Das ist nicht mehr mein Milljöh

Hier ist die gewünschte Glosse – mit ’ner ordentlichen Portion Berliner Herz und Schnauze frisch uffjepinselt:


Berlin, ick hab mir mal janz dolle in Dir verliebt – aber heute? Da krieg ick Plaque!

Mensch Xenia, Puppe, da kieke ick nachts so durchs Netz und stolpere über Deinen Text „12 Dinge, mit denen Touris in Berlin ziemlich nerven“. Und wat soll ick Dir sagen? Mir fiel jlat die Stulle aus dem Jesicht. Respektlos is ja noch jeschmeichelt, Schätzelein.

Klar, kann man mal drüber lachen, wenn die Fremden dusselig im Weg stehen. Aber haste mal drüber nachjedacht, wer die Kohle in de Stadt schleppt? Berlin is pleite, Berlin is am Ende, und ohne die Touris könnten wir hier jleich dichte machen und den Schlüssel in de Spree werfen.

Ick erzähl Dir mal wat: Berlin war für mich mal die Stadt schlechthin. Dit war Juhnke, dit war Hallervorden, dit war „Herz mit Schnauze“. Ick war kurz vor der Wende dit erste Mal hier – Klassenfahrt. Wir ham den VoPo im Osten nach dem Weg jefracht, während mein Kumpel sich fast inne Hose jemacht hat vor Schiss. Wir waren bei Didi in de „Wühlmäuse“, im Zoo, det erste Mal Disco. Berlin war Puls, Berlin war Leben!

Später kam ick als Autogrammjäger wieder. Nachts mit der Kamera von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit – und überall hat’s vibrirt. War’s sauber? Nö. Aber sauberer als heute! Die Leute waren noch jeschmeidiger, man musste nich drei Wochen vorher reservieren, nur um ’ne Wurst zu beißen, und det Essen war noch bezahlbar.

Aber dann jings los mit dem Mief. Erst klaut son kleener Jungschauspieler-Bettler meiner Mutter’n Fuffi aus de Tasche, während ick in de Kirche bete. Später liest man, dit is Methode uff de Tourimeilen – und die Blagen werden verprügelt, wenn se nich jenuch ranholen. Dit is Berlin heute? Pfui Spinne.

Oder nimm det Nikolaiviertel. Früher jab’s da Kalbsleber mit Äpfeln und Zwiebeln, dit meine Mutter nur so mit de Ohren jeschlackert hat. Und heute? Um den Fernsehturm rum nur noch Stress. Da rangel sich Migranten mit Obdachlosen, daneben pöbeln Jugendliche, und die Touris laufen mit Scheuklappen mittendurch. Surreal is jar kein Ausdruck mehr.

Apropos Leute: Als meine Mutter Hilfe brauchte, weil se behindert war, wer hat anjepackt? Nich die feinen Herren, die sich für echte Berliner halten. Ne, dit waren die Jungs, die manche heute noch abfällig „Kanacken“ nennen. Da krieg ick ’ne Allergie, wenn ick sowas höre!

Berlin is ooch der Ort meiner jrößten Klatsche. Ick war fit, ick war schlank, ick hatte den Startplatz für den Marathon. Und dann? Mutter krank, ick uff de Fresse jeflogen bei Kilometer 5, Wunde uff – dit war’s. Seitdem hab ick zwar noch ’nen Koffer in Berlin, aber der is voll mit Enttäuschung.

Heute? Alles teurer, unsauberer, unfreundlicher. Deiner Lieblingsläden machen dicht, nich weil se pleite sind, sondern weil jierije Investoren den Hals nich voll krieget und die Touris noch mehr ausnehmen wollen.

Und Xenia, Schätzchen: Schwarzfahrer nerven, klar. Aber habt ihr euch mal eure Automaten anjekickt? Da blickt doch keen Schwein durch! Selbst der Einheimische sacht: „Det kann ick Ihnen ooch nich jenau sajen.“ Und wenn’s nach Urin stinkt – ja, jlaubste denn, det sind nur die Touris? Wenn det Klo im Bahnhof zu is oder 5 Euro kostet, wo soll der Mensch denn hin? „Klo nur für Jäste“ steht an jeder Kneipe. Berlin verkommt zur öffentlichen Latrine, weil die Infrastruktur für’n Eimer is.

Sicher, gönn Dir Deinen Döner für 6 Euro, wenn de ihn noch so billig kriegst. Wir haben Raue, wir haben Duc, wir haben Blattgold-Currywurst im Adlon – alles dufte. Aber wo is die Berliner Hausmannskost jblieben? Im Nikolaiviertel kriegste Mini-Portionen für Apothekerpreise. Da kannste ooch jleich ’ne Bemme beim Metzger mampfen.

Berlin hat so viel mehr als nur Brandenburger Tor und Checkpoint Charlie. Aber ihr vermarktet nur den teuren Schund und lasst die Geheimtipps verrotten. Ganz ehrlich? Wenn mir ’ne Deern von de Reeperbahn besuchen kommt, fängt die freiwillig an zu putzen, weil’s hier so aussieht. Wer sich so hängen lässt wie Berlin, der hat sich doch schon längst uffjejeben.

Ick sach’s wie’t is: Wenn ick wählen muss, fahr ick lieber nach Hamburg. Da sacht man „Moin“ und jut is. Da is Flair, da is Wasser, und da kann ick mit dem normalen Ticket mit de Fähre schippern, ohne det mir wer det Fell über die Ohren zieht.

Um es mit Vater Zille zu sajen: Berlin, Du bist nich mehr mein Milljöh. Sorry, wa?


Hinweis: Bei diesem Text handelt es sich um einen Re-Post eines Beitrags vom 16.08.2022. Der ursprüngliche Inhalt wurde beibehalten, jedoch wurde der Schreibstil für diese Veröffentlichung angepasst, aktualisiert und mit einer kräftigen Prise Berliner Dialekt neu formuliert.

Foto: canva PRO / Beitragsbild-Layout: canva PRO und Norbert Beck


Rechtschreibung

Die Interpunktion und Orthographie dieses Textes sind frei erfunden. Eine Übereinstimmung mit aktuellen oder ehemaligen Rechtschreibregeln wäre rein zufällig und ist nicht beabsichtigt.

Fehler? Klar, ich bin auch nur ein Mensch! Vor der Veröffentlichung lasse ich meine Blogposts von einer KI (z. B. ChatGPT) auf Rechtschreibung und Grammatik prüfen, um die gröbsten Patzer auszumerzen. Das Ergebnis ist sauberer als so mancher Zeitungsbeitrag – und das will was heißen! 😉


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Norbert Beck

Norbert Beck, Softwareentwickler aus Eschwege, jongliert seit über 20 Jahren mit Codes und IT-Systemen – nur die Schwerkraft leistet gelegentlich noch Widerstand. Als ehemaliger Marathon-Staffelläufer weiß er, wie sich Ausdauer anfühlt; heute praktiziert er „Sport trotz Masse“ und beweist, dass man auch mit ein paar Kilo zu viel im Gepäck kein Standbild sein muss. Auf landpirat.de dokumentiert er seine Mission zwischen gesunder Ernährung, technischem Tatendrang und dem ehrlichen Versuch, den inneren Schweinehund digital zu überlisten. Leidenschaftlicher Fotograf, engagierter Netzwerker und ein Typ, der lieber Lösungen baut als Probleme wälzt – immer mit einer Prise Selbstironie und der nötigen Portion nordhessischer Direktheit.

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