Man kennt das: Die Sonne blinzelt hervor, das Wetter ist so verdächtig stabil, dass man es fast für eine optische Täuschung hält, und plötzlich regt sich tief im Inneren ein längst vergessen geglaubter Geist. Es ist der Geist des Sportlers. Oder, wie in meinem Fall, eher der Geist der grenzenlosen Selbstüberschätzung. Wer zwei Tage zuvor stolze 2,8 Kilometer um die Knaus-Hallig am Werratalsee gewalkt ist, ohne dass der Körper direkt die weiße Fahne geschwenkt hat, der fühlt sich unbesiegbar. 2,8 Kilometer! Das ist quasi der Mount Everest für Fortgeschrittene, nur eben flacher und mit weniger Sauerstoffflaschen.
Berauscht von diesem Erfolgserlebnis stand ich also zwei Tage später wieder in sportiver Montur am See. Ob es nun der Vitamin-D-Schub war oder schlichte Blödheit, bleibe dahingestellt. Auf dem Kopf: mein geliebtes grünes Beanie. Früher war ich ein strikter Kopfbedeckungs-Gegner, doch heute schätze ich die praktischen Vorzüge. Ein Beanie fungiert beim Sport nämlich als erstklassiger Schwamm. Er fängt das auf, was mein Körper als „Leistung“ deklariert, andere aber schlicht als Angstschweiß bezeichnen würden. Bevor das Zeug in die Augen läuft, landet es in der Mütze. Danach wandert das Teil in die Waschmaschine – praktisch, effizient, landpiratenmäßig.
Das Ziel der Begierde: die Bruchteiche bei Bad Sooden-Allendorf. Ein Terrain, so flach, dass man fast die Erdkrümmung vermuten könnte. Beim Anglerheim steht sogar ein Schild, das auf einen Nordic Walking-Park hinweist. Ein Schild für Leute, die einen Plan brauchen. Ich? Ich bin hier schon so oft joggend durch das Gehölz geturnt, ich kenne jeden Grashalm beim Vornamen. Ein Streckenplan ist für Amateure. Die einfache Runde um beide Teiche? Keine fünf Kilometer. Wenn man noch den Schlenker zum Restbauernhof an der Bundesstraße mitnimmt, passt das schon. Dachte ich.
Die Rahmenbedingungen waren perfekt: früher Sonntagmorgen, die Vögel zwitscherten, kaum eine Menschenseele unterwegs. Ich aktivierte meine digitalen Begleiter – Pokémon Go inklusive Autocatcher und Route – und startete den Motor. Also meinen biologischen. Der Gedanke war simpel: Wer 2,8 Kilometer kann, der lacht über 5 Kilometer.
Nun ja. Das Foto, das ich von diesem Ausflug schoss, zeigt ein Lächeln. Ein professionelles, fast schon staatsmännisches Lächeln. Aber hinter dieser Fassade tobte ein Bürgerkrieg der Gelenke. Ich hatte zwar eine Schmerztablette eingeworfen, doch im Nachgang beschleicht mich das ungute Gefühl, dass ich versehentlich ein grünes Smartie aus dem Vorrat der Nachbarskinder erwischt habe. Die Wirkung war jedenfalls gleich null.
Nach genau 600 Metern meldete sich die rechte Hüfte mit einem dezenten Ziehen. Nach 1.100 Metern reichte die Lendenwirbelsäule eine offizielle Beschwerde ein. Und nach zwei Kilometern fühlte es sich an, als würde mir jemand im Zehn-Sekunden-Takt von hinten gegen die rechte Schulter treten. Wäre ich ein Fan von Peitschen, Lack und Leder, hätte ich das vielleicht als aufregendes Hobby verbucht. Aber ich wollte mich sportlich betätigen, nicht mein Skelett neu sortieren lassen.
Am Teich 2 war erst einmal Schluss. Pause. Während mein Puls versuchte, neue Rekordhöhen zu erklimmen, beobachtete ich die Natur. Ein Haubentaucher verschwand mit einem schmatzenden „Plopp“ unter der Wasseroberfläche – wahrscheinlich, um über meine Walking-Technik zu lachen. Am Wegesrand entdeckte ich Taubnesseln. Unkraut? Von wegen. Wer als Kind gelernt hat, die Blüte abzuziehen und den süßen Tropfen am Stiel zu saugen, weiß: Die Natur bietet Trost, wenn die Bandscheibe streikt.
Ich zog derweil meine eigenen Tropfen hinter mir her. Die Sonne gab alles, und mein Beanie-Schwamm war kurz vor der Sättigungsgrenze. Der Schmerz war mittlerweile in ein statisches Ziehen übergegangen. Solange ich den Rücken so gerade hielt, als hätte ich einen Besenstiel verschluckt, ging es einigermaßen. Mühsam stapfte ich durch ein dekoratives Chaos aus Hundeleinen zurück Richtung Auto.
Am Ziel angekommen, herrschte Erleichterung. Das Auto durfte am Baumarkt an die Steckdose, während ich meine Wunden leckte. Doch das Pech blieb mir treu: Der geplante Kauf einer Ahlen Wurst an einer Verkaufsbox scheiterte kläglich am digitalen Zahlungsverkehr. PayPal hatte offensichtlich genauso wenig Lust auf Kooperation wie meine Hüfte.
Trotzdem: Die Schritte waren voll, noch bevor der Rest der Welt das erste Brötchen geschmiert hatte. Das Lächeln auf dem Foto war vielleicht teuer erkauft, aber immerhin stand ich noch. Und morgen? Morgen werde ich die Personenwaage, die ich vor lauter Schreck wahrscheinlich irgendwann einmal demontiert hatte, wieder zusammenbauen. Man muss den Tatsachen schließlich ins Auge sehen – auch wenn die Hüfte dabei lautstark widerspricht.
Bildinformationen:
Foto: Norbert Beck, mit Google Gemini und Google Nano Banana bearbeitet
Komposition des Beitragsbildes: Norbert Beck mit Unterstützung von canva pro
Rechtschreibung
Die Interpunktion und Orthographie dieses Textes sind frei erfunden. Eine Übereinstimmung mit aktuellen oder ehemaligen Rechtschreibregeln wäre rein zufällig und ist nicht beabsichtigt.
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