Essen und Trinken – Die Folgen von Corona im Dithmarscher Land

Corona und die Gastronomie – das ist keine Liebesgeschichte, sondern eher eine jener dramatischen Fernbeziehungen, bei denen man sich ständig fragt, wer zuerst die Nerven verliert. Nachdem die Türen monatelang verriegelt blieben, wagte Schleswig-Holstein das Experiment: Testballons für den Tourismus stiegen auf, die Freiheit schnupperte nach Salzwasser. Und so zog es mich an die Küste, irgendwo zwischen Friedrichskoog und Büsum.

Nun bin ich eigentlich der Typ „Selbstversorger“, der am heimischen Herd mit Leidenschaft das Zepter schwingt. Doch im Urlaub? Da darf es dann doch bitte das Rundum-sorglos-Paket sein. Dass dieses Paket in jenen Tagen Ende September jedoch einige Risse hatte, wurde schnell deutlich.

Die große Leere trotz voller Promenaden

Eigentlich ist die Nordseeküste um diese Zeit ein Ameisenhaufen. Doch während die Urlauberströme die Deiche fluteten, präsentierte sich die Gastronomie seltsam erschöpft. Eingeschränkte Öffnungszeiten, verfrühte Winterpausen – und das, obwohl die Saison doch erst so spät gezündet hatte. Wer früher mit der Mutter im Oktober an der See war, kannte das: Nach den Herbstferien wurden die Bürgersteige hochgeklappt. Aber Ende September? Da herrschte plötzlich Stille, wo eigentlich das Klappern von Besteck sein sollte.

An der mangelnden Lust der Gäste lag es kaum. Sicher, der eine oder andere mag aus Vorsicht lieber in der Ferienwohnung brutzeln, doch die Sehnsucht nach einem gedeckten Tisch war greifbar.

Von 3G, 2G und der Suche nach Sauerstoff

Die Regeln tanzten ihren ganz eigenen Reigen. Erst 3G, dann sickerte in der Seehundstation die Nachricht von der neuen 2G-Option durch. Volles Haus für Geimpfte und Genesene oder halbe Kraft mit Tests – ein bürokratischer Eiertanz, der vor den Türen oft zu ungeduldigem Warten führte. Eine halbe Stunde stehen für den Check, Maske auf bis zum Tisch, Maske auf zum WC. Man nahm es hin, denn man wollte ja nur ein Stück Normalität zurück.

Doch manche trieben es auf die Spitze. Ein Lokal am Büsumer Fischereihafen etwa erhob die FFP2-Maske zum eisernen Gesetz – medizinische Masken waren ihnen nicht gut genug. Als Asthmatiker, der ohnehin schon um jedes Quäntchen Atemluft kämpft, ist das keine Kleinigkeit. Wenn man die Maske dann noch nur zum direkten Kauvorgang absetzen darf, wird der Restaurantbesuch eher zum medizinischen Stresstest als zur Erholung. Ich schüttelte den Kopf und ging weiter. Es ist das gute Recht des Wirts, doch mein Recht ist es, dort nicht zu essen.

Die Wirtschaftlichkeit der Einsamkeit

Richtig bitter wurde es jedoch an einer anderen Tür. Nach zwanzig Minuten Wartezeit wurde ich – der Einzelesser – schlichtweg abgewiesen. Der O-Ton des Inhabers: Ein Einzeltisch lohne sich nicht, wenn draußen Vierergruppen warten. Ein wirtschaftliches Argument, so kalt wie die Nordsee im Januar.

Ich werde den Namen des Lokals hier nicht nennen. In Zeiten, in denen „verschwurbelte Lemminge“ nur darauf warten, digitale Scheiterhaufen zu errichten und Inhaber mit Beleidigungen zu fluten, verbietet sich das von selbst. Dennoch: Ob es klug ist, einen Gast so zu verprellen? Wer weiß, ob ich nicht das nächste Mal mit zehn Freunden wiedergekommen wäre. Jetzt werde ich es sicher nicht tun.

Wo sind sie alle hin?

Das wahre Drama offenbarte sich mir aber erst im Gespräch mit einer Wirtin nahe meiner Unterkunft. Das Lokal war plötzlich dicht. Nicht aus Unlust, sondern aus Not. Das Personal ist schlichtweg weg.

Die jungen Aushilfen sind in die Ausbildung verschwunden, und die Profis, die jahrelang die Teller jonglierten? Die haben sich während der quälenden Monate der Kurzarbeit und Unsicherheit Jobs gesucht, die mehr Sicherheit, bessere Bezahlung und geregelte Arbeitszeiten bieten – ohne das ständige Damoklesschwert eines erneuten Lockdowns über dem Kopf.

Ein Fazit mit Weitblick

Die Gastronomie an der Küste steht an einem Scheideweg. Die Krise hat gnadenlos offengelegt, dass Wertschätzung mehr sein muss als ein nettes Trinkgeld. Höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen werden unumgänglich sein, auch wenn das für uns Gäste am Ende höhere Preise auf der Speisekarte bedeutet.

Ich werde wiederkommen. Vielleicht bleibe ich sogar irgendwann ganz. Es bleibt zu hoffen, dass sich die Branche bis dahin neu erfunden hat – damit das Licht in den Fenstern der Restaurants nicht nur aus Nostalgie brennt.


Dies ist ein Re-Post eines Beitrags vom 09.10.2021. Der Schreibstil wurde angepasst und aktualisiert, um die damalige, für alle Beteiligten schwierige Übergangsphase angemessen zu reflektieren.

Foto: canva PRO / Grafik-Layout: canva PRO und Norbert Beck


Rechtschreibung

Die Interpunktion und Orthographie dieses Textes sind frei erfunden. Eine Übereinstimmung mit aktuellen oder ehemaligen Rechtschreibregeln wäre rein zufällig und ist nicht beabsichtigt.

Fehler? Klar, ich bin auch nur ein Mensch! Vor der Veröffentlichung lasse ich meine Blogposts von einer KI (z. B. ChatGPT) auf Rechtschreibung und Grammatik prüfen, um die gröbsten Patzer auszumerzen. Das Ergebnis ist sauberer als so mancher Zeitungsbeitrag – und das will was heißen! 😉


Teile die Beiträge

Hat dir der Artikel gefallen? Teile ihn in deinem Lieblingsnetzwerk! Egal ob Social Media, Messenger oder anderswo – das Teilen und die Likes der Leser sind der Applaus für mich als Blogger und Vlogger. Jeder geteilte Post bringt landpirat.de mehr Leser, mehr Austausch und noch mehr Spaß am Bloggen. Also, klick auf „Teilen“ und leg los!


Werde Teil von Landpirat.de!

Deine Meinung ist gefragt! Schreib mir deine Gedanken in die Kommentare oder schick mir eine Nachricht über das Kontaktformular oder die E-Mail im Impressum. Folge mir auf Facebook, X, Mastodon, Blue Sky, Instagram, Threads, Tumblr oder YouTube, um keine neuen Posts oder Videos zu verpassen. Gemeinsam machen wir landpirat.de zu einem Ort voller spannender Geschichten – dein Input macht den Unterschied!

Norbert Beck

Norbert Beck, Softwareentwickler aus Eschwege, jongliert seit über 20 Jahren mit Codes und IT-Systemen – nur die Schwerkraft leistet gelegentlich noch Widerstand. Als ehemaliger Marathon-Staffelläufer weiß er, wie sich Ausdauer anfühlt; heute praktiziert er „Sport trotz Masse“ und beweist, dass man auch mit ein paar Kilo zu viel im Gepäck kein Standbild sein muss. Auf landpirat.de dokumentiert er seine Mission zwischen gesunder Ernährung, technischem Tatendrang und dem ehrlichen Versuch, den inneren Schweinehund digital zu überlisten. Leidenschaftlicher Fotograf, engagierter Netzwerker und ein Typ, der lieber Lösungen baut als Probleme wälzt – immer mit einer Prise Selbstironie und der nötigen Portion nordhessischer Direktheit.

Alle Beiträge ansehen von Norbert Beck →

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert