Der Bruch im kleinem Teich

Teiche sind für uns Läufer ja ohnehin eine psychologische Herausforderung. Während das Hirn noch optimistisch murmelt: „Komm, wir drehen eine entspannte Runde“, antworten die Beine meist mit einem empörten: „Klar, lass dich ruhig tragen, während wir hier die Drecksarbeit machen.“ Besonders perfide sind da die Bruchteiche. Zwei Gewässer, direkt nebeneinander, die einen förmlich dazu zwingen, sie in Form einer liegenden Acht zu umrunden. Eine Acht, eine große Runde – zack, 10,5 Kilometer. Ein Pensum, das für mich vor anderthalb Jahren noch so utopisch klang wie ein fehlerfreier Steuerbescheid.

Eigentlich ist das Laufen hier ein Privileg: malerische Morgenstimmung, seltene Tiere und – das Wichtigste – kaum Menschen. Nur die Angler trübten das Idyll. Diese Spezies scheint grundsätzlich davon auszugehen, dass man für einen Nachmittag am Wasser eine Ausrüstung benötigt, die für eine zweiwöchige Expedition ins Amazonas-Delta reichen würde. Mit ihren Camping-Festungen belagerten sie jede Bank, was für jemanden, der am Anfang seiner Laufkarriere dringend auf Pausen angewiesen war, eher semigut ankam.

Doch plötzlich herrschte Stille. Die Angler verschwanden. Der Grund fand sich kurz darauf in der Zeitung: Eine Tonne Fischkadaver wurde aus dem kleinen Teich gefischt. Die Diagnose? Ammoniak-Vergiftung.

Man hätte es wissen können. Schwäne und Enten hatten den Ort schon längst fluchtartig verlassen – und Tiere haben meist einen besseren Instinkt als der Mensch mit der Angelrute. Ein hellgrüner Schleier aus Mikroalgen überzog das Wasser seit Wochen. Algenblüte, Zersetzung, Ammoniak. Ein Teufelskreis, der den Fischen den Garaus machte und mich zum unfreiwilligen Chemiedetektor beförderte.

Als Asthmatiker reagiere ich auf „unliebsame Gase“ wie ein hochempfindlicher Sensor. Ob Zigarettenqualm oder nachbarschaftliche Holzverbrennungs-Experimente – meine Lunge meldet sich sofort. An den Bruchteichen war es ein ständiger Hustenreiz, sobald ich das Ufer erreichte. Heute weiß ich: Das war kein Trainingsmangel, das war der Geruch der ökologischen Katastrophe.

Die Rettungsmaßnahmen? Nun ja, man bemüht sich. Die Hessenschau berichtete, dass man Wasser abpumpe und auf Sauerstoffanreicherung setze. Den Rest soll der Regen richten. Hier wird es jedoch surreal: Welcher Regen eigentlich? Wenn es in den letzten Monaten mal feucht von oben kam, hätte man das eher als kollektives Urinieren von Mücken bezeichnen können – ein Tropfen auf den heißen Stein. Ohne natürlichen Zufluss und bei Rekord-Niedrigstand des benachbarten Bachs wirkt das Prinzip „Hoffnung auf Wolkenbruch“ fast schon galgenhumorig. Wer Wasser abpumpt, landet zudem tief im fauligen Modder der verrottenden Pflanzenreste. Ob das die Fischrettung ist oder eher das Servieren des Gnadenschusses, bleibt abzuwarten.

Ich ziehe vorerst die Konsequenzen und meide das Areal. Zwischen Algenausdünstungen und dem Odeur verwesender Fische läuft es sich einfach schlecht. Aber das Problem ist größer als nur zwei Teiche. Ein Ausflug zum „Nordkap“ bei Albungen – dort, wo sich der alte Werraarm und der Fluss küssen – offenbarte das ganze Ausmaß: Trockenes Schilf, modriger Gestank und eine Farbpalette in Grün-Braun.

Der Klimawandel ist kein abstraktes Konzept mehr, er riecht muffig. Und während die Wälder drumherum vertrocknen, bleibt uns Läufern nur die Erkenntnis: Die Natur zeigt uns gerade die rote Karte – und wir stehen ohne Bank zum Ausruhen da.


Dies ist ein Re-Post eines Beitrags vom 22.08.2022. Der ursprüngliche Text wurde inhaltlich beibehalten, jedoch in seinem Schreibstil angepasst, sprachlich modernisiert und im Hinblick auf die zeitliche Perspektive aktualisiert, um die damaligen Geschehnisse in einem pointierten, glossenhaften Stil neu zu beleuchten.

Foto: Norbert Beck und canva PRO / Beitragsbild-Layout: canva PRO und Norbert Beck


Rechtschreibung

Die Interpunktion und Orthographie dieses Textes sind frei erfunden. Eine Übereinstimmung mit aktuellen oder ehemaligen Rechtschreibregeln wäre rein zufällig und ist nicht beabsichtigt.

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Norbert Beck

Norbert Beck, Softwareentwickler aus Eschwege, jongliert seit über 20 Jahren mit Codes und IT-Systemen – nur die Schwerkraft leistet gelegentlich noch Widerstand. Als ehemaliger Marathon-Staffelläufer weiß er, wie sich Ausdauer anfühlt; heute praktiziert er „Sport trotz Masse“ und beweist, dass man auch mit ein paar Kilo zu viel im Gepäck kein Standbild sein muss. Auf landpirat.de dokumentiert er seine Mission zwischen gesunder Ernährung, technischem Tatendrang und dem ehrlichen Versuch, den inneren Schweinehund digital zu überlisten. Leidenschaftlicher Fotograf, engagierter Netzwerker und ein Typ, der lieber Lösungen baut als Probleme wälzt – immer mit einer Prise Selbstironie und der nötigen Portion nordhessischer Direktheit.

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