Dinner for Sophie

Sie sind wieder da. Pünktlich wie die Steuererklärung, aber deutlich unwillkommener: Die Eisheiligen. Mamertus, Pankratius, Servatius und Bonifatius geben sich die Klinke in die Hand, als wäre unser Vorgarten das Wartezimmer einer Gemeinschaftspraxis für Kälteschock-Therapie. Und natürlich darf sie nicht fehlen, das Grande Finale der Frost-Brigade: die „Kalte Sophie“. Man hat unweigerlich das Bild der betagten Dame aus Dinner for One vor Augen, wie sie über den Tigerkopf stolpert. Nur dass der Tiger in diesem Fall unser lokales Wetter ist und der Stolperer direkt in den einstelligen Temperaturbereich führt.

In unserem Landstrich zwischen Werra und Meißner, den man mancherorts liebevoll (oder hasserfüllt) „Klein-Sibirien“ nennt, wissen wir: Wenn die Sophie kommt, zieht sie nicht nur die Temperatur nach unten, sondern auch die Mundwinkel derer, die bereits die kurzen Hosen aus dem Kellerverlies befreit hatten. Die Bauernregeln unken es seit Jahrhunderten von den Scheunendächern: „Oft hat Sophie Frost gebracht und manche Pflanze totgemacht.“ Ein poetischer Offenbarungseid für jeden Hobbygärtner, der seine Geranien zu früh in die Freiheit entlassen hat.

Mit diesem meteorologischen Optimismus im Gepäck begab ich mich zur Knaus-Hallig-Runde. Zwei Runden, insgesamt 2,8 Kilometer – ein Pensum, das nach olympischem Gold klingt, wenn man das eigene Körpergewicht in die physikalische Gleichung einbezieht. Gehen, nicht Laufen, lautete die Devise. Schließlich will ich meinen Sehnen und Knochen nicht das antun, was die Eisheiligen mit den Jungpflanzen veranstalten. Und seien wir ehrlich: Optisch macht es für den unbeteiligten Beobachter ohnehin keinen Unterschied ob ich gehe oder laufe. Am Ende ist der Unterschied einer Zahnwurzelbehandlung mit oder ohne Betäubung für Außenstehende auch nicht unmittelbar ersichtlich.

Ich war noch nicht einmal an der psychologisch wichtigen 500-Meter-Marke vorbei, als sich die Frage nach einer technischen Innovation aufdrängte: Warum gibt es eigentlich keine Scheibenwischer für Brillen? Der sogenannte „Fisselregen“ – jene hinterhältige Form des Niederschlags, die so fein ist, dass man sie nicht spürt, die aber binnen Sekunden die Sichtgläser in ein Milchglas-Mosaik verwandelt – schlug gnadenlos zu. Die Sichtweite sank auf „Zero/Zero“, was im Fliegerdeutsch so viel bedeutet wie: Landeanflug nur noch per Gebet möglich.

Interessanterweise war ich allein auf weiter Flur. Normalerweise führen hier die üblichen Hunde ihre Herrchen und Frauchen gassi, doch selbst die vierbeinigen Freunde hatten an diesem Tag offenbar kollektiv beschlossen, dass der heimische Teppich ein deutlich attraktiveres Habitat darstellt als die nasse Realität da draußen. Wenn selbst ein Hund, der sonst mit Begeisterung an alten Autoreifen schnüffelt, den Dienst quittiert, weißt du: Das Wetter ist nicht „erfrischend“, es ist eine Frechheit.

Gegen Ende der Runde mutierte das Fisseln zu einem soliden Regen. Ich zog eine Spur hinter mir her, die nicht von heroischem Schweiß kündete, sondern schlicht von meiner Mesh-Jacke, die den Kampf gegen die Wassermassen längst verloren hatte. In früheren Zeiten – man erinnere sich an die heroische Epoche der ersten Läuferkarriere – fand ich Regen toll. Er wusch den Pollenflug aus der Luft, erleichterte die asthmatische Atmung und verdeckte gnädig die Spuren körperlicher Überforderung. Alles war nass, alles war eins. Doch heute? Heute ist Regen einfach nur nass und kalt. Man wird nicht nur reifer, man wird auch deutlich weniger wasserlöslich.

Am Ende blieb der Rückzug ins Auto, das als mobile Trockenkammer fungieren musste. Die sportliche Ambition fand ihr jähes Ende und wurde kurzerhand in den örtlichen Supermarkt verlegt. Die Jagd nach Frisée, Gurke und Tomaten ist schließlich auch eine Form von Intervalltraining, nur eben mit Einkaufswagen statt Pulsuhr. Und der Ausblick auf morgen? Da steht das nächste Abenteuer an. Wahrscheinlich eine Runde Pokémon Go – oder, angesichts der Wetterlage und des allgemeinen Fitnesslevels, eher ein gepflegtes „Pokémon Sit“. Vielleicht werde ich dann die Sophie im Raid fangen, oder doch eher ein Masskito, eine Schabelle oder ein Voltirant?

Bildinformationen:
Foto
: Norbert Beck, mit Google Gemini und Google Nano Banana bearbeitet
Komposition des Beitragsbildes: Norbert Beck mit Unterstützung von canva pro


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Norbert Beck

Norbert Beck, Softwareentwickler aus Eschwege, jongliert seit über 20 Jahren mit Codes und IT-Systemen – nur die Schwerkraft leistet gelegentlich noch Widerstand. Als ehemaliger Marathon-Staffelläufer weiß er, wie sich Ausdauer anfühlt; heute praktiziert er „Sport trotz Masse“ und beweist, dass man auch mit ein paar Kilo zu viel im Gepäck kein Standbild sein muss. Auf landpirat.de dokumentiert er seine Mission zwischen gesunder Ernährung, technischem Tatendrang und dem ehrlichen Versuch, den inneren Schweinehund digital zu überlisten. Leidenschaftlicher Fotograf, engagierter Netzwerker und ein Typ, der lieber Lösungen baut als Probleme wälzt – immer mit einer Prise Selbstironie und der nötigen Portion nordhessischer Direktheit.

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