Entspannung kann spannend sein – Lern auch mal abzuschalten

Ohmmmmmmmmmmmmm… Nein, keine Sorge. Ich werde jetzt nicht im Lotussitz vor euch schweben, meine Chakren auf Hochglanz polieren oder versuchen, den Geist von Manitu mittels Duftkerzen herbeizuzitieren. Wer mich auch nur ein bisschen kennt, weiß: In spirituellen Gefilden bin ich so heimisch wie ein Pinguin in der Sahara. Und doch sitze ich hier und schreibe über das Unwort des Jahres (oder eher: meines Lebens): Entspannung.

Ich musste es auf die harte Tour lernen. Denn für Entspannung gibt es keine App, kein Universalrezept und schon gar keine DIN-Norm. Jeder muss seinen eigenen Pfad durch das Dickicht der Alltagsverpflichtungen schlagen. Mein Pfad war jahrelang eher eine Autobahn – und ich war der Geisterfahrer unter Dauerstrom.

Das Leben nach der Stechuhr

Seit meine Mutter querschnittsgelähmt war und Pflege benötigte, wurde mein Leben von einer unsichtbaren, aber gnadenlosen Stechuhr regiert. Mein Tag begann nicht mit einem Kaffee und sanftem Strecken, sondern mit dem „Systemcheck“: Essen, Trinken, Medikamente, Unterhaltungsprogramm, das ganze Drumherum. Dann acht Stunden Maloche. Und während andere nach Feierabend die Beine hochlegten, schaltete ich in den Turbo-Modus: Nach Hause hasten, kochen, Spritzen setzen, Pillen sortieren, ein bisschen Smalltalk halten, bis der Pflegedienst kam, um das Tagewerk zu beenden.

Freizeit? Ein logistisches Meisterwerk, das meist schon im Planungsstadium an Erschöpfung scheiterte. 365 Tage im Jahr Funktionieren. Kranksein war ein Luxus, den ich mir schlicht nicht leisten konnte.

In dieser Zeit gewöhnte ich mir einen dilettantischen Perfektionismus an. Ein wunderbarer Begriff, oder? Man versucht in zwei, drei Bereichen die 120-Prozent-Marke zu knacken, während man im Rest des Lebens glorreich vor sich hin schlampt, weil die Akkus eigentlich schon seit 2014 leer sind. Man wird aggressiv, der Schlaf ist nur noch eine unruhige Ohnmacht, und der Blutdruck spielt Techno.

Der Notausgang, den niemand will

Man sagt, man solle Stressfaktoren einfach abstellen. Ein toller Rat, wenn der Stressfaktor das Schicksal eines geliebten Menschen ist. Bei mir endete der Kreislauf erst mit dem Tod meiner Mutter. Sicher nicht der „Exit“, den ich mir gewünscht hätte, aber rückblickend war es eine Art Notstopp des Universums. Wer weiß, wie lange das Prinzip „Augen zu und durch“ noch gutgegangen wäre, bevor ich mein Versprechen – „Du kommst nicht ins Heim“ – wegen eines eigenen Zusammenbruchs hätte brechen müssen.

Das Pflegesystem in diesem Land stützt sich auf die stillen Helden: die pflegenden Angehörigen. Ohne sie würde der ganze Laden kollabieren, doch viele von ihnen stehen kurz vor der Kernschmelze.

Schopenhauer, der alte Griesgram, hatte tatsächlich recht, als er sagte:

„Wenn dein Leben schwer geworden ist, denk nur einen Tag in Ruhe über dich nach. Das wird dir mehr einbringen, als ein ganzes Jahr einfach nur weiterzumachen.“

Aber wir sind ja so furchtbar gern bequem und krallen uns an alten Gewohnheiten fest, selbst wenn sie uns langsam auffressen.

Die Leere und das Alpaka

Nachdem die Pflege wegfiel, fiel ich – und zwar in ein tiefes, schwarzes Loch. Ich hatte verlernt, wie man „nichts“ tut. Meine glorreiche Lösung? Ich pflasterte meinen Kalender mit Terminen zu, nur um das vertraute Gefühl des Gejagtseins zu simulieren. Wenn mir dann jemand riet: „Ach, schalt doch mal ab!“, hätte ich ihn am liebsten ungläubig (oder mitleidig) gemustert.

Der Durchbruch kam an der Nordsee, auf dem Deich von Friedrichskoog-Spitze. Ich saß da im T-Shirt bei auffrischendem Wind (andere nannten es „Eiszeit“), schaute den Wolken beim Wandern zu und traf zufällig gefühlt die halbe nordhessische Heimat. Vier Stunden vergingen, in denen ich einfach nur Zeit „vergammelte“. Und wisst ihr was? Die Welt drehte sich weiter.

Heute pflege ich meine neuen Rituale:

  • Tierische Entschleunigung: Wer mal ein Alpaka an der Leine geführt hat, weiß, was wahre Zen-Meister sind. Wenn das Tier fressen will, dann frisst es. Punkt. Da kannst du noch so sehr an der Leine zerren. Man kann diesen Flauschkugeln einfach nicht böse sein.
  • Die geplante Leere: Ein Vormittag am Wochenende gehört mir. Keine Termine, nur Spazierengehen, Musik oder Füße hoch.
  • Küchen-Meditation: Ja, haltet mich für verrückt, aber zwei Stunden aufwendiges Kochen am Sonntag ist für mich pure Entspannung.

Was ich gelernt habe: Sucht keine Ersatzbefriedigung in Alkohol oder Bergen von Süßkram. Das gibt nur einen dicken Kopf oder eine Hose, die nicht mehr passt. Findet euren eigenen „Deich-Moment“.

Wie sieht es bei euch aus? Was ist euer ultimativer Stresskiller? Schreibt es mir in die Kommentare!


Dies ist ein Re-Post eines Beitrags vom 18.10.2021. Der Text wurde im Zuge der Veröffentlichung stilistisch überarbeitet, in seiner Tonalität angepasst und inhaltlich aktualisiert, um die zeitlose Relevanz des Themas Pflege und Selbstfürsorge zu unterstreichen.

Foto: canva PRO / Layout: Norbert Beck und canva Pro


Rechtschreibung

Die Interpunktion und Orthographie dieses Textes sind frei erfunden. Eine Übereinstimmung mit aktuellen oder ehemaligen Rechtschreibregeln wäre rein zufällig und ist nicht beabsichtigt.

Fehler? Klar, ich bin auch nur ein Mensch! Vor der Veröffentlichung lasse ich meine Blogposts von einer KI (z. B. ChatGPT) auf Rechtschreibung und Grammatik prüfen, um die gröbsten Patzer auszumerzen. Das Ergebnis ist sauberer als so mancher Zeitungsbeitrag – und das will was heißen! 😉


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Norbert Beck

Norbert Beck, Softwareentwickler aus Eschwege, jongliert seit über 20 Jahren mit Codes und IT-Systemen – nur die Schwerkraft leistet gelegentlich noch Widerstand. Als ehemaliger Marathon-Staffelläufer weiß er, wie sich Ausdauer anfühlt; heute praktiziert er „Sport trotz Masse“ und beweist, dass man auch mit ein paar Kilo zu viel im Gepäck kein Standbild sein muss. Auf landpirat.de dokumentiert er seine Mission zwischen gesunder Ernährung, technischem Tatendrang und dem ehrlichen Versuch, den inneren Schweinehund digital zu überlisten. Leidenschaftlicher Fotograf, engagierter Netzwerker und ein Typ, der lieber Lösungen baut als Probleme wälzt – immer mit einer Prise Selbstironie und der nötigen Portion nordhessischer Direktheit.

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