Wenn Wissenschaftler Tabellen zeichnen, sieht das Leben immer herrlich einfach aus. Da wirft man ein paar Tausend Probanden in einen Topf, gibt ihnen über 72 Wochen hinweg wöchentlich die Spritze und spuckt am Ende wunderschöne Prozentzahlen aus. In der bekannten SURMOUNT-1-Studie zu Tirzepatid – also dem Wirkstoff in Mounjaro – klingen diese Ergebnisse fast schon wie ein Angebot aus dem Kaffeefahrten-Katalog: Bei 5 Milligramm schrumpfte das Körpergewicht im Schnitt um 15,0 Prozent, bei 10 Milligramm um 19,5 Prozent und auf der Höchstdosis von 15 Milligramm waren es sogar 20,9 Prozent.
Als Zahlenfanatiker setzt man sich bei solchen Werten natürlich sofort mit dem Taschenrechner auf die Couch und beginnt zu träumen. Rechnet man diese Studienmittelwerte stur auf mein persönliches Startgewicht von geschmeidigen 157,6 Kilo um, bekommt der Rechner richtig was zu tun. Bei der kleinsten Dosis stünde da theoretisch ein Zielgewicht von etwa 134 Kilo auf dem Papier. Wandert man gedanklich weiter hoch bis zur Höchstdosis, lande ich rechnerisch irgendwo zwischen 124 und 127 Kilo. Das wäre eine satte Abnahme von weit über 30 Kilogramm.
Das klingt fantastisch, hat aber einen gigantischen Haken: Studienmittelwerte sind keine persönliche Vorhersage und schon gar keine Garantie. Mein Körper ist kein Laborbericht und die Biologie schert sich reichlich wenig um mathematische Wunschträume. Niemand garantiert mir, dass ich diese Zahlen erreiche. Sie zeigen lediglich das medizinische Potenzial. Genauso verhält es sich mit den Geschichten über den Herz-Kreislauf-Schutz. In der SELECT-Studie zu Semaglutid sank das Herzinfarkt-Risiko bei einer sehr spezifischen Gruppe zwar um 20 Prozent, aber das lässt sich weder eins zu eins auf jeden Anwender noch pauschal auf Mounjaro übertragen.
Für mich geht es bei dem ganzen Aufwand um etwas völlig anderes als um den Schönheitspreis beim Strandurlaub. Bei mir beißt sich die Katze seit Jahren schmerzhaft in den eigenen Schwanz. Mein hohes Gewicht drückt massiv auf den kompletten Bewegungsapparat. Rücken, Knie, Sprunggelenke – alles schreit nach Erbarmen. Gleichzeitig bräuchte ich dringend Bewegung, um Gewicht zu reduzieren und genau diese Schmerzen zu lindern. Das ist ein Teufelskreis aus der Hölle. Hast du Schmerzen, bewegst du dich nicht. Bewegst du dich nicht, nimmst du nicht ab. Und wenn du nicht abnimmst, werden die Schmerzen garantiert nicht besser.
Mounjaro ist für mich der Brechmeißel, um diese verdammte Schmerzspirale endlich zu knacken. Das Medikament soll die Kilos purzeln lassen, damit Bewegung überhaupt erst wieder ohne Tränen möglich wird. Momentan besteht mein Sportprogramm hauptsächlich daraus, meinen Schrittzähler brav auf Trab zu halten und möglichst regelmäßig zügige Walking-Runden zu drehen. Wenn man über 150 Kilo auf die Waage bringt und die Gelenke schon angeschlagen sind, sollte man es mit dem Ehrgeiz schließlich nicht sofort übertreiben.
Mein heimlicher kleiner Traum sieht allerdings anders aus. Wer mich schon länger auf landpirat.de verfolgt, weiß, dass ich früher extrem viel gelaufen bin. Wenn ich es schaffe, das Gewicht durch Mounjaro und eine vernünftige Ernährungsumstellung weit genug nach unten zu drücken, möchte ich irgendwann wieder die Laufschuhe schnüren. Nicht für Marathon-Medaillen oder neue Rekorde, sondern einfach aus purer Freude an der Bewegung. Das Spritzen-Projekt ist weder ein persönliches Versagen noch eine faule Abkürzung, sondern eine echte Chance. Und die greife ich mir jetzt.
Bildinformationen:
Foto: Norbert Beck, mit Google Gemini und Google Nano Banana bearbeitet
Komposition des Beitragsbildes: Norbert Beck mit Unterstützung von canva pro
Rechtschreibung
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