Die Big-Bang-Show – Die Bundeswehr und das Wattenmeer

Man muss den Humor der Geschichte einfach lieben. Da haben wir das schleswig-holsteinische Wattenmeer: Nationalpark, Naturschutzgebiet und – für den ganz großen Hochmut – auch noch UNESCO-Weltnaturerbe. Ein Ort, an dem die Natur so heilig ist, dass man wahrscheinlich schon ein Bußgeld riskiert, wenn man eine Strandkrabbe zu scharf ansieht. Und dann ist da die Bundeswehr. Für die ist dieses ökologische Juwel vor allem eins: Ein exzellenter Schießplatz.

Wie es dazu kam? Wie immer, wenn es skurril wird, ging es ums Geld. In den 60er Jahren fehlten dem Land Schleswig-Holstein läppische 30 Millionen Mark für den Küstenschutz in Dithmarschen. Also verkaufte man kurzerhand 1500 Hektar unberührtes Watt in der Meldorfer Bucht an die Truppe. Damals krähte kein Hahn nach Welterbe-Titeln, und heute genießt das Geballer schlichtweg Bestandsschutz. Man könnte sagen: Die Bundeswehr hat das Watt besetzt, bevor die Ökologie es entdecken konnte.

Ich selbst durfte diese friedliche Symbiose aus Flora, Fauna und Feuerkraft um 2013 herum beim Joggen erleben. Ein Knall, der durch Mark und Bein ging, irgendwo zwischen Friedrichskoog und Elpersbüttel. Im flachen Küstenland trägt der Schall kilometerweit – Hindernisse gibt es ja keine, außer vielleicht einer verwirrten Ringelgans. Erst da fielen mir die Sperrzonenschilder so richtig auf. Es ist schon ein besonderes Prickeln, wenn man weiß, dass man gerade dort läuft, wo andere Berichte von Geschosseinschlägen nur 200 Meter neben Wandergruppen flüstern. Vermutlich wurde damals gerade die Diät des Schützenpanzers „Puma“ getestet – Bleivergiftung inklusive.

Natürlich, wir alle wollen verteidigt werden. Wir wollen Sicherheit, Manöver und eine einsatzbereite Truppe. Aber müssen die Projektile unbedingt dort einschlagen, wo der Seehund „Gute Nacht“ sagt?

Die Ironie an der Sache: Die Sperrzonen sind paradoxerweise die reinsten Naturparadiese. Weil kein Tourist seine Pommesgabel in den Sand steckt, können sich Pflanzen und Tiere dort prächtig entwickeln – solange sie nicht gerade einen Gehörsturz erleiden. Wenn der Hubschrauber zur Bergung der Munitionsreste anrückt, flattern zehntausende Vögel panisch auf. In der Brutzeit ist das ungefähr so förderlich wie eine Heavy-Metal-Band im Kreißsaal. Und die Seehunde? Die finden es sicher auch spannend, wenn ihre Jungen durch den Lärm zu „Heulern“ werden. In der menschenleeren Sperrzone findet die verwaisten Tiere nur niemand, um sie zur Station nach Friedrichskoog zu bringen.

Am Aussichtspunkt beim Meldorfer Hafen traf ich neulich drei „Fotojäger“. Männer mit Objektiven, so groß wie Ofenrohre, mit denen man die Pickel eines Pastors auf einem drei Kilometer entfernten Kirchturm zählen könnte. „Wir agieren so still, dass kein Tier sich gestört fühlt“, flüsterten sie mir ehrfürchtig zu, während sie stolz ihre spektakulären Aufnahmen präsentierten. Ich wollte ihnen fast nicht sagen, dass ein paar Kilometer weiter die Bundeswehr gerade den „Puma“ füttert.

Es ist das klassische Sankt-Florian-Prinzip, nur in Grün (oder Tarnfleck): Jeder will Ökostrom, aber keiner das Windrad. Jeder will Verteidigung, aber bitte nicht im eigenen Vorgarten. Doch im Falle des Nationalparks passt das einfach nicht zusammen. Man kann nicht montags die Einzigartigkeit des Ökosystems feiern und dienstags die Projektile im Schlick versenken.

Ein Ende ist derweil nicht in Sicht. Trotz allem Gemecker der Lokalpolitik besagt eine amtliche Bekanntmachung von 2020: Wir bleiben hier. Die Natur muss also weiterhin lernen, mit dem Donner der Freiheit zu leben. Eine Lösung, die das militärische Engagement im Watt beendet, wäre wahrlich ein echtes „Weltnaturerbe“ wert. Bis dahin gilt: Ohren zu und durch den Schlick!


Hinweis: Bei diesem Text handelt es sich um einen Re-Post eines Beitrags vom 08.10.2021. Der Schreibstil wurde für diese Fassung angepasst und aktualisiert.

Foto: Norbert Beck / Grafik-Layout: canva PRO und Norbert Beck


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Norbert Beck

Norbert Beck, Softwareentwickler aus Eschwege, jongliert seit über 20 Jahren mit Codes und IT-Systemen – nur die Schwerkraft leistet gelegentlich noch Widerstand. Als ehemaliger Marathon-Staffelläufer weiß er, wie sich Ausdauer anfühlt; heute praktiziert er „Sport trotz Masse“ und beweist, dass man auch mit ein paar Kilo zu viel im Gepäck kein Standbild sein muss. Auf landpirat.de dokumentiert er seine Mission zwischen gesunder Ernährung, technischem Tatendrang und dem ehrlichen Versuch, den inneren Schweinehund digital zu überlisten. Leidenschaftlicher Fotograf, engagierter Netzwerker und ein Typ, der lieber Lösungen baut als Probleme wälzt – immer mit einer Prise Selbstironie und der nötigen Portion nordhessischer Direktheit.

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