Social Overload – oder: Wie ich wieder mit dem Lesen anfing

Ich glaube, ich werde alt. Ich habe neuerdings mit dem Lesen angefangen. Also echte Bücher. Für die Jüngeren unter uns: Das ist dieses Medium, bei dem nur Text existiert und der Film komplett im eigenen Kopf ablaufen muss. Ziemlich oldschool. Kein 3D, keine Animationen, kein Touchscreen, kein Scrollen.

Wobei, ganz so altmodisch bin ich dann doch nicht: Ich nutze den Moon-Reader auf dem Tablet. Dabei habe ich übrigens festgestellt, dass sich sogar das Buch, das ich selbst gerade schreibe, in dieser App ziemlich gut liest.

Man sieht es mir vielleicht nicht direkt an, aber ich habe ein Problem mit Menschen. Nein, nicht generell. Einzelne Personen sind völlig okay. Bekannte Gesichter erst recht. Aber sobald ich in einer größeren Gruppe von Unbekannten lande, schlägt bei mir die soziale Reizüberflutung zu – der absolute Social Overload.

Eine einzelne Person ist wie ein Tennismatch. Man spielt sich gegenseitig die Bälle zu, mal trifft der eine besser, mal der andere. Berechenbar. Eine Gruppe dagegen? Das ist wie Völkerball. Und zwar die Variante, bei der du als Letzter deines Teams mitten auf dem Feld stehst, während die Gegner dich umzingeln und jeder von ihnen einen Ball in der Hand hält, um dich abzuwerfen. Genau so fühlt sich das in meinem Kopf an.

Ich will endlich verstehen, warum das so ist. Warum andere sich in solchen Momenten so federleicht tun – und vor allem: Was kann ich tun, damit es für mich besser wird? Das ist der Grund, warum ich wieder zu Büchern greife.

Der Auslöser war vermutlich das Hörbuch von Bernd Stelter: „Wer älter wird, braucht Spaß im Leben“ (sagt man bei Hörbüchern eigentlich „gehört“ oder „gelesen“?). Das hat bei mir etwas ausgelöst. Ich gehe stramm auf die Mitte 50 zu. Man gehört damit so langsam zu den alten Säcken, aber das ist an sich nicht das Problem. Die Frage ist ja nur, was man daraus macht.

Ich will wieder Spaß am Leben haben. Ich will 80 Kilo abnehmen. Ich will gesünder sein. Und ich will verdammt noch mal nicht mehr hilflos meinem eigenen Kopfkino ausgeliefert sein.

Buchtitel sind manchmal echt dämlich, oder? Das Werk, das ich mir vorgenommen habe, heißt „Buch für Schüchterne: Wege aus der Selbstblockade“ von Borwin Bandelow. Aber der Inhalt hat es in sich. Der Autor schreibt, dass sich das Leben für Menschen wie mich anfühlt wie eine permanente Castingshow.

Du betrittst einen Raum, alle sind schon da, du kennst keine Sau – und im eigenen Kopf stehst du sofort auf der großen Bühne. Die Scheinwerfer blenden dich, die Kamera zoomt in extremer Nahaufnahme auf dein Gesicht, damit auch ja jeder Schweißtropfen zu sehen ist. Und in der Jury sitzt dein persönlicher Dieter Bohlen und bewertet jedes Wort, jede Regung und jedes nervöse Zucken von dir. Und zwar gnadenlos negativ.

Das Absurde an der Sache ist ja: Die Menschen um einen herum sind überhaupt keine Preisrichter. Die haben alle ihre eigenen Sorgen. Die ärgern sich über den Senffleck, den die Bratwurst vor fünf Minuten auf ihrem Shirt hinterlassen hat, oder sind gedanklich ganz woanders. Keiner starrt dich an.

Trotzdem fühlt es sich so an, als stünde man mitten im Spotlight und müsste jetzt die Performance des Jahres abliefern.

Muss man das wirklich? Ich weiß es ehrlich gesagt noch nicht. Ich bin mit dem Buch ja noch ziemlich am Anfang. Aber ich habe mir fest vorgenommen, ab jetzt jeden Abend die letzte halbe Stunde vor dem Schlafen ein Stück weiterzulesen. Mal sehen, wie die Show ausgeht.

Bildinformationen:
Foto
: Norbert Beck, mit Google Gemini und Google Nano Banana bearbeitet
Komposition des Beitragsbildes: Norbert Beck mit Unterstützung von canva pro


Rechtschreibung

Die Interpunktion und Orthographie dieses Textes sind frei erfunden. Eine Übereinstimmung mit aktuellen oder ehemaligen Rechtschreibregeln wäre rein zufällig und ist nicht beabsichtigt.

Fehler? Klar, ich bin auch nur ein Mensch! Vor der Veröffentlichung lasse ich meine Blogposts von einer KI (z. B. ChatGPT) auf Rechtschreibung und Grammatik prüfen, um die gröbsten Patzer auszumerzen. Das Ergebnis ist sauberer als so mancher Zeitungsbeitrag – und das will was heißen! 😉


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Norbert Beck

Norbert Beck, Softwareentwickler aus Eschwege, jongliert seit über 20 Jahren mit Codes und IT-Systemen – nur die Schwerkraft leistet gelegentlich noch Widerstand. Als ehemaliger Marathon-Staffelläufer weiß er, wie sich Ausdauer anfühlt; heute praktiziert er „Sport trotz Masse“ und beweist, dass man auch mit ein paar Kilo zu viel im Gepäck kein Standbild sein muss. Auf landpirat.de dokumentiert er seine Mission zwischen gesunder Ernährung, technischem Tatendrang und dem ehrlichen Versuch, den inneren Schweinehund digital zu überlisten. Leidenschaftlicher Fotograf, engagierter Netzwerker und ein Typ, der lieber Lösungen baut als Probleme wälzt – immer mit einer Prise Selbstironie und der nötigen Portion nordhessischer Direktheit.

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