*Hinweis zur Datierung: Im alten Bestand steht der 25. März 2023. Das kann bei dieser Fassung des Textes nicht stimmen, denn sie behandelt bereits das Serienfinale „The Last Generation“, das am 20. April 2023 veröffentlicht wurde. *
Es gibt Serien, die schaut man. Und es gibt Serien, mit denen ist man irgendwie älter geworden. Star Trek: The Next Generation gehört für mich eindeutig zur zweiten Sorte. Picard, Riker, Data, Worf, Geordi, Beverly Crusher und Deanna Troi waren die Helden meiner Jugend. Keine magischen Hämmer, kein Spinnensinn. Dafür Diplomatie, ein Android mit dem Wunsch, menschlicher zu werden, und ein Raumschiff namens USS Enterprise NCC-1701-D.
Die ersten beiden Staffeln von Star Trek: Picard hatten mich dabei nicht vollständig überzeugt. Sie hatten ihre guten Momente, aber irgendwann stellte sich bei mir dieses „Na ja, kann man sich anschauen“ ein. Nicht schlimm. Aber auch nichts, bei dem ich anschließend noch eine halbe Stunde begeistert über ein Raumschiff hätte reden wollen.
Staffel 3 war anders.
Und wer sie noch nicht gesehen hat, sollte an dieser Stelle besser umdrehen. Ab hier gibt es Spoiler. Reichlich.
Plötzlich war die alte Mannschaft wieder da
Natürlich war Staffel 3 Fanservice. Reichlich sogar. Aber wenn man schon Fanservice macht, dann bitte so.
Nach und nach kam die alte Crew wieder zusammen. Nicht einfach nur für einen kurzen Gastauftritt, bei dem jemand einmal bedeutungsvoll in die Kamera schaut, damit wir alten Trekkies zufrieden sind. Die Figuren bekamen tatsächlich wieder etwas zu tun.
Patrick Stewart war wieder Picard. Jonathan Frakes durfte Riker sein. Worf war immer noch Worf, nur etwas älter und auf seine ganz eigene Art möglicherweise sogar noch merkwürdiger. Data bekam eine weitere Gelegenheit, sich mit der Frage herumzuschlagen, was Menschlichkeit eigentlich bedeutet.
Und irgendwann stand sie da.
Die Enterprise-D.
Ich gebe es zu: In diesem Moment war es mit meiner sachlichen Betrachtung der Serie endgültig vorbei.
Geordi LaForge hatte die alte Enterprise über Jahre wieder aufgebaut, und plötzlich saß diese Mannschaft wieder auf ihrer Brücke. Die Beleuchtung war heller als auf den neueren Schiffen, die Teppiche waren zurück und vor meinem Fernseher saß ein Mann jenseits der 50, der sich für einen Moment wieder ziemlich genau daran erinnerte, warum ihn dieses Raumschiff einmal so begeistert hatte.
Ja. Da hatte ich Pipi in den Augen.
Damit kann ich leben.
Ein Miesepeter, den ich gerne behalten hätte
Eine der besten neuen Figuren war für mich ausgerechnet Captain Liam Shaw.
Der Mann war kein zweiter Picard und wollte es auch nicht sein. Er war kein strahlender Held, der sich begeistert in jedes Abenteuer warf. Eigentlich wollte er vor allem, dass Picard und Riker aufhören, sein Schiff in Schwierigkeiten zu bringen.
Was natürlich hervorragend funktionierte.
Gerade deshalb mochte ich Shaw. Er war unbequem, gelegentlich unsympathisch und hatte wenig Interesse daran, die alten Helden ehrfürchtig anzustarren. Hinter dem Miesepeter steckte aber deutlich mehr. Sein Tod hat mich deshalb tatsächlich geärgert. Von ihm hätte ich gerne mehr gesehen.
Auch Vadic hätte für meinen Geschmack etwas länger bleiben dürfen. Sie war herrlich unangenehm und hatte genau die richtige Portion Wahnsinn. Die Wechselbälger als Gegner fand ich ohnehin spannend, weil damit eine alte Geschichte wieder hervorgeholt wurde, ohne einfach nur eine bekannte Figur durch die nächste Tür laufen zu lassen.
Gut, am Ende kamen natürlich trotzdem wieder die Borg.
Es ist schließlich Picard.
Endlich hat das Alter einen Vorteil
Besonders amüsiert hat mich, wie Staffel 3 das Alter ihrer Helden tatsächlich in die Handlung eingebaut hat.
Der Plan der Borg funktionierte über Veränderungen, die bei den jüngeren Mitgliedern der Sternenflotte wirksam wurden. Die älteren Semester waren davon nicht auf dieselbe Weise betroffen. Ausgerechnet Picard, Riker und der Rest der inzwischen deutlich ergrauten Mannschaft gehörten damit plötzlich zu denen, die noch etwas unternehmen konnten.
Endlich.
Jahrzehntelang bekommt man erzählt, dass man jung, schnell und möglichst faltenfrei sein soll, und dann kommt Star Trek und erklärt mir: Wenn die Borg angreifen, sind die Alten gefragt.
Ich wusste doch, dass sich das Älterwerden irgendwann auszahlt.
Und dann fliegt Data dieses Ding
Der Endkampf war natürlich vollkommen übertrieben.
Data jagte die Enterprise-D durch das Innere eines Borg-Kubus, als hätte er zwischenzeitlich heimlich einen Kurs bei den Rebellen aus Star Wars besucht. Dieses riesige Schiff flog Kurven, bei denen wahrscheinlich irgendwo im Maschinenraum sämtliche Kaffeetassen gleichzeitig aus den Halterungen gefallen wären.
Realistisch?
Vermutlich nicht.
Hat es mich gestört?
Nicht im Geringsten.
Manchmal möchte ich gar nicht wissen, ob ein Flugmanöver physikalisch sinnvoll ist. Manchmal möchte ich einfach die Enterprise sehen, während sie Dinge macht, für die sie vermutlich niemals gebaut wurde.
Und dafür war dieser Moment ziemlich großartig.
Der eigentliche Abschied
Am Ende war Staffel 3 für mich weniger eine weitere Staffel von Picard als der Abschied, den die Mannschaft von The Next Generation noch einmal bekommen sollte. Paramount selbst hatte die dritte Staffel als finale Staffel von Picard angekündigt und die Rückkehr der ursprünglichen Next Generation-Brückencrew ausdrücklich zum Kern gemacht.
Natürlich war nicht alles perfekt. Manche Handlungsstränge gingen mir zu schnell, andere hätten mehr Platz verdient. Auch der Borg-Kubus wurde für meinen Geschmack etwas flott entsorgt. Nach Jahrzehnten als einer der großen Schrecken des Star-Trek-Universums hätte er sich ruhig ein paar Minuten länger wehren dürfen.
Aber irgendwann saßen Picard und seine Freunde wieder zusammen an einem Tisch, spielten Karten und redeten miteinander.
Und eigentlich brauchte es gar nicht mehr.
Keine große Rede darüber, was diese Figuren für Generationen von Zuschauern bedeutet haben. Kein Schild mit „Jetzt bitte emotional werden“. Einfach diese Leute zusammen an einem Tisch.
Das reichte.
Und was wurde aus Star Trek: Legacy?
Damals ließ das Finale die Tür ziemlich demonstrativ offen. Seven of Nine übernahm die Enterprise-G, Jack Crusher war an Bord und sogar Q tauchte noch einmal auf. Natürlich begann sofort die Hoffnung auf eine Fortsetzung, für die sich schnell der Arbeitstitel Star Trek: Legacy festsetzte.
Ich wäre dabei gewesen.
Drei Jahre später sieht es allerdings anders aus. Aus Star Trek: Legacy ist bis heute keine angekündigte Serie geworden. Terry Matalas hat zwar weiter über seine Ideen dafür gesprochen, das Projekt befindet sich aber nach aktuellem Stand nicht in Produktion.
Vielleicht ist das sogar in Ordnung.
Denn wenn Staffel 3 tatsächlich das letzte große gemeinsame Abenteuer dieser Mannschaft bleibt, kann ich damit leben. Sie bekamen noch einmal ihre Enterprise, noch einmal die Borg, noch einmal eine völlig aussichtslose Mission und am Ende noch einmal einen gemeinsamen Abend.
Für meine Helden von damals ist das kein schlechter Abgang.
Und falls irgendwo doch noch jemand eine Enterprise-G aus dem Raumdock schieben möchte: Ich würde vermutlich wieder einschalten.
Man ist schließlich nie zu alt für ein Raumschiff.
Foto: paramount+ / Beitragsbild-Layout: Norbert Beck
Rechtschreibung
Die Interpunktion und Orthographie dieses Textes sind frei erfunden. Eine Übereinstimmung mit aktuellen oder ehemaligen Rechtschreibregeln wäre rein zufällig und ist nicht beabsichtigt.
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