Das Ende des Werramans

Es ist amtlich: Der Werraman ist Geschichte – zumindest in der Form, wie wir ihn kannten (oder zuletzt eher mühsam ertragen haben). Nach 16 Runden, zwei unfreiwilligen Corona-Pausen und einem schleichenden Relevanzverlust ziehen die Stadtwerke den Stecker. Man könnte sagen: Der Patient war schon länger klinisch tot, jetzt wurde nur das Beatmungsgerät abgeschaltet.

Die offizielle Begründung? Die Veranstaltung habe sich von ihrem Ursprung entfernt und die Begeisterung im Volk sei, nun ja, überschaubar geworden. Das ist zwar diplomatisch korrekt, kratzt aber nur an der Oberfläche des Neoprenanzugs.

Die Vertreibung aus dem Paradies der Amateure

Eigentlich war das Konzept genial: Ein Volkstriathlon. Ein Fest für Hinz und Kunz, für den schwitzenden Nachbarn, die prustende Kollegin und das lokale Handwerker-Team. Doch dann kam die Gier nach sportlicher Weihe. Man holte sich offizielle Meisterschaften ins Boot und mit ihnen ein Regelwerk, das eher an die Tour de France als an ein Volksfest erinnerte.

Plötzlich war der Spaß vorbei, wenn der Hobby-Radler 50 Zentimeter zu nah am Vordermann fuhr. Wer beim „Jedermann“-Lauf mit dem Zollstock die Windschattenbox misst, hat den Schuss – oder eher den Startschuss – nicht gehört. Profi-Regeln töten den Breitensport-Vibe schneller, als man „Wechselzone“ sagen kann.

Hightech-Bikes gegen Drahtesel

Apropos Wechselzone: Es hat schon eine gewisse Komik, wenn der motivierte Gelegenheitsradler seinen treuen Alubock neben ein maßgefertigtes Carbon-Geschoss hängt, das preislich irgendwo zwischen Kleinwagen und Eigentumswohnung rangiert. Wenn der „Volks“-Charakter darin besteht, dass sich das einfache Volk deplatziert fühlt, hat man beim Marketing wohl falsch abgebogen.

Auch die Team-Wettbewerbe, einst das Herzstück, wurden zur Farce. Wenn Firmen plötzlich „Gäste“ einkaufen und der lokale Triathlon-Trainer als „Mitarbeiter des Monats“ getarnt den Sieg einfährt, ist das keine sportliche Leistung, sondern schlicht Wettbewerbsverzerrung. Wo bleibt der Reiz, wenn die Überraschungschance gegen Null sinkt, weil Halbprofis das Feld von hinten (oder eher von ganz vorne) aufräumen?

Das Problem der Seriensieger

Und dann ist da noch das Phänomen Phillip Mock. Nichts gegen seine zweifellos beeindruckende Leistung – er ist das Aushängeschild der Region. Aber mal ehrlich: Ein Krimi, bei dem man den Mörder schon vor dem Aufschlagen des Buches kennt, liest niemand gern. Wenn die einzige spannende Frage lautet: „Um wie viele Lichtjahre distanziert er den Rest?“, bleiben die Zuschauer eben lieber zu Hause beim Sonntagsbraten.

Stadtwerke: Schuster, bleib bei deinen Leisten

Für die Stadtwerke ist der Rückzug ein Befreiungsschlag. In Zeiten galoppierender Energiepreise wirkt es eben wenig vermittelbar, wenn ein kommunaler Versorger zur Belustigung einer schwindenden Elite den Goldesel spielt. Strom, Gas, Wasser – das ist das Kerngeschäft. Triathlon-Eventmanagement eher weniger.

Fazit: Zurück zum Ursprung oder gar nicht

Ein Neustart? Gerne. Aber nur, wenn man sich wieder traut, „einfach“ zu sein. Weniger Kommerz, weniger Profi-Allüren, mehr ehrlicher Schweiß unter Kollegen. Partnerschaften mit Schulen statt mit Regel-Fetischisten.

Wenn der Werraman jemals wieder aus den Fluten steigt, dann hoffentlich mit der Seele, die er über die Jahre verloren hat. Und wer weiß? Wenn das Reglement bis dahin „übers Wasser gehen“ als Schwimmstil zulässt und meine Fitness eine Wunderheilung erfährt, stehe ich vielleicht auch wieder am Start. Bis dahin: Ruhe in Frieden, Werraman.


Hinweis: Dies ist ein Re-Post eines Beitrags vom 09.08.2022. Der ursprüngliche Text wurde in seinem Schreibstil angepasst, in eine glossierende Form gebracht und inhaltlich aktualisiert, ohne dabei die grundlegenden Details und Aussagen zu verändern.

Foto: Norbert Beck / Beitragsbild-Layout: canva PRO und Norbert Beck


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Norbert Beck

Norbert Beck, Softwareentwickler aus Eschwege, jongliert seit über 20 Jahren mit Codes und IT-Systemen – nur die Schwerkraft leistet gelegentlich noch Widerstand. Als ehemaliger Marathon-Staffelläufer weiß er, wie sich Ausdauer anfühlt; heute praktiziert er „Sport trotz Masse“ und beweist, dass man auch mit ein paar Kilo zu viel im Gepäck kein Standbild sein muss. Auf landpirat.de dokumentiert er seine Mission zwischen gesunder Ernährung, technischem Tatendrang und dem ehrlichen Versuch, den inneren Schweinehund digital zu überlisten. Leidenschaftlicher Fotograf, engagierter Netzwerker und ein Typ, der lieber Lösungen baut als Probleme wälzt – immer mit einer Prise Selbstironie und der nötigen Portion nordhessischer Direktheit.

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