht ständig mit dem zu vergleichen, was früher einmal möglich war. Der Maßstab für heute kann nicht immer der Norbert sein, der nachts mit Stirnlampe durch die Felder gelaufen ist.
Trotzdem will ich diesen Typen nicht ganz vergessen.
Nicht, weil ich exakt wieder so werden muss. Sondern weil ich weiß, dass Bewegung einmal völlig selbstverständlich zu meinem Leben gehört hat. Ich bin nicht losgelaufen, weil mir eine Uhr sagte, dass noch 4.000 Schritte fehlen. Ich bin gelaufen, weil ich laufen wollte.
Davon möchte ich wenigstens einen Teil zurück.
Gesundheit richtet sich leider nicht nach guten Vorsätzen
Seit einiger Zeit machten mir außerdem meine Magenprobleme zu schaffen. Ich hatte deshalb für mich die Mahlzeiten reduziert und beobachtet, dass die Tage, an denen ich schon morgens mit starkem Druck und Schmerzen im Bauch aufstand, etwas seltener geworden waren.
Ob das tatsächlich mit meinem Essrhythmus zusammenhing, wusste ich damals nicht. Es war lediglich etwas, das mir bei mir selbst aufgefallen war.
Denn so ein Tag mit starken Beschwerden war für mich schnell verloren. Selbst wenn ich mich irgendwann wieder halbwegs fing, blieb meistens irgendetwas auf der Strecke.
Am Neujahrstag blieb wenigstens das Essen unkompliziert.
Eigentlich hatte ich Fisch geplant. Davon lag genug im Gefrierschrank. Das Problem: Der Fisch lag dort auch weiterhin tiefgefroren, weil ich vergessen hatte, etwas herauszunehmen.
Dann sah ich in einer Fernsehdokumentation eine Familie Spaghetti mit Tomatensoße essen und plötzlich war die Entscheidung gefallen.
Hackfleisch für eine Bolognese hatte ich nicht da. Also wurden Paprika und Karotte klein geschnitten, angeröstet und kamen in die Tomatensoße. Parmesan war ebenfalls Fehlanzeige, deshalb musste geriebener Bergkäse einspringen.
Spaghetti mit Tomatensoße am Feiertag.
Nichts Besonderes. Aber manchmal ist genau das verdammt lecker.
Kein großer Neustart
Vielleicht ist das sowieso die passendere Geschichte für diesen ersten Januar.
Kein „Ab heute wird alles anders“. Kein zwölfmonatiger Masterplan. Und schon gar kein Versprechen, dass ich Silvester wieder 15 Kilometer durch die Nacht laufen werde.
Heute waren es Übungen neben einem Stuhl.
Morgen möchte ich wieder raus.
Und irgendwann möchte ich feststellen, dass der Weg Richtung Blaue Kuppe nicht mehr wie eine Expedition klingt.
Für den Moment reicht mir das als Anfang.
Foto: Norbert Beck und canva PRO / Layout: canva PRO und Norbert Beck
Rechtschreibung
Die Interpunktion und Orthographie dieses Textes sind frei erfunden. Eine Übereinstimmung mit aktuellen oder ehemaligen Rechtschreibregeln wäre rein zufällig und ist nicht beabsichtigt.
Fehler? Klar, ich bin auch nur ein Mensch! Vor der Veröffentlichung lasse ich meine Blogposts von einer KI (z. B. ChatGPT) auf Rechtschreibung und Grammatik prüfen, um die gröbsten Patzer auszumerzen. Das Ergebnis ist sauberer als so mancher Zeitungsbeitrag – und das will was heißen! 😉
Teile die Beiträge
Hat dir der Artikel gefallen? Teile ihn in deinem Lieblingsnetzwerk! Egal ob Social Media, Messenger oder anderswo – das Teilen und die Likes der Leser sind der Applaus für mich als Blogger und Vlogger. Jeder geteilte Post bringt landpirat.de mehr Leser, mehr Austausch und noch mehr Spaß am Bloggen. Also, klick auf „Teilen“ und leg los!
Werde Teil von Landpirat.de!
Deine Meinung ist gefragt! Schreib mir deine Gedanken in die Kommentare oder schick mir eine Nachricht über das Kontaktformular oder die E-Mail im Impressum. Folge mir auf Facebook, X, Mastodon, Blue Sky, Instagram, Threads, Tumblr oder YouTube, um keine neuen Posts oder Videos zu verpassen. Gemeinsam machen wir landpirat.de zu einem Ort voller spannender Geschichten – dein Input macht den Unterschied!
Kommentare