Irgendwann schaut man sich in der eigenen Wohnung um und stellt fest: Das ist alles meins.
Leider.
Schränke voll, Schubladen voll, irgendwelche Dinge stehen herum, weil sie irgendwann einmal wichtig, teuer oder zumindest nicht völlig nutzlos waren. Manche davon wurden seit Jahren nicht mehr angefasst. Trotzdem wandern sie beim Aufräumen zuverlässig von einer Ecke in die andere.
Man könnte sie ja noch brauchen.
Dieser Satz dürfte für einen erheblichen Teil des Bestands in deutschen Kellern verantwortlich sein.
Bei mir fing jedenfalls irgendwann das Aussortieren an.
Nicht mit dem großen Ziel, Minimalist zu werden. Weiße Wände, ein Holzhocker und eine einzelne Gabel als vollständiger Hausstand reizen mich eher wenig. Ich wollte einfach weniger Zeug um mich herum haben.
Manche Dinge vermehren sich heimlich
Besonders gut funktioniert das in Küche, Bad und Kleiderschrank.
Dort gibt es Dinge, von denen man irgendwann feststellt, dass mehrere Exemplare existieren, obwohl man sich nicht daran erinnern kann, jemals bewusst das zweite oder dritte gekauft zu haben.
Küchengeräte sind dafür besonders begabt.
Irgendwann steht irgendein Plastikgerät im Schrank, das angeblich dreißig verschiedene Arbeiten übernimmt und dabei vermutlich sogar die Steuererklärung machen könnte. Benutzt habe ich es vielleicht zweimal.
Daneben liegt ein Messer.
Das Messer gewinnt erstaunlich oft.
Also kann einiges weg.
Nicht alles auf einmal. Ich habe keine Lust, morgens aufzuwachen und festzustellen, dass ich im Entrümpelungsrausch versehentlich meine komplette Wohnung abgeschafft habe.
Aber Stück für Stück.
Der Kleiderschrank erzählt ebenfalls Geschichten
Bei Kleidung wird es etwas komplizierter.
Da hängen Sachen, die nicht mehr passen. Andere passen inzwischen wieder. Manche waren teuer, manche mochte ich einmal und bei einigen weiß ich selbst nicht mehr genau, warum sie überhaupt noch da sind.
Gerade durch meine Gewichtsveränderungen habe ich verschiedene Größen im Schrank gesammelt.
Ein Teil davon war irgendwann zu klein.
Zum Glück habe ich nicht alles sofort weggegeben. Einige Sachen passen inzwischen wieder und müssen nicht neu gekauft werden.
Andere werde ich trotzdem nicht mehr tragen.
Nur weil ein Kleidungsstück irgendwann einmal Geld gekostet hat, muss es nicht bis zum Ende aller Tage Platz im Schrank beanspruchen.
Das Geld kommt dadurch schließlich auch nicht zurück.
Wegwerfen muss nicht sein
Was noch gut ist, landet bei mir möglichst nicht einfach im Müll.
Ein Teil lässt sich verkaufen. Anderes kann verschenkt werden. Vielleicht freut sich jemand darüber, während es bei mir ohnehin nur Staub sammelt.
Der Nebeneffekt gefällt mir ebenfalls.
Aus Dingen, die nur herumstehen, wird plötzlich ein bisschen Geld.
Und dieses Geld kann etwas finanzieren, das mir deutlich mehr bringt als der nächste Gegenstand im Regal.
Zum Beispiel Urlaub.
Nordsee klingt für mich jedenfalls wesentlich besser als ein voller Schrank.
Die freie Stelle muss nicht sofort wieder gefüllt werden
Das ist vermutlich der schwierigere Teil.
Wenn irgendwo plötzlich Platz entsteht, sieht dieser Platz erstaunlich einladend aus.
Da könnte man doch etwas hinstellen.
Nein.
Genau das ist die Falle.
Ich möchte nicht Sachen verkaufen, um anschließend mit dem Erlös neue Sachen zu kaufen, die zwei Jahre später ebenfalls auf der Abschussliste stehen.
Das heißt nicht, dass ich nichts mehr kaufe. Wenn ich etwas brauche oder wirklich haben möchte, kaufe ich es weiterhin.
Ich frage mich nur inzwischen öfter, ob ich es tatsächlich brauche.
Oder ob es lediglich fünf Minuten lang interessant aussieht.
Weniger Zeug macht nicht automatisch ein besseres Leben
Ich werde aus Minimalismus auch keine neue Religion machen.
Eine leere Wohnung löst keine Probleme, nur weil man plötzlich die Fußleisten besser sieht. Und wer Freude an einer Sammlung hat, soll sammeln. Wenn jemand drei Kartoffelpressen glücklich machen, werde ich ganz sicher keine Intervention organisieren.
Bei mir fühlt sich weniger Kram allerdings angenehm an.
Ich muss weniger von A nach B räumen. Schränke werden übersichtlicher und ich merke überhaupt erst wieder, was ich eigentlich besitze.
Vor allem gefällt mir der Gedanke, Dinge loszuwerden, die längst keine Rolle mehr spielen.
Nicht weil Besitz grundsätzlich schlecht wäre.
Manches davon steht nur noch herum.
Die Nordsee statt des nächsten Regalfüllers
Und während nach und nach Dinge verschwinden, gibt es ein Ziel, das wesentlich interessanter ist.
Die Nordsee.
Eine Wohnung möglichst nah am Deich, rausgehen, Wind, Wasser und für eine Weile etwas anderes sehen als die eigenen vier Wände.
Dafür kann der eine oder andere Gegenstand gern weiterziehen.
Vielleicht ist das am Ende meine persönliche Form von Minimalismus.
Nicht möglichst wenig besitzen.
Sondern etwas genauer entscheiden, was bleiben darf.
Und beim Rest irgendwann einfach sagen:
Das Zeug muss weg.
Foto: canva PRO / Layout: Norbert Beck und canva Pro
Rechtschreibung
Die Interpunktion und Orthographie dieses Textes sind frei erfunden. Eine Übereinstimmung mit aktuellen oder ehemaligen Rechtschreibregeln wäre rein zufällig und ist nicht beabsichtigt.
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