Mit Mitte fünfzig stellt man sich unweigerlich die Frage, wie das eigene Finale aussehen soll. Ein Plädoyer gegen die Verbitterung und für mehr Gelassenheit im Alter.
Dass ich nicht gesund bin, weiß ich selbst. Dass ich zu viele Kilos mit mir herumschleppe, ist auch kein Geheimnis. Wenn dann noch ein paar Tage mit 40 Grad Hitzewelle dazukommen, zieht es einem komplett den Stecker. Diabetes und Übergewicht bringen eben regelmäßig ihre ganz eigenen Hagelschläge mit sich. Kurz gesagt: Gut ist das alles nicht. Letzten Freitag saß ich da und schwankte irgendwo zwischen himmelhochjauchzend und zu Tode betrübt. Die Quartalskontrollen beim Arzt standen an, es zwickte an allen Ecken und Enden, und ich hatte einfach meinen ultimativen Dicken-Tag. Im Vorbeigehen sah ich vier Leute, die noch korpulenter waren als ich – und ich betrachte meinen eigenen Umfang schon als ungesund. Da schießt dir sofort diese eine Frage in den Kopf: Willst du irgendwann genau so enden?
Die viel größere Frage ist eigentlich: Wie will man überhaupt enden? Mit fast Mitte fünfzig zähle ich mich selbst zu den Leuten, die langsam alt werden. Mental bin ich zwar noch absolut al dente und was Technik oder IT angeht, hänge ich manchen Jüngeren locker ab. Trotzdem merke ich, dass mit dem Alter die Zahl derer drastisch steigt, die mir mal gepflegt am verlängerten Rücken vorbeirutschen können.
Ich kenne genug Menschen, die im Alter komplett vergrießen. Oft ist die Familie schon vorausgegangen, dorthin, wo wir am Ende alle landen. Das Leben legt einem eben genug Steine in den Weg. Es gibt verdammt viele Gründe, warum man zu einem alten Griesgram mutieren kann. Konrad Adenauer hat dazu mal einen Satz geprägt, den man sich eigentlich hinter die Ohren schreiben sollte: „Wer sich zum Ärger hinreißen lässt, büßt für die Sünden anderer.“ Ein extrem weiser Satz. Ich würde dem noch hinzufügen: Ärgern lohnt sich einfach nicht, es bringt am Ende nur Falten.
Wenn man im Alter nicht verbittern will, muss man sich den Spaß im Leben irgendwie zurückholen. Und dazu gehört nun mal die Gesundheit. Mancher mag jetzt einwenden, dass das jenseits der 50 oder 60 ohnehin keinen Zweck mehr hat. Erzählt das bloß nicht den Wissenschaftlern.
Es gibt handfeste Studien mit untrainierten 80-Jährigen, die durch gezieltes Training wieder so viel Kraft und Energie aufgebaut haben, dass sie locker an die Leistungen deutlich jüngerer, aber untrainierter Probanden herankamen. Nur weil die Jahre ins Land ziehen, muss man nicht gleich die Flinte ins Korn werfen.
Das Älterwerden lässt sich nicht aufhalten, aber wie wir damit umgehen, entscheiden wir immer noch selbst. Am Ende des Tages zählen die Ziele, die man noch hat. Ich will wieder reisen, mich schmerzfrei bewegen und verdammt noch mal Spaß am Leben haben. Das ist schließlich das Einzige, was im Alter wirklich zählt.
Quellen:
Zur wissenschaftlichen Studienlage siehe:
- Fiatarone, M. A., et al. (1990): High-intensity strength training in nonagenarians: Effects on skeletal muscle. In: JAMA, 263(22), S. 3029–3034. (Diese Pionierstudie bewies erstmals den enormen Kraftzuwachs bei untrainierten Über-80- und 90-Jährigen).
- Melov, S., et al. (2007): Resistance exercise reverses aging in human skeletal muscle. In: PLoS ONE, 2(5), e438. (Diese Gen-Analysestudie belegte, dass Krafttraining die Genexpression gealterter Muskelzellen wieder auf das Niveau deutlich jüngerer, untrainierter Menschen zurücksetzt).
Bildinformationen:
Foto: Norbert Beck, mit Google Gemini und Google Nano Banana bearbeitet
Komposition des Beitragsbildes: Norbert Beck mit Unterstützung von canva pro
Rechtschreibung
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